Vokal-Musik. Dergleichen hatte nichts Jüngferliches; es zeug-te von einem freien und gelassenen Ins Auge fassen der Weltder Begierde. Aber wiederum war es nicht charakteristischfür mich, sondern für ihn, wenn ich jedesmal bei solchen Wen-dungen des Gesprächs etwas wie einen Chock, eine Bestürzung,ein leises Sich zusammenziehen meines Innern empfunden hatte.
Es war, um mich emphatisch auszudrücken, wie wenn man einenEngel über die Sünde sich ergehen hörte: auch bei einem solchenwürde man sich keiner Frivolität und Frechheit, keiner bana-len Lustigkeit im Verhalten zum Gegenstände versehen müssenund wäre doch, bei aller Einsicht in sein geistiges Anrechtauf ihn, verletzt und zu der Bitte versucht: ''Schweig, Lieber!Dein Mund ist zu rein und streng für diese Dinge."
Tatsächlich war Adrians Abneigung gegen lascive Plump-heiten von verbietender Ausgesprochenheit, und ich kanntegenau das verächtlich angewiderte und abwehrende Sich verzie-hen seines Gesichts, wenn dergleichen auch nur im Anzuge war.
Zu Halle, im Winfried-Kreise war er vor solchen Angriffenauf sein Feingefühl so ziemlich sicher gewesen*, die geistli-che Wohlanständigkeit - des Wortes wenigstens - hielt siehintan. Von Frauen, Weibern, Mädchen, Liebesverhältnissenwar zwischen den Commilitonen nicht die Rede. Ich weiss nicht,wie diese jungen Theologen es in der Tat, jeder für sich,damit hielten, ob sie sich alle in Züchten für die christ-liche Ehe aufsparten. Was mich selbst betrifft, so will ichnur gestehen, dass ich vom Apfel gekostet hatte und damalssieben oder acht Monate lang Beziehungen zu einem Mädchenaus dem Volk, einer Küferstochter, unterhielt, - ein Verhält-nis, das vor Adrian geheim zu halten schwer genug war (ichglaube wirklich nicht, dass er es beachtete), und das ichnach dieser Frist auf gute Art wieder löste, da der Bildungs-tiefstand des Dinges mich ennugierte und ich mir nichts mitihr zu sagen hatte, als immer nur das Eine. Nicht sowohl
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