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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Vermögen, die Naturhaftigkeit und das Dämonische des Daseins,wie es uns durch Kierkegaard wieder zum Bewusstsein gekommenist, in voller Vitalität zu erfahren und zu durchleben.

-Hältst du Religiosität für eine auszeichnend deutscheGabe? fragte Adrian.

- In dem Sinne, den ich ihr gab, als seelische Jugend,

als Spontaneität, al3 Lebensgläubigkeit und Dürer'sches Reitenzwischen Tod und Teufel - allerdings.

- Und Frankreich, das Land der Kathedralen, dessen Königder allerchristlichste hiess, und das Theologen wie Bossuet,wie Pascal hervorgebracht hat?

- Das ist lange her. Seit Jahrhunderten ist Frankreichvon der Geschichte zur antichristlichen Sendungsmacht in Eu-ropa ausersehen. Von Deutschland gilt das Gegenteil, daswürdest du fühlen und wissen, Leverkühn, wenn du eben nichtAdrian Leverkühn wärest, das heisst: zu kühl, um jung, undzu gescheit, um religiös zu sein. Mit der Gescheitheit magman es in der Kirche weit bringen, aber kaum im Religiösen.

- Vielen Dank, Deutschlin, lachte Adrian. - In gut alt-deutschen Worten, wie Ehrenfried Kumpf sagen würde, ohn'

alle Bemäntelung hast du's mir gegeben. Ich habe eine Ahnung,dass ich es auch in der Kirche nicht weit bringen werde, abergewiss ist, dass ich ohne sie nicht Theolog geworden wäre. Ichweiss ja, dass es die Begabtesten von euch sind, die Kierke-gaard gelesen haben, die Wahrheit, auch die ethische Wahrheit,ganz ins Subjektive verlegen und alles Herdendasein perhores-zieren. Aber ich kann eueren Radikalismus, der übrigensbestimmt nicht lange Vorhalten wird, der eine Studentenlizenzist, - ich kann euere Kierkegaard*sehe Trennung von Kircheund Christentum nicht mitmachen. Ich sehe in der Kirche auchnoch, wie sie heute ist, säkularisiert und verbürgerlicht,eine Burg der Ordnung, eine Anstalt zur objektiven Diszipli-nierung, Kanalisierung, Eindämmung des religiösen Lebens,