werdung durchgesetzt habe gegen die Welt, wenn diese auch zurAnerkennung nicht ganz ungestimmt gewesen sei-
- Nicht im mindesten, sagte Adrian. - Garnicht ungestimmt.Dieser Zeit brauchte man wohl nur zu sagen: "Ich habe einspezifisches Lebensgefühl", so mach e sie gleich eine tiefeVerbeugung davor. Die Jugend habe da sozusagen in Buttergeschnitten. Übrigens sei nichts dagegen zu sagen, wenn dieJugend und ihre Zeit einander verständen.
- Warum so kaltschnäuzig, Leverkühn? Findest du es nichtgut, dass heute der Jugend ihr Recht wird in der bürgerlichenGesellschaft, und dass man die Eigenwürde der Entwicklungs-zeit anerkennt?
- 0 doch, sagte Adrian. - Aber Sie gingen aus, ihr gingtaus, wir gingen aus von dem Gedanken...
Er wurde von Gelächter unterbrochen, seines Versprechenswegen. Ich glaube, es war Matthäus Arzt, der sagte:
- Das war echt, Leverkühn. Die Steigerung war gut.. Erstsagst du "Sie" zu uns, dann bringst du ein "ihr" zustande,und ganz zuletzt kommt das "wir", daran zerbrichst du dir fastdie Zunge, das gewinnst du dir am allerschwersten ab, duhartgesottener Individualist.
Den Namen wollte Adrian nicht annehmen. Das sei ganzfalsch, sagte er, er sei gar kein Individualist, er bejahedurchaus die Gemeinschaft.
- Theoretisch vielleicht, erwiderte Arzt, mit AusschlussAdrian Leverkühns, von oben herab. Über die Jugend sprecheer auch von oben herab, so als ob er nicht dazu gehöre, undsei ganz unfähig, sich einzuschliessen und einzufügen, dennwas die Demut betreffe, von der wisse er nun wohl freilichnicht allzuviel.
Es sei doch hier nicht die Rede von Demut gewesen, parierteAdrian, sondern im Gegenteil von selbstbewusstem Lebensgefühl.Und Deutschlin stellte den Antrag, dass man Leverkühn zu En-
176