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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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ich mich umsah in -unserem neuen Lebenskreis, so fand ich dassder Schauplatz sich zwar erweitert, aber nicht wesentlichverändert hatte.

XII

Halle war, wenn auch keine Grossstadt, so doch eine grosseStadt von mehr als zweihunderttausend Einwohnern, aber trotzallen neuzeitlichen Massenbetriebes verleugnete es, wenigstensim Stadtkern, wo wir beide wohnten, nicht den Stempel hoherAlterswürde. Schliesslich sind es tausend Jahre, seit derfeste Platz an der Saale mit seinen kostbaren Salzwerken zurneugegründeten Erzdiözese Magdeburg geschlagen wurde, unddass Otto II. ihm den Charakter einer Stadt verlieh. Hierebenfalls erfuhr man es, wie eine solche hinter der Aktuali-tät liegende Zeitentiefe beständig mit leiser Geisterstimmein sie hineinspricht, nicht ohne durch beharrende architek-tonische Male auch dem Auge sich unmittelbar darzustellenund sogar kostümlich, in historischem Mummenschanz, als alt-vaterische Salinenarbeiter- oder Halloren-Tracht die Gegen-wart wohl einmal pittoresk zu durchbrechen. Meine "Bude",wie man studentisch sagt, lag in der Hansastrasse, einemGässchen hinter der Moritzkirche, das ebensogut zu Kaisers-aschern seinen verschollenen Lauf hätte haben können; undAdrian hatte in einem gegiebelten Bürgerhause am Marktplatz einZimmer mit Alkoven gefunden, das er als Untermieter einerälteren Beamtenwitwe während der zwei Jahre seines Aufent-haltes bewohnte. Der Blick ging auf den Platz, das mittelal-terliche Rathaus, die Gothik der Marienkirche, zwischen derenhekuppelten Türmen eine Art von Seufzerbrücke geht; er um-fasste dazu den frei dastehenden "Roten Turm", ein sehr merk-

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