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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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heit, die er für einen recht philiströsen, um nicht zu sagen:feigen Wert erachtete.

- Ja, lieber Freund, sagte er, (und ich lasse die Hemmungs-vorkommnisse aus, die seine Polemik beeinträchtigten,) - wennSie für Gesundheit sind, - mit Geist und Kirnst hat die dennwohl freilich nicht viel zu tun, sie steht sogar in einemgewissen Kontrast dazu, und jedenfalls hat das eine ums anderesich nie viel gekümmert. Pen Onkel Hausarzt zu machen, dervor verfrühter Lektüre warnt, weil sie nämlich für ihn allseiner Lebtage verfrüht wäre, dazu bin ich nicht da. Auchfind* ich nichts taktloser und brutaler, als begabte Jugendbeständig auf ihre "Unreife festnageln zu wollen und "Pas istnoch nichts für dich" das dritte Wort sein zu lassen. Solldoch er das beurteilen! Soll er doch überhaupt sehen, wie erdurchkommt. Pass dem die Zeit lang wird, bis er aus der Ei-schale dieses altdeutschen Marktfleckens schlüpfen kann, istnur zu begreiflich.

Pa hatte ich es, und da hatte es Kaisersaschern. Ich ärger-te mich, denn der Standpunkt des Onkel-Poktors war ja gewissauch der meine nicht. Zudem sah und begriff ich sehr wohl,dass Kretzschmar sich nicht nur nicht als Klavierlehrer undTrainer in einer Special-Technik genügte, sondern dass ihm auchdie Musik selbst, das Ziel dieses Unterrichts, wenn sie ein-seitig und ohne Zusammenhang mit anderen Gebieten der Form,des Gedankens und der Bildung betrieben wurde, als ein mensch-lich verkümmernder Spezialismus erschien.

Tatsächlich pflegten, nach allem, was ich von Adrian hörte,seine Klavierstunden in Kretzschmars altertümlicher Amtswohnungbeim Pom zur guten Hälfte mit Unterhaltungen über Philosophieund Lichtung hinzugehen. Trotzdem konnte ich, solange ichnoch mit ihm auf der Schule war, seine Fortschritte buchstäb-lich von Tag zu Tag verfolgen. Seine auf eigene Hand gewonne-ne Vertrautheit mit der Tastatur und den Tonarten beschleunigte