für die Phantasie ist das ein und dasselbe. Notwendigerweisewar also auch der Leser dabei zum Zeugen zu machen; denn manschreibt keine Biographie, schildert nicht den Aufbau einergeistigen Existenz, ohne auch den, für den man schreibt, aufden Stand des Schülers, des lauschenden, lernenden, jetztnahehin blickenden, jetzt ahnend voranschweifenden Neubeginnersdes Lebens und der Kunst zurückzuführen. Und was im Besonderendie Musik betrifft, so ist es mein Wunsch und Bestreben, denLeser auf ganz dieselbe Art ihrer ansichtig werden zu lassen;ihn auf ebendie Weise in Fühlung mit ihr zu bringen, wie esmeinem verewigten Freunde geschah. Dazu aber erschienen mirdie Reden seines Lehrers als ein unverächtliches, ja unent-behrliches Mittel.
Darum meine ich, scherzweise, dass mit Solchen, die in demallerdings monströsen Vortragskapitel sich der Sprünge undÜberschlagungen schuldig gemacht haben, so verfahren werdensollte, wie Lawrence Sterne mit einer imaginierten Zuhörerinverfährt, die durch eine Zwischenrede verrät, dass sie zeit-weise nicht achtgegeben hat und deshalb vom Verfasser in einfrüheres Kapitel zurückgeschickt wird, damit sie die Lückenihres epischen V/issens ausfülle. Später dann, nachdem sie sichbesser informiert, stösst die Dame wieder zu der erzähleri-schen Gemeinde und wird mit heiterem Gruss empfangen.
Dies kommt mir in den Sinn, weil Adrian als Primaner, zuder Zeit also, wo ich schon auf die Universität Giessen abge-gangen war, unter der Einwirkung Wendeil Kretzschmars privatimEnglisch trieb, ein Fach, das ja ausserhalb des humanistischenLehrbereiches liegt, und mit grossem Vergnügen die SchriftenSternes las, namentlich aber die Werke 'Shakespeares, von de-nen der Organist ein intimer Kenner und leidenschaftlicherVerehrer war. Shakespeare und Beethoven zusammen bildetenan seinem geistigen Himmel ein alles überleuchtendes Zwillings-gestirn, und sehr liebte er es, seinem Schüler merkwürdige