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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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sie denn wirklich wohl sein. Denn obwohl der Künstler seinerKindheit zeitlebens näher, "am nicht zu sagen: treuer bleibenmag, als der im Praktisch-Wirklichen spezialisierte Mann; ob-gleich man sagen kann, dass er, ungleich diesem, in dem träu-merisch-reinmenschlichen und spielerischen Zustand des Kindesdauernd verharrt, so ist doch sein Weg aus unberührter Prüh-zeit bis zu den späten, ungeahnten Stadien seines Werdens un-endlich weiter, abendteuerlicher, für den Betrachter erschüt-ternder, als der des bürgerlichen Menschen, und nicht halb sotränenvoll ist bei diesem der Gedanke, dass auch er einmalein Kind gewesen.

Dringend bitte ich übrigens den Leser, was ich da mit Ge-fühl gesagt habe, durchaus auf meine, des Schreibenden, Rech-nung zu setzen und nicht etwa zu glauben, es sei in LeverkühnsSinne gesprochen. Ich bin ein altmodischer Mensch, stehen ge-blieben bei gewissen, mir lieben romantischen Anschauungen,zu denen auch der pathetisierende Gegensatz von Künstlertumund Bürgerlichkeit gehört. Adrian hätte einer Äusserung, wieder vorstehenden, kühl widersprochen,wenn er es überhaupt derMühe wert gefunden hätte, ihr zu widersprechen. Denn er hatteüber Kunst und Künstlertum äusserst nüchterne, ja, reaktiver-weise, schneidende Meinungen und war dem "romantischen Brim-borium", das damit anzustellen der Welt eine Zeitlang beliebthabe, so abhold, dass er sogar die Wörter "Kunst" und "Künst-ler" nicht gerne hörte, wie man deutlich seinem Gesichte an-sah, wenn sie fielen. Ebenso war es mit dem 'Worte "Inspira-tion", das man in seiner Gesellschaft durchaus zu vermeidenund allenfalls durch "Einfall" zu ersetzen hatte. Er hassteund verspottete jenes Wort - und ich kann nicht umhin, dieHand von dem meiner Schrift vorgelagerten Löschblatt zu erhe-ben und damit die Augen zu bedecken, da ich dieses Hasses undSpottes gedenke. Ach, sie waren zu gequält, um nur das un-persönliche Ergebnis geistig-zeitlicher Veränderungen zu sein,

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