im Organischen dilettierten, das war es, worüber Jonathannicht hinwegkam, und worüber seines gewissermassen missbilli-genden, aber auch bewunderungsvollen Kopfschütteins kein Endewar. Bildeten, so lautete seine Frage, diese Phantasmagoriendie Formen des Vegetativen vor, oder bildeten sie sie nach?Keines von beidem, erwiderte er wohl sich selbst; es warenParallelbildungen. Die schöpferisch träumende Natur träumtehier und dort dasselbe, und durfte von Nachahmung die Redesein, so gewiss nur von wechselseitiger. Sollte man die wirk-lichen Kinder der Flur als die Vorbilder hinstellen, weil sieorganische Tiefenwirklichkeit besassen, die Eisblumen aberblosse Erscheinungen waren? Aber ihre Erscheinung war das Er-gebnis keiner geringeren Kompliziertheit stofflichen Zusammen-spiels, als diejenige der Pflanzen. Verstand ich unserenGastfreund recht, so war, was ihn beschäftigte, die Einheitder belebten und der sogenannten unbelebten Natur, es war derGedanke, dass wir uns an dieser versündigen, wenn wir die Gren-ze zwischen beiden Gebieten allzu scharf ziehen, da sie doch inWirklichkeit durchlässig ist und es eigentlich keine elemen-tare Fähigkeit gibt, die durchaus den Lebewesen Vorbehaltenwäre, und die nicht der Biologe auch am unbelebten Modell stu-dieren könnte#
Auf eine wie verwirrende Art in der Tat die Reiche inein-ander geistern, lehrte uns der "Fressende Tropfen", dem VaterLeverkühn mehr als einmal vor unseren Augen seine Mahlzeit verabreichte. Ein Tropfen, bestehe er nun aus was immer, aus Paraf-fin, aus ätherischem Öl - ich erinnere mich nicht mit Bestimmt-heit, woraus dieser bestand, ich glaube, es war Chloroform -,ein Tropfen, sage ich, ist kein Tier, auch kein primitivstes,nicht einmal eine Amöbe, man nimmt nicht an, dass er Appetitverspürt, Nahrung zu ergreifen, das Bekömmliche zu behalten,das Unbekömmliche abzulehnen weiss. Ebendies aber tat unserTropfen. Er hing abgesondert in einem Glase Wasser, worin Jo-
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