onen, dass nicht die züchtig sich beschränkende Frömmigkeiteine gewagte Überschreitung darin hätte sehen sollen, sich mitihr abzugeben.
Wenn Adrians Vater am Abend seine farbig illustrierten Bü-cher über exotische Falter und Meergetier aufschlug, so blick-ten wir, seine Söhne und ich, auch wohl Frau leverkühn, man-ches Mal über die gelederte, mit Ohrenklappen versehene Rücken-lehne seines Stuhles mit hinein, und er wies -uns mit dem Zeige-finger die dort abgebildeten Herrlichkeiten und Exzentrizitä-ten: diese in allen Farben der Palette, nächtigen und strah-lenden, sich dahinschaukelnden, mit dem erlesensten kunstge-werblichen Geschmack gemusterten und ausgeformten Papiliosund Morphos der Tropen, - Insekten, die in phantastisch über-triebener Schönheit ein ephemeres leben fristen, und von deneneinige den Eingeborenen als böse Geister gelten, die die Mala-ria bringen. Die herrlichste Farbe, die sie zur Schau tragen,ein traumschönes Azurblau, sei, so belehrte uns Jonathan, garkeine echte und wirkliche Farbe, sondern werde durch feine Ril-len und andere Oberflächengestaltungen der Schüppchen auf ih-ren Flügeln hervorgerufen, eine Kleinstruktur, die es durchkünstliche Brechung der Lichtstrahlen und Ausschaltung dermeisten besorge, dass allein das leuchtendste Blaulicht inunser Auge gelange.
"Sieh an", höre ich noch Frau Leverkühn sagen, "es ist alsoTrug?"
"Kennst du das Himmelsblau Trug?" erwiderte ihr Mann, indemer rückwärts zu ihr aufblickte. "Den Farbstoff kannst du mirauch nicht nennen, von dem es kommt."
Tatsächlich ist mir, indem ich schreibe, als stünde ichnoch mit Frau Elsbeth, Georg und Adrian hinter des VatersStuhl und folgte seinem Finger durch diese Gesichte. Es warenda Glasflügler abgebildet, die gar keine Schuppen auf ihrenSchwingen führen, so dass diese zart gläsern und nur vom Netz
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