I
Mit aller Bestimmtheit will ich versichern, dass es keines-wegs aus dem Wunsche geschieht, meine Person in den Vordergrundzu schieben, wenn ich diesen Mitteilungen über das Leben desverewigten Adrian Leverkühn, dieser ersten und gewiss sehr vor-läufigen Biographie des teuren, vom Schicksal so furchtbarheimgesuchten, erhobenen und gestürzten Mannes und genialen Mu-sikers einige Worte über mich selbst und meine Bewandtnisse vorausschicke. Einzig die Annahme bestimmt mich dazu, dass derLeser - ich sage besser: der zukünftige Leser; denn für denAugenblick besteht ja noch nicht die geringste Aussicht, dassmeine Schrift das Licht der Öffentlichkeit erblicken könnte, -es sei denn, dass sie durch ein Wunder unsere umdrohte FestungEuropa zu verlassen und denen draussen einen Hauch von den Ge-heimnissen unserer Einsamkeit zu bringen vermöchte; - ich bittewieder ansetzen zu dürfen: nur weil ich damit rechne, dass manwünschen wird, über das Wer und Was des Schreibenden beiläufigunterrichtet zu sein, schicke ich diesen Eröffnungen einigewenige Notizen über mein eigenes Individuum voraus, - nichtohne die Gewärtigung freilich, gerade dadurch dem Leser Zwei-fel zu erwecken, ob er sich auch in den richtigen Händen be-findet, will sagen: ob ich meiner ganzen Existenz nach derrechte Mann für eine Aufgabe bin, zu der vielleicht mehr dasHerz als irgendwelche berechtigende Wesensverwandtschaft michzieht.
Ich überlese die vorstehenden Zeilen und kann nicht umhin,ihnen eine gewisse Unruhe und Beschwertheit des Atemzuges an-zumerken, die nur zu bezeichnend ist für den Gemütszustand, in
9