Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
249
Einzelbild herunterladen
 

Bedenke, mein Freund, dass wir zum Handeln ihres Glaubens be-duerfen{ Zwar sind wir Maenner, deren Wort den Roemern gleichEide gilt* Und doch duerfte der Einzelne sich wundem,wenn die Offenbarung ihm als das wenig besagende Erzeugnis einesNachmittageschlaefchens ausgelegt wuerde? Darin eben bestehtdie Weisheit des Lammes, dass es die Heimsuchung verdoppelte undfuer zweier Zeugen Mund gesorgt hat, deren uebereinstiramende Aus-sage, uebereinstimmend mit der einzigen Ausnahme der Rosen, jedenZweifel nieder sch lagen muss« Wie habe ich gesprochen?*

'Hervorragend, mein Freund," erwiderte Liberius. "Jedesdeiner Worte beweist, dass du Aemter und Wuerden nur teilweisedeinem alten Namen verdankst. Ja, Hand in Hand wollen wir vordie schleunig einzuberufende Versammlung treten und, die Herzenvoll vom Andenken des Lammes, wie aus einem Munde Zeugnis able-gen fuer das Wunder, das uns geschah*"

Der zweite Besuch

Der Fischer und seine Frau hatten seit siebzehn Jahren kei-nen Besuch mehr gehabt in ihrer Einoede auf dem Wert und vorherwohl ebenso lange auch keinen. Desto lebendiger hatte sich,wenn sie auch nie darueber sprachen, ihrem Gedaechtnis derjenigeeingepraegt, den sie einmal empfangen hatten, der Mann mit Aergerund Unrede, die Frau unter frommen Vermutungen. Hinzufuegen willich, dass der Mann von j ener Erinnerung nicht gar viel wissenwollte und sie moeglichst aus seinem Geist verbannte. Denn ihmwar nachtraeglich immer, als ob er damals, obgleich er doch ganznach des Fremden Wunsch und Begehr gehandelt hatte, etwas wieeine Missetat oder, kurz gesagt, einen Mord begangen habe; unddergleichen verbannt man lieber. Das gelang ihm auch garnicht

249