hin, Soll ich auf den Stuhl steigen und es holen?”
"Untersteh dich nicht1” herrschte Sibylla sie an, "Rueckeden Stuhl! Ich nehme es selbst.”
Und unterstuetzt von der Magd stieg sie hinauf, schob denSchub, sah das Versteck, nahm das Versteckte, ein Ding, gehuelltin ein seidenes Tuch, das tat sie ab, dass es auf den Stuhlsank, und hielt die Tafel, aus Helfenbein, in Gold gerahmt, mitSteinchen besetzt, zum Brief beschrieben, von ihrer Hand,
Ein kleiner Ruf nur sprang von ihren Lippen, - nicht mehr,als dass er Erstaunen ausdrueckte, Ueberraschung, Ruehrung, Ge-mahnung an altes Leid, Wehmutsvoll sah sie darauf nieder. Aufeinmal aber trat Kaelte in ihr Haar und rieselte von da denRuecken hernieder. Ihr Mund, aus dem jeder Blutstropfen gewichenwar, murmelte leise: "Wie das?", wiederholte laut, drohend, ent-ruestet vor Nichtverstehen: "Wie das?!" Dann schwieg sie, blick-te aufs Ding, las, hob wieder die Augen davon und starrte insLeere.
In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken. "Woher hat er das?
Es ist da, und er hat es. Also liegt es nicht auf dem Meeres-grund, es ist gelandet. Faesslein und Kahn sind gelandet. DasKind ist gelandet. Es lebt. Es ist gross und schoen gewordenwie Grigorss. Es hat ihm die Tafel gegeben, das Eine dem An-dern. Warum? Wahrscheinlich hat er sie nicht von dem Kind, sei-nem Freunde und Nebenmenschen, sondern von Leuten, die auffandendas Kind, es tot fanden oder toeteten und das Faesslein pluen-derten. Das Kind, obgleich mit der Tafel gelandet, ist tot,und Grigorss lebt, das ist der Unterschied zwischen ihnen. Esist ein gewaltiger Unterschied zwischen ihnen, und Grigorss hatdie Tafel, nicht hat sie das Kind. Nur buesst er davor und