Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

geben* Nur Eines, spricht er notgedrungen, fehlte, ihr Glueckvollkommen zu machen: das waren Kinder; und wie oft sah man dieGatten auf Sammetkissen neben einander knieen, die Haende zumHimmel ringend um das Vorenthaltenei Nicht genug damit, so wardauch in allen Kirchen von Flandern und Artois allsonntaeglichvon den Kanzeln zu Gott darum gebetet, und doch schien dieserden Bitten auf immer sein Ohr verweigern zu wollen, denn es wa-ren Beide schon vierzig, und noch immer verzog die Hoffnung aufNachkommenschaft und geraden Erbgang, sodass einst wohl gar dieHerrschaft im Streite eifernder Anwaerter zerrissen werdenwuerde

War es, weil der Erzbischof von Koein, Utrecht, Maastrichtund Luettich sich selbst mit feierlichen Messen und Bitt-Pro-zessionen ins Mittel legte? Ich glaube es, denn nach langemZoegern der Allmacht ward endlich der Bann geloest, und dieFuerstin sah Mutterfreuden entgegen, - Freuden, nur leider be-stimmt, sich zu erschoepfen in den Q,ualen einer Niederkunft,deren Schwere noch immer von den Bedenken der Allweisheit gegendie Gewaehrung des Wunsches Zeugnis gab« 0 weh! Es sollte dieFrau des Kinderpaares nicht genesen, das sie -unter fremdartigenSchreien 2um Lichte gebar4 Ihr Schwand das Licht, und Herzogörimald war nur Vater geworden^ um sich zugleich als Witwerauch zu finden«

Wie seltsam mischt die Vorsehung uns Sterblichen Freude undLeid in einem BecherI Der Erzbischof, peinlich beruehrt von demzwiespaeltigen Erfolg, den seine auf die Allmacht ausgeuebtePression gezeitigt, ueberliess es dem Bischof von Cambrey dieExequien abzuhalten im Dom zu Ypern drunten. Als nun der Stein

19