Druckschrift 
Der kleine Herr Friedemann
Entstehung
Seite
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An seinem dreißigsten Geburtstage, einem Hellenund warmen Junitage, saß er nach dem Mittagessenin dem grauen Gartenzelt mit einer neuen Nacken-rolle, die Henriette ihm gearbeitet hatte, einer gutenZigarre im Munde und einem guten Buche in derHand. Dann und wann hielt er das letztere beiseite,horchte auf das vergnügte Zwitschern von Sper-lingen, die in dem alten Nußbaum saßen, und blickteauf den sauberen Riesweg, der zum Hause führte,und auf den Rasenplatz mit den bunten Beeten.

Der kleine Herr Friedemann trug keinen Bart,und sein Gesicht hatte sich fast gar nicht verändert;nur daß die Züge ein wenig schärfer geworden waren.Sein feines, lichtbraunes Haar trug er seitwärtsglatt gescheitelt.

Als er einmal das Buch ganz auf die Rnie hinab-stnken ließ und hinaufin den blauen, sonnigen Himmelblinzelte, sagte er zu stch:Das wären nun dreißigJahre. Nun kommen vielleicht noch zehn oder auchnoch zwanzig, Gott weiß es. Sie werden still undgeräuschlos daherkommen und vorüberziehen wie dieverstostenen, und ich erwarte sie mit Seelenfrieden."