Venedig (Gesch. v. 1605 bis 1798)
der Doge Maria Grimani am 26. Dec.1605 starb, und nun protestirte auch derPapst gegen die Wahl eines neuen Dogen»da solche Wahl nicht von Ercommunicirtenvollzogen werden konnte. Dennoch wurdedie Wahl vollzogen und Leonardo Do-na to (1608 — 1612) bestieg den Thron,dem auch - d'e Breven überreicht wurden.Die Regierung schien die Sache sehr ernst-halt betreiben zu wollen und holte sogarein Gutachten der Universität Padua eia,da» mit dem Beschlüsse der Regi.ruog über-einstimmend war. Auf diese« gestützt er-klärte der Senat, daß er Nichts gethanhabe, was gegen die Rechte der geistlichenGewalt streite und also nichts zurücknehmenWirde Der Papst erließ nun am 17. April1608 eine Bulle gegen V , welche in ganzItalien bekannt gemacht wurde, und derSenat protestirte feierlich gegen dieselbeund forderte jeden Bürger auf, die Bulle,wenn sie in seine Hände käme, den Behör,den auszulie'ern. Die beiderseitigen Ge-sandten wurden abberuten, die Geistlichenaufgefordert, den Gottesdienst in B. fort-zuhalten und die Eapuzinec und Jesuitenau» dem Freistaat« vertrieben, weil sie ihre»Versprechens ungeachtet da» Jnlerdict beob-achten wollten. Man rief endlich von bei-den Selten den Kön'g von Frankreich zumSchiedsrichter auf und dieser vermittelteam 2l. April 1607 eine Aussöhnung zwi-schm beiden Mächten, indem V. die beidengefangenen Priester an den König auslie.serte und der Papst das Interdikt aukhob.Die innere Ruhe blieb nun ungelrübt undals der Doge Donato starb u. ihm MarcoAntonio Mcmmo (1612—1616) folgte,herrschte überall Friede. Doch gab es wäh-rend der Regierung dieses Fürsten Anlaßzum K-iege, und zwar wegen der Seeräube.reien der Uskoken und wegen de» Streits,welchen die Häuser Gonzaga und Savoyenüber den Besitz von Montferrat erhoben.Die Utkoken, ein räuberisches Volk, da«unter ungarischem Schutz in Segna (Zeug)lebte, hatte schon lange das Meer unsichergemacht und Anfangs blo» türkische, späterauch venetianische Schiffe angegriffen u. auf-gebracht. Die Türken verlangten von denVenetianern, die sich Herren des adriatischenMeerS nannten, Schutz für ihre Schiffe unddrohten im Falle, daß diese ihnen denselbennicht leisten könnten, selbst Kriegsschiffe inden Golf zu schicken. Der Freistaat griffalso mehrmals die Piraten an und seineSchiffe schlossen öfters Segna (Zeng) ein;stets versprach die Regierung UogarnS, dieUskoken zu bestrafen, aber nie tüdrte sie ihrVersprechen aus. Im I. 1613 hatten diesebeiden Regierungen abermals einen Traktatgeschloffen, in welchem die kaiserl. königl.Regierung versprochen hakte, eine teulscheGarnison nach Segna zu schicken, aber auch
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diesmal geschah das Versprochene nicht, undda um dieselbe Zeit eine venetianische Galeerevon den Seeräubern überfallen und derCapitän nebst 40 Mann auf derselben er-mordet worden war, so kam es zu neuenUnterhandlungen und da diese nichts fruch-teten, zu Händeln. Di« Venetiaver rücktenin der Grafschaft Görz ein und beschlossenGrad'sca zu belagern, woraus der Erz-herzog Ferdinand von Oestreich ihnen denKrieg erklärte. Kurz zuvor starb der DogeMemmo, ten Giovanni Bembo(16i5—1618 ) ersetzte. Im Februar 1616 rückten12 000 Veaetianer unter Pompes Giusti-niani zur Belagerung von Gratis» vor,aber der Papst und die Könige von Frank,reich u. Spanien mischten sich in den Krieg,es kam zu Unterhandlungen, die Benetianergingen von Gradisca wieder zurück undgaben so dem östreichischen General Traut«mannsdsrf Gelegenheit, über den Jlonzozu gehen und die Sladt zu decken. Gtu-stlniani zwang ihn z«ar zum Rückzuge aufGörz, aber er wurde bei dem Versuch, überden Jsonzo zu setzen, getöbtet und durchJohann von Medlc!» ersetzt, der in die-sem Felbzuge weiter nicht- von Bedeutungunternahm. Der König von Spanien tratsetzt ebenfalls gegen die Republik auf, weilsie seinen Friedensanträgen kein Gehör ge«geben hatte, und nun suchte diese sich auchihrerseit« Verbündete zu verschaffen. Sieverband sich mit dem Herzog von Savoyen,welcher mit Spanien in Krieg begriffenwar, warb 4000 Schweizer an und schloßmit der Republik Holland eia Bündniß, dieihr 4000 Holländer unter dem Grafen Jo-hann von Nassau nach V. zu Hülfe sen-dete. Die Belagerung von Gradisca warindessen fortgeganzen, e» stand auf demPunkte zu fallen, da gab der Erzhtrzogdem Andringen Frankreichs nach und ent-schloß sich zum Frieden. Er wurde am25. Sept. 1617 zu Madrid ratisizirt unddem Erzherzog auferlegt, ein« teulsche Be-satzung nach Segna zu legen u. die Schiff«der Uskoken zu verbrennen; dagegen räumteV. da« Gebiet Oestreich», welche» seineTruppen besetzt hatten. Dieser Friedeendigte auch den Krieg, den der Besitz vonMontferrat zwischen Spanien und Savoyenentzündet halte, und an dem V. durch Hüls«»truppen und eine Flotte Tbetl genommenhatte. Im I I6l8 starb Johann Bembound ihm folgttz Nicol» Donato. d,raber schon einen M-nat nach feiner Erwäh,lung starb. An seine Stelle trat nun An-tonio Priuli (1618 — 1623). Ob nungleich der Freistaat mit Spanien und Nea-pel in Frieden war, so dauerten dock dieFeindseligkeiten von neapolitan-scher Seitefort, die man aber als Seeräubereien be-trachten konnte. Beide Regierungen hattenfestgesetzt, daß alle« auf dem Meere geka-
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