Venedig (Gesch. v. 1493 bis W05)
Erdbeben zerstörte bi« Stadt Cattaro tnAlbanien damal- gänzlich, aber durch di»Sorgfalt der Administration wurden dieSpuren dieses Unglück- bald wieder ver-wischt, auch das früher abgebrannte Arse-nal V.s wurde wieder aufgebaut. Im I.1567 starb Hieronimo Priuli und an seineStelle trat Pietro Loredano (1567 —1570). Unter der Regierung die'es Dogentrübten sich die Aussichten B.s wieder undder lang erhaltene Frieden, nur manchmaldurch einige Zwistigkeiten mit dem Papstgestört» schien fein Ende erreichen zu wol-len. Schon im I. 1563 waren bei einerlfnternehmung gegen die Uskoken eine tür-kische und eine vcnetianische Galeere miteinander tn Slreit gerathen und Soli-mann II. hatte darin eine Feindseligkeit ge-sehen, bald aber ward der Zwist wiederbeigelegt. 1566 war Solimann gestor-sten und ihm folgte Selim 11., und dieserSultan wollte dt« Pläne auf Cypern aus-führen, welche sein Water schon lange ge-hegt, aber immer wieder aufgegeben hatte.Er ließ deshalb eine große Flotte ausrüsten,über deren Bestimmung er zwar zu täu-schen suchte, di« aber der in Constankinopelanwesende Gesandt« von V. bald durchschaute.Der Sultan wurde in seinem Plane durch«in Unglück noch mehr bestärkt, welches V.betraf. Am 13. S-pt. 1569 flog da« Pul.vermagazin mitte» tn der Rächt auf, dasArsenal gerieth in Flammen, 4 Kirche»stürzten ein und zahllos« Häuser, Thürmeund Mauern wurden von der furchtbarenExplosion zerstört. War nun auch derSchaben groß, so war er doch nicht uner-setzlich, denn es waren nur wenig Menschenverunglückt und blos 4 Galeeren zerstörtworden, aber das Gerücht verkündete dengänzlichen Untergang des Schiffsmateria!«und Selim II. sah diesen Unfall als «ingünstige« Vorzeichen für seine Expeditionan. Indessen rüstete sich V. auf die Nach-richt seines Gesandten nach Kräften; 3000Mann Fußvolk wurden als Unterstützungin di« Colonien geschickt, 90 Galeeren aus-gerüstet und alle christlichen Mächte zumBeistand gegen den Sultan aufgefordert.Aber der Kaiser hatte -inen Waffenstill,stand mit den Türke» geschloffen; Karl IX.von Frankreich batte keine Seemacht undwar mit innerlichen Unruhen beschäftigt,und so blieb nur von Italien und SpanienHülse zu hoffen, und von den Fürsten desErsten Landes konnte sie nur unbedeutendsein, da Mailand und Neapel unter spani-scher Herrschaft waren und Genua durchinnerliche Zwiste zerrissen wurde. DerPapst, Florenz, der Herzog von Savoyenund die Malteserritter schickten einige Ga-leeren und auf dringendes Bitten de» Pap.stes und V.« befahl Philipp II. in Mes-sina 60 Galeeren auszurüsteo und sie be-
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reit zu halten, sich mt» brr venrkiantschenFlotte zu vereinigen. Der Senat sah ein,baß seine Unterhandlungen und Rüstungenzu öffentlich gewesen waren, al< daß e«ferner möglich sei, da« gute Einverständnißmit den Türken auch nur scheinbar zu er-halten und deshalb nah» er einen türki-schen Gesandten, welcher im Frühjahr 1570mit großen Klagen und Beschwerden gegenden Freistaat in V. auftrat und di« Ab-tretung Cyperns gebieterisch verlangte, sehrkalt auf und schickt« ihn mit abschläglicherAntwort zurück. Diese Antwort war da«Zeichen zum Kriege, der Gesandte und alleCousuln B.s, welche sich auf türkische»Grund und Boden befanden, wurden so-gleich verhaftet, und türkische Truppenrückten in Dalmatien ein und bedrohtenCattaro. Zu derselben Zeit, eS war imMai 1570, starb der Doge Pietro Loredano,der von Ludovico Mocenigo (1570 —1576) ersetzt wurde. Schon am 1. Julid. 3- erschien der Kapudan Pascha Piali,ein ungarischer Renegat, mit 150 Galee-ren und 50 Transportschiffen an den liker»Cyperns. wo er ein Heer von mehr al-so OVO Mann unter dem Pascha Mustaph»an« Land setzte. Dieser Krieg, der in demArtikel Türken (s. d.) erzählt worden ist,lief unglücklich für W., da «S von Spaniennicht hinlänglich unterstützt wurde, dochverdient die Vertheidigung von Famagustadurch den Venetianer Bragadino, di« höchsteBewunderung, so wie auch die venetianisch«Flott« tn der Schlacht bei Lepanto sich gro-ßen Ruhm erwarb. Von seinen Verbünde-ten in Stich gelassen, sah sich der Freistaatgenöthigt, einen Frieden zu unterhandeln»welcher am 15. März 1573 zu Standekam. In ihm trat V. Cypern ab, ver-stand sich für die Insel Zante zu einemjährlichen Tribut von 1500 Ducaten undzahlte 300,000 Ducaten Entschädigung andie Türken, erhielt aber dafür alle Haa-belsprivilegien in der Türkei zurück. Ei»ZOjähriger Fried« folgte auf diesen Krieg,her der Republik eine seiner schönsten Co-lonien gekostet und die Unmöglichkeit dar-gethan hatte, daß sie den Türken aufdi« Dauer widerstehen könnte. Währenddieses Frieden« kam 1574 Heinrich Hl-,König von Frankreich, auf seiner Rück-reise aus Polen nach Frankreich nach V.und wurde dort auf eine glänzende Artempfangen, in welcher die Hauptstadt alle»ihren Reichthum und ihre Ueberlegenheit inallen schönen Künsten vor Augen lezke. ImI. 1575 suchte eine neue Pest B. heim,der über 40,000 Einwohner der Hauptstadtund auch der Maler Titian unterlagen, unddie sich über die Lombardei «ad auch überdi« Insel Kaudia ausbreitete. 1576 starbder Doge Mvcen'g», der durch SebastiansBeutero l.157ü —1578) ersetzt wurde, und