450
miliengliedern, die auf einander angewiesen sind,zu Tage treten. Kam zum Beispiel das Gesprächauf die Geschichte der Buddenbrooks, so konnte Chri-stian iu die Stimmung geraten, die ihm allerdingsnicht sehr gut zu Gesichte stand, mit Ernst, Liebe undBewunderung von seiner Vaterstadt und seinen Vor-fahren zu reden. Alsbald beendete der Konsul mireiner kalten Bemerkung das Gespräch. Er ertrugdas nicht. Er verachtete seinen Bruder so sehr, daßer ihm nicht gestattete, dort zu lieben, wo er selbstliebte. Er hätte es viel lieber gehört, wenn Christianim Dialekte Marcellus Stengels davon gesprochenhätte. Er hatte ein Buch gelesen, irgend ein histo-risches Werk, das starken Eindruck auf ihn gemachtund das er mit bewegten Worten rühmte. Christian,ein unselbstständiger Kopf, der das Buch allein garnicht ausfindig gemacht haben würde, aber eindrucks-fähig und jeder Beeinflussung zugänglich, las es,in dieser Weise vorbereitet und empfänglich gemacht,nun gleichfalls, fand es ganz herrlich, gab seinenEmpfindungen möglichst genauen Ausdruck . . . undfortan war das Buch für Thomas erledigt. Ersprach mit Gleichgültgikeit und Kälte davon. Er that,als habe er es kaum gelesen. Er überließ seinemBruder, es allein zu bewundern . . .
3 .
Konsul Buddenbrook kehrte aus der „Harmonie",dem Lesezirkel für Herren, in dem er nach demzweiten Frühstück eine Stunde verbracht hatte, in die