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10 (1835) Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch : . 10 / Huß bis Karkos
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712
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712 Kanzeldercdlsawkeit

Abendland« gelangten zu Ansehen GabrielBarelet (1470), obgleich Scholastiker, dochfruchtbarer und liebenswürdiger Prediger;Gabriel Biel (1477—öS), ebenfalls Scho,lastiker und doch praktischer Theolog; Bern«Harbin v. Busti(I480), e n Redner vonedler Klarheit und Frcimüthigkeik; Rob.Caracclolui (1470—95), rührend; Michaelv. Mediolano (1480), gemeiner Scholasti-ker; Hieronymus Saoanarola (1452), ori-gineller, gedankenreicher, speciellistrenderRedner; Marfllius FicinuS (1430), seinwürdiger Nachfolger; Johann TrittenheimBerf. einer Pastoralthcologie, bes gemein-forschlicher Moralist; Johann Picus (1494),sehr praktischer Prediger ; Geiler v, Kaisers,b-rg < 1445), sehr gebildeter, kräftiger Redner.Je mehr diese Männer in den Fesseln derScholastik befangen blieben, um so wenigervermochten sie zu finden, daß die K., fast aus-schließlich Sache der Bektelmönche) die, wäh-rend gelehrtere Geistliche statt über die heil.Schrift, über Aristoteles, Duns Skotus u.a- Schriften predigten, häufig auf Märk-te» zu 2— 3 Stunden ununterbrochen ge-gen die Ketzer polemisirten oder abergläubi-bische Mäyrlein erzählten, immer tiefersank. S. EcasmuS Lob der Narrheit.Wenn sich aber auch die Reformation zu.nächst aus den kirchlichen Lehrbegriff bezog,so wirkte sie dock zugleich auch auf dieVerbesserung des PredigtgeschmackS. Denn-jemehr da« Element der Belehrung sichhier geltend machten mußte, ;e mehr dasDogma auf die Lehre der heil. Schrift, alshöchster Glaubensnorm, zurückgesührt unddiese zum Volksbuch wurde, in einer jewahrer» Beredtsamkeit die Begeisterung derReformatoren sich aussprach, je reichereFrüchte die Neu erwachte Liebe zu den Wis-senschaften und di« Bekanntschaft der grie«chischen und römischen Beredtsamkeit, be-sonders Ciccro'S und Quintilians, zu trei-ben begann, um so natürlicher war es,daß auch für die K. eine neue Aera be-gann. Reuchlins libor conAestorum äs»res nraesiicsncll, die erste Homiletik inTeutschland , war nur 3 Bogen stark undsehr unvollkommen; und Luther, dessenPredigten vor seinem Austritt aus derkath. Kirche alle Zeitgebrechen theilten, undob'chon er Augustin nachahmte, bildete sichdoch auch als Kanzelredner so selbstständigaus und wirkte durch sei» Beispiel undviele gelegentlich gegebene Regeln, dieConr, Porta in seinem Pastorale Luther«,1586, und Walch, Samml. kleiner Schrift!von d. gottgefäll gen Art zu predigen, 1746,zusammenstellte, so segensreich, daß ihmauch das Verdienst gebührt, Reformatorder K. zu sein Seine Bortxäge, wie dieder übrigen Reformatoren, eigentliche Ho-milien, waren, ohne eigentliche Beredtsam-kcit zu entwickeln, stark, frei und wohl-durchdacht und geordnet- Moralische Be,

Kanzelberedtsamkelt

genstänbe, wie Brentz that, häufiger zubehandeln, erlaubte die Lage der Dingenicht. Ohne Zweifel würde Luther, der,wie mehrere seiner Freunde, selbst überganze biblische Bücher predigte, den Pre-digerzwang abgeschüttelt haben, wenn ihmnicht die Unwissendest der damaligen Geist-lichen, denen er 1522 durch seine Kirchen-pvstille, später Corvin, Möller, Schösser,u. A. durch ähnliche Werke zu Helsen such,ten, dies nicht wiberrarhen hätte. AußerHeu schon damals hervortretendcn Entwür-fen, Magazinen u. s. w., waren besondersMelanchkhons Knnar. in Hvsn^el. einvorzügliches Hülfsmittel für Prediger. Ob-schva wir übrigens von Melanchthon keinePredigt besitzen, so stiftete er, geleitet vonseiner klasischen Bildung, doch des Gu-ten nicht minder durch seine gründlichenVorschriften, welche auf eine methodischeund elegante Einrichtung der Predigten dran,gen. Wenn ihm auch die rstio breviset cioota piagno sacr, kracc. canoio-nuna eto. 1535 nicht anzehört, so liegenihr doch seine Grundsätze unter, die er inseiner Viesorr. sie okiioiis concionatorisU. seinen LIsm. rlretor. darlegt. Eras.mus neuerlich von Klein edirter Loele-siastes, 1535, ist noch jetzt ein trefflichesWerk. Auch dessen übrige Schriften, des.seine Lollcxzciia, bincomium morise, Pa-rapbrasen enthalten vieles hierher Gehörige.Unter seinen Nachfolgern war vornehmlichUrban 'Regius, Vers, der sormulav <zuss-äarri eto. Inzwischen waren die Bemü-hungen mehrerer protestantischer Lehrer,vorzüglick HyperiuS, Hier. Weller, Hcm-minz, Oslander, Pancratius, Andr. undAegid. Hunnius, Schlempner u. A., dieTheorie der K. weiter zu vervollkommnen,ohne den beabsichtigten Erfolg, indem sieselbst, von den Grundsätzen der alten Dia.lektik befangen, ihre Regeln hauptsächlichaus den Kirchenvätern abstrahirten, diemeisten Geistlichen aber, mit den vorhan-denen Postillen zufrieden, ihre Leistungennicht einmal nach Verdienst beachteten undselbst die Gelehrteren die Kanzel durch ge-meines Schelten aus die Calvinianer, Ka-tholiken, Juden, Türken u. s. w. immermehr entweiheten, so daß selbst ArndS (s.d. S) frommer und fester Geist, unterstütztdurch viele gleichgesinnte Freunde, beson-ders Herberger, Gerhard und Andrää, die.sem Unfug kaum einige Grenzen, setzten u.das Princip echt-praktischer Erbauung ei-nigermaßen geltend machen konnten. Dennaußerdem, daß mehrere einflußreiche Theo-logen ihm kräftigen Widerstand leisteten, ver-scheuchte der 30jährige Krieg mit feinen Fol.gen die Musen auf eine lange Zeit, um somehr, da die Pest mehrere dev wackerstenGeistlichen hinwegraffte. Und wenn mit devWiederherstellung der Ruhe die Wissen.

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