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10 (1835) Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch : . 10 / Huß bis Karkos
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711
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Kanzelderedtsamkeit

Lrinktätslehre von ihrer vernünftigen Seitedarstellte u. auf eine sittliche Verehrung dessel-ben drang. In Afrika war nach Tertullian(192 n. Chr.) die mit Einleitung, Erklärungund Anwendung verbundene Vorlesung derheil. Schrift mit einem Sittengcricht überdie Gefallenen verknüpft. Während Orige-nes, der Vater der eigentlichen Homilie (250n. Chr.), u. Cyprian (247 n. Chr.) sich in my-stischen Allegorien gefielen, suchte selbst Lac-tanlius dicWunderJesu durch erdichtete Zu-sätze noch wunderbarer zu machen. Constan-tia d. Gr. (320 n. Chr.) trat selbst an heiligerStätte auf. Eusebius v. Cäsarea (316—340n. Chr ) hatte sich, wenigstens der Formnach, nach heidnischen Mustern gebildet;Athanasius (325—371) war wAder Po-lemiker; Ephrem der Syrer (No —378)schweifte zu sehr in das Gebiet andrer Wis-senschaften und brauchte Theaterkünste; Ba-silius der Gr. mißbrauchte se'ne Gaben zurErklärung der Wunder. Makarius (370— 39k) predigte ohne Text; Ambrosius(335—397) war guter Sittenprediger (Lei-chenreden auf Balentinian und Thcodosius);Chrysostomus (380—407) übertraf Hiero-nymus (373 — 420) durch ein fruchtbar-kräftiges Rednertalent; Augustin (395 —430) liebte sententiöse Darstellung u. suchtesein Auditorium durch Anekdoten zu fesseln;Cyrill von Alexandrien (4l5 — 444) warleerer Deklamator in einer gebildeten Spra-che; Nemesius (380) und Theodoret (420—1450) zeichnete sich durch einen trefflichenphilosophischen Geist aus; Leo der Gr. (440—461) übte bei aller Spielerei des Zeit-geschmacks eine so gründliche, kräftige undfreimüthigc Beredtsamkeit, daß ihm auchals Kanzelredner eine ausgezeichnete Stellegebührt. Anastasius der Sinaite (56l) wider-setzte sich dem Bemühen Justinians. die Recht-gläubigkeit zum Gegenstände der Staatsgese-tze zu machen, mit Standhaftigkeit, undGregor der Gr. (590) und Benedict (530)waren Verehrer und Verfasser einer Anwei-sung zu geistlicher Beredtsamkeit u. bewähr-ten, ungeachtet des Hanges zum dogmatischenAllegorisiren, ernen solchen Eifer für Ver-breitung der Religiosität, daß er unter ei-ner Versammlung, in der Mehrere von derPest ergriffen, entseelt niedersanken, unun-terbrochen fortsprach; Antiochos von Saba(620) war nicht einmal guter Compila-tor; Ildefons von Toledo (I. 650), obschoneifriger Verfechter der Jungfrauschaft Ma-riä, zeichnete sich doch in der schon herein-brechenden Nacht des Mittelalters durchfruchtbare Schriftgemäßbeit und reine Dic-tion noch rühmlich aus. Beda (715 —730), der in seinen Homilien über die seitdem 5. Jahrhundert ziemlich allgemein ge-wordenen Perikope» (s. d.) selbst sterile Tex-te fruchtbar machte, und Joh. Damascenus(730), dessen Beredtsamkeit das Geprägeder Schule trug u. A- sind seltene Er-

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scheinungen dieses Zeitraums, dem Karl derGr. durch eine bessere Recension der heil.Schrift und ein Homilarium (s. d.), undLothar durch ein ähnliches Buch fast ver-geblich aufzuhelfen suchten. Denn wenn eSauch noch immer Männer gab, die, wieTheodor Studites (8l5), feuriger Redner,Haymo, Berf. einer deutschen Bibelüberse-tzung (840), Rabanus Maurus (556), Berf.einer praktischen Anweisung für Geistliche,Photius (870), der die Evangelien in Rei-me brachle, Notkar III. (970), Uebersetzerdes Psalmbuchs, Odilo (998), Vrlleram(1070), Lbevphylakt (1030), Bruno (1090)Anselm (1096), Bernhard von Clairvaux(1130-, Abälard (1136), Hugo (1140),Peter Lombardus (1150) (s. d.) und A. eh-renvolle über den großen Hartten sich erho-ben, so war doch ihre Zahl zu gering, ihrWirkungskreis zu klein, ihre Kraft zuschwach und ihr Geist noch immer zu be-fangen, als daß sie der Unwissenheit derGeistlichen, bei denen ein rigirs pasolralrozum guten Ton gehörte, bätten steuern kön-nen. Selbst Lauter (1350) (s d.), derdie Scholastik glücklich mir der Mystik ver-band, und Johann Wikleff (1360) bliebenohne Nachfolger. Johann Huß und Hiero-nymus von Prag (vgl-, was des letzter»Beredtsamkeit betrifft, besonders bestenApologie) wurden Opfer ihres Eifers ge-gen die Mißbräuche der Kircke. Nachrhei-ltger als Gersons (1363—1400) casuisiisch-dialektische Beredtsamkeit wurde der Reli-gion die Plattheit und scholastische Gemein-heit des Vmcent Fecrarius (1414), gegenden Bcrnkardln von Sens (1426—1444),bei ollen scholastischen Gebrechen, ein wah-res Muster der Beredtsamken ist. Gritsch(1440), war, bei der größten Einförmigkeitim Aeußern, doch ein sehr prakt. Redner,und Lorenzo de Valla (1440 f.) näherie sich,obschon durch die alten Klassiker gebildet u.mit ausgezeichneten Talenten begabt, demMysticismus. Leonhard von Utino (1444)machte nur zu häufig von seiner Grlehrsam-keir Gebrauch. Thomas von Kempis (1406),dessen religiöser Sinn den Mangel anTiefe und hinreißender Beredtsamkeit glück-lich ersetzte, huldigte, die Steppen derScholastik vermeidend, einem moralischenMysticismus. Dionysius v. LewiS (1450)war sehr reizbar und zur Schwärmereigeneigt. — In der griechischen Kirche,in der die K. ebenfalls iiiimcr tie'er sank,traten auf: Hilarion (1450), ein Mann vontoleranten Grundsätzen u. gebildeter Sprache;Matthäus Kamariota (1453), Berf. einerRhekorik, war ein flüchtiger Csmpilator,scholarischer Anhänger des Aristoteles, dersehr gelehrte und kluge, aber durch politi-sche Verhältnisse gehemmte Gevcdius (1453),der Mystiker Heinrich von. Help (1478)sind gleichfalls bemrrkungswerth. Im

Abend-