8 Hut
ten von Filz oder von einem andern Stoffwaren, doch ist es nicht unwahrscheinlich,da mehrere Stellen der Alten hierauf ge-deutet werden können und mehrere roheneu entdeckte Völker aus unserer Zeit, z.B. die Ottaheiter, die Filzbereitung ken-nen, wie denn auch mehrere asiatische No-madenvölker Zelte von Filz haben. Indes-sen scheint diese Erfindung wieder verlorengegangen zu sein, wenigstens kommen erstim 14., 15. und IS. Jahrh. wieder Hut-macher vor, die ersten 1360 in Nürnberg,dann unter Karl Vl. (1380—1422) inFrankreich und 1401 einer, der den NamenFilzkappenmacher führte, in Würzburg.Früher waren die Kopfbedeckungen im Mit-telalter von Wolle oder leinenem Zeug, da-her mehr den Mützen als Hüten ähnlich u.von der verschiedensten Form. Di- meistenwaren unfern Barretts mehr »der wenigerähnlich, doch kommen auch 1170 Mützenvor, die schwarz waren, pyramidalisch zu-liefen und eng an den Kopf anschlossen.Der älteste Filzhut, der erweislich vor-kommt, ward von Karl VII. bei seinemEinzuge in Rouen getragen, doch warensie damals noch höchst selten und Lurusge-genstand. 1509 war es dagegen schon einaltes Herkommen, daß ter Rath von Wormsden von Frankfurt jährlich einen Biberhutdurch eine Gesandtschaft sendete, um da-durch Zollfreiheit zu erbitten; doch warendiese Biberhüre damals noch sehr selten.Zu Heinrichs IV. Zeit war der Hut inFrankreich schon ganz gewöhnlich und dieserFürst, so wie fein Hof und seine Officiere,trugen einen Hut mit breiten Krempen u.auf einer Seit« ausgeschlagen, um dasSchwert oder eine andere Waffe tragen u.führen zu können. Zu derselben Zeit wa-ren in Teutschland, in der Schwei; und inHolland Hohr, oben spitzige Hüte mit brei-ter Krempe gewöhnlich. Unter Ludwig XI V.begann man die Hüte auch hinten aufzu-schlagen (angebl- thaten dies zuerst die Gre-nadiere, um das Gewehr beim Granaten,werfen rascher'über die Schulter bringen zukönnen) und auf der andern Seite, derSymmetrie wegen, ebenfalls hinaufzubie-gen , da man die eine Seite von HeinrichsIV- Zeit her schon in die Höhe gebogenhatte. So enlstanden die dreieckigenHüte, die bald mit längeren, bald mitkürzeren Krempen fast 100 Jahre lang ty.rannisch Mode waren und höchstens dieSchifferhüte, Hüte mit breiter Krempe,die an den Seiten zweimal aufgeschlagenwurden und die von Schiffern, See- undandern Reisenden und daher in Städtenvorzüglich von Kaufleuten getragen wur-den, neben sich duldeten. Aus den drei-eckigen Hüten entstanden die Chapeaubas(s. d.). Die Krieger, Lurch die eigentlichder dreieckige Hut enlstanden war, schmück-ten ihn mit Cocarden, besetzten ihn mit
Hut
Agraffen, Treffen und CordonS und brach-ten, wie die srühern Helme, Barrett« undHüte derselben mit Straus, oder sonstigenFedern geschmückt gewesen waren, einenFederbusch aus denselben an. Die friedl-Bürger ahmten ihnen in crsteren nach, steck-ten aver, da ihnen meist die bunten Cocar.den untersagt waren, schwarze Cocarden undAgraffen auf den Hut auf. Nur die Oestreichertrugen blos vorn u. hinten aufgeklappte, an denSeilen entweder mit gar keiner oder dochnur mit einer sehr schmalen Krempe ver-sehene Hüte, die Officiere jedoch größten,thcils auch dreieckige. Einige Jahre vorAnfang der Revolution kamen zuerst in Eng-land, dann auch in Frankreich die rundenHüte auf. Dennoch herrschten noch, be,sonders in Teutschland die dreieckigen Hütevor, bis in den letzten Jahren des vorigenJahrhunderts letztere ganz abkamen. Zuvorkamen aber noch nach 1796 die dreieckigenHüte mit ungeheuer großen Krempen auf,die die französ. Elegants trugen und dieBuonapartes oder Jncroyableshießen. 1805 und 1807 kamen auch in denmeisten Armeen die unzweckmäßigen drei-eckigen Hüte ab u. wurden durch di- zweck-mäßigeren Czacko's (s. d.) ersetzt. Jetzt istder dreieckige Hut allenthalben verbannt u.beim Militär nur noch bei Officiere» außerD enst u. bei den Generalen u. den zu ihremStab gehörigen Personen, Chirurgen u.demVecpflegungspersonale gewöhnlich. Auchdieser Hut ist eigentlich nicht mehr dreieckiggestutzt, sondern die Krempe der einen Seileläuft gerade neben dem Hutkopf weg, dieandere gebogen um denselben. Beim Civilwerde» fast ausschließlich nur dreieckige Hüte»deren Kopf zum Zusammenlegen eingerichtetist, u. deren Krempe sich biegen läßt (Klap-penhüte, Patenthüte, Olsgno,), u.auch diese nur in allerhöchster Galla beiHofe u. dgl. getragen. Bei Neglige'«, aufdem Sande, auf Reisen rc. trägt man jetztsehr oft auch Mützen (s. d.) statt der Hüte- —Bemerkenswerth sind noch die geweihtenHüte, die der Papst ehedem feierlich inder Ehristnacht weihte. Es waren violet-scidcne, mit Hermelin gefütterte und einergoldnen Schnur und Juwelen geschmückteHüte (auch Degen nebst Gehänge). Siewurden an Fürsten und Feldherren, die sichum den katholischen Glauben verdient mach-ten und gegen Ungläubige oder Ketzer foch-ten, verschenkt. Die Veranlassung dazu istdas Traumgesicht des Judas MakkabäuS im2. Buche der Makkabäer, Cap. 15. Denletzten erhielt wohl General Daun 1753nach der Schlacht von Hochkirch. Fernerverdienen noch Erwähnung ter grüne H.,in dem sonst Banquerottirer in Frankreich»und der gelbe H., in dem sie in manchenStädten Teutschland« ausgestellt wurden,und den sie ferner ihr ganze« Leben lang
tra.