Bacchus
Weinstock entlproßte dem Kiel uub wuchsschnell bis über die Masten hinaus; Lieseselbst und die Ruder umrankten Epheu undWeinlaub. B. ward Löwe, dann Bärund zerriß den Schiffherrn; den Steuer-mann Medeides, welcher das Schiffvolk ge-warnthatte, verschonte er; die übrigen Schif-fer sprangen ins Wasser und wurden Del-phine. Der Gott belohnte aber auch; so denassyrischen König Staphilos (Rebe), derihn gastlich aufnahm; seine Gattin Methe(Rausch) und seinen Sohn Botrys (Traube)reihte er seinem Gefolge an. Den AthenerJkarios (s. d.) lehrte er den Weinbau. Ge-liebte des Gottes waren; Erigone, von ihrStaphylos; Allhäa, von ihr Deianeira;Aphrodite, von ihr Hymenaos, Priapos,die Charites; Chthonopyle (Nymphe), vonihr PhliaS; Physkoa, von ihr Narkäos;Rikäa, von ihr die Lelete; und Aura (s. d.alle). Seine eigentliche Gemahlin abek warAriadne (s. d.).' Sie gebar ihm den Önopion(Weintrinkcr), dem B. die weinrelche In-sel Chiosschenkte, den Staphylos und Euan-thes. B. stieg auch durch den alkyonischen See,nach argivischer Sage, in die Unterwelthinab ' und führte seine Mutter darausnach dem Olymp, wo er und sie (nun Lhyonegenannt) als Götter ausgenommen wurden.Bielfach sind die Versuche, den Bacchusmy-thos zu erklären. Die wichtigsten sind: o)physisch: Die Stoiker erkannten in B.die erzeugende und ernährende Natur.Plutarch sagt, das Glcichmachen der Dingedurch Feuer werde durch Apollon, daS Tren-nen in mancherlei Gestalten und Formendurch B. angedei'tct; d) astronomisch: B.ist die Sonne im Aquinoctialsticr; daherder Beiname und das Attribut vom Stier;Semele-Thyone (Erde) geviert ihn, d. i.mit dem Frühlingsrcgen und den ersten Ge-wittern steigt die Sonne aufwärts, und csbeginnt der Zeitkreis des Dionysos; dieSonne geht von Ost nach West über dieErde hin, dies der Grund zur Erzählungvom Zuge des B. :c.; an den BegriffZeitkreis knüpfte sich dann der der Ver-vollkommnung des Lebens und seiner Ge-schäfte; c) agrarisch. Der Mythus stelltdie Hauptcrngelegcnheiten des Landbaus undder daraus entsprießenden Eultur dar; cl)allegorisch; B. ist der Wein in allen Bezie-hungen und Wirkungen; 3 Jahre dauert seinZug, alle 3 Jahre werden ihm die Lriete-rien (Fest) gefeiert; 3 Jahre schläft er beiPersephone, d. i. 3 Jahre bedarf die Rebe,um tragbar zu werden; Zeus und Semele,seine Eltern, deuten auf des Weines feu-rige Natur; wird er von den Kindernder Erde zerrisse», so deutet dies auf dasEinfammeln seiner Frucht durch die La»d-leute, so wie das Zusammensetzen seinerGlieder auf das neue Gedeihen des beschnit-tenen Weinstocks; das sonst stille Weib
Bacchus ZZ5
wird durch ihn begeistert (Mänaden), selbstdas Alter (Silcn); Faunen und Satyrnfolgen ihm, d. i. er zähmt das Wilde :c.;s) historisch: In Indien lebte Ein B-,welcher die Behandlung der Rebe und derFruchtbaume, auch außer halb Indien, lehrte;der 2., Sohn von Zeus und Persephone(od. Demeter), gab den Menschen Len Stierund vervollkommnete den Landbau; der 3.war Sohn des Zeus und der Semele; der4., Sohn des Ammon und der Amaltheia,besiegte die Giganten und stiftete dasAmmonorakel; der 6., Sohn des Zeus undder Jo, beherrschte Ägypten und stiftetedie Mysterien. Es gibt also einen indi-schen , zwei ägyptische, einen libyschen undeinen griechischen (thebanischen ) B., mitweichen sammtlich die Mythen des arabi-sche» Dusares (Phallos), des phrygischenSabazios, des phönikischen Adonis re., innäherer oder weiterer Beziehung stehen. Derwahre Grundstoff des ganzen aus so man-cherlei Materialien zusammengewebten My-thus ist wohl die indische Lehre vom Schi-wa - Dewaincha (Schiwcn - Dewanischi),(woher auch das Wort Dionysos, währendBakchos nur Epitheton Redner, Schreier,Wahrsager, zu sein scheint), der seinenSitz vorzüglich in Siva - nrhischanapari(Nysa) hatte, von wo sein wilder Lingam-dienst, — denn er ist das religiöse Symbolder zeugenden Natur (Sonne), — sich nachBaharadwpa (Westland von Indien, Eu-ropa) siegreich verbreitete. Auf jeden Fallging seine Wanderung von Indien zuerstdurch Äthiopien nach Ägypten; ein Haupt-weg der von Asien aus verbreiteten Cul-tur in der alten Welt, zugleich aber auchnach Phrygien und Phönikien. In Ägyptenverschmolz er mit Osiris; denn der indischeSchiwa stimmt mir Osiris und B. im We-sentlichen auffallend überein, in Border-Asien mit Kybele und Adonis. Bei deinmuß man noch bedenken, daß der Mythus,mit historischen Sagen verknüpft, den B.schon in Äthiopien als Heros erscheinenläßt. Lus Vorder-Asien und Ägyptenempfing nun, in verschiedenen Zeiträumenund abwechselnd, durch Vermittlung deSorphischen Pricsterinstituts auch Griechen-land den Schiwacultus, insbesondere dieesoterischen Lehre» der ägyptischen Priester,und zwar wahrscheinlich von Kadmos Ein-wanderung an, um 1550 v. Ehr. Wodieser orgiastische Kultus eingeführt ward,entstand Kollision mit dem schon vorhande-nen Apolloudienst. Für diesen stritten Ly-kurgss, selbst Perseus, glücklicher als je-ner, und Andere (s. oben). An andernOrten ging die Ansiedelung des neuen Kul-tus, oder die Verschmelzung mit schonvorhandenen (in Mykenä) friedlich ab; amFrühesten wohl in Kreta. Die Einführungde» B. in Griechenland beförderte wohl.