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sogar einen geistlichen Gerichtshof, der ganz independent und an wiihkuhrlich.r Ätacht ziemlich der Inquisition ähnlich war, so daß auchdie Beschwerden und Vorstellungen der angesehensten Geistlichen beidem König nichts auszurichken vermochten, und sein Stolz ging soweit, daß er öfters zu sagen pflegte: der König und ich, wir wollen«s. Selbst Fürsten, wie Kaiser Car! V. uns Franz l. hielkm eS nichtunter ihrer Würde, diesen Staats-Minister mit Schm icheleien sowie mit Geschenken zu überhäufen, und als Carl V. die ihm gemachteHoffnung zur päpstlichen Würde nicht e"snllte, so beförderte nun je-ner rachsüchtige Staatsmann um io eher das Bündniß zw scheu Eng-land und Frankreich gegen den Kaiser; selbst die Scheidung, welcheHeinrich nach einer 20jährigen Ehe am Ende von seiner Gemahlin,Katharina, einer Base Kaiser Carls V. bewerkstelligte, gab man demWolfey Schuld. Endlich machte zuerst Anna von Boleyn (s.dies. Art.) Heinrichs nunmehrige zweite Gemahlin, diesen auf die un-geheuer» Anmaßungen jenes Ministers, der durch s ine» Stolz unddurch seine Herrschsucht Alles geg n sich empört hatte, aufmerksam.Der König fand die Klagen gerecht, confiscirte (Im Jahr 1529) olleseine Güter — die Siegel wurden dem berühmten Thomas More über-geben — und indem Wolsey zugleich den Befehl erhielt, s-inen Pal-last, Withall, zu verlassen, der nunmehr der Könige Aufenthalt ward,verwies man ihn in sein ErzbiSthum Dork. Geg n den in Ungnadegefallenen Günstling erhoben sich nun uuzahlichc Stimmen: von Gro-ßen verachtet, vom Volke gehaßt, fand der gestürzte Minister nur a»Thomas Eromwell, seinem zeitherigen Hausgenossen, einen herzhafte»,großmü.'higen Verthcidiger im Unterdanse. Aber dennoch wurde erendlich noch vom Herzog von Nvrthumberland dcS Verbrechens der be-leidigten Majestät angcklagt, aeretirt, und sollte nach dem Tower ge-bracht werden, als er unterwegs in der Avtei zu Leicest.r -du 28.Nov. 15Z0) starb. „Hätte ich dem Könige des Himmels eben so treuals meinem Könige und Herrn auf Erven gedient. so würde er michin meinem Alter nicht so verlassen, wie es jetzt mein Fürst thut!" —dies waren die letzten Worte eines Mannes, der von dem niedrigstenStande sich durch sein Genie bis zu jener hohen Würde geschwungenhatte, die ihn aber schwindeln machte, und seinem Sturze zusührtc.Er war ein Mann von großem Verstände, von vieler Gelehrsamkeit,aber auch von vieler Verschmitztheit: sein Stolz, genährt durch seinfortdauerndes Emporstcigen, leitete ihn zu allen jenen Mißgriffen, diedie Quelle seines Kalles wurden.
ThomaS W 0 slst 0 n, ein wegen seiner Irrlehren berühmter Eng-lischer Gottcsgelehrter, grb. 1669 zu Northampton. Eines KaufmannsSohn, studirle er zu Cambridge, wurde nach einigen Jahren Mitglied-es Sidncy-CoücgiumS, und studirte die Theologie mit solchem Flei-ße, daß e, durch alljustarkes u-id anhaltendes Nachdenken ganz ver-rückt, und deshalb auch 4 Jabre lang eingeschlossen wurde. Demun-geachtet blieben ihm die Einkünfte als Mitglied je» S Collegiums, undnur erst 1721 wurde er wegen seiner ärgerlichen Schriften davon aus-geschlossen, worauf er nach London ging. Hier wurden nun seine Mei-nungen deutlicher: er behauptete, die heilige Schrift dürfe gar nicht