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6 (1813) Neues Zeitungs- und Conversations-Lexikon : oder Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung vorkommenden Gegenstände, mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der ältern bis auf die neuesten Zeiten. 6 / [T - Z]
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Wes 23F

«aßungen und zu vielen Streitigkeiten, ob man näbmlich West-pHalen oder Westfalen schreiben solle, Veranlassung gegeben.Allerdings scheinen diejenigen, welche Fa len schreiben, mehr vorsich zu haben, indem sie es entweder von falcn oder flagen, welcheseine ebene, flache Gegend bezeichnet, oder noch wahrscheinlicher vonFalahus herleiten (wie d.nn auch in den Sächsischen Annalen undNeschen sie WsstkaIaIii genannt werden), welches einen Vasallenbezeichnet, Verglich einem Schutzherrn anbesohlen hat; und da nundie Sachsen, wohin ehemahls jener Landstrich gerechnet wurde, in^ dem Vasallen - Verhältnisse gegen die Franken standen, so ist wohlleicht dieDeutung dieses Wortes zu machen; besoüdersda es eben auchOstfalen gab, und überhaupt das Land in das östliche und westli-che gekheilt wurde. Indessen scheint die einmahl angenommene Schreib-art mit p h (welches nicht einmahl die vaterländische deutsche Schreib-art anerkennt) daS Ueberge wicht erhalten zu haben.

Dieses große Land nun grenzte gegen Osten an Nieder-Sachse»,gegen Süden an Hessen, den Westerwald und den Rhein, gegen We-sten an die vereinigten Niederlande und gegen Norden an das DeutscheMeer. Eins der kältesten deutschen Länder, hatte man eS zwar sehrrauh und unfruchtbar verschrieen; allein eS war dies nur zum Tbeilder Fall und außerdem, daß es sehr volkreich war, konnte man aucheinen großen Lhekl als sehr fruchtbar und an treflicher Vieh - Weideund Viehzucht, an Holzung, an Mineralien rc. lehr gedeilich preisen.— Uebngens unterschieden sich Westphalen (das ganze Land mitallen den Provinzen zwischen dem Rhein und der Weser gelegen); danndaS Herzogthum Westphalen , welches nur ein kleiner Theil^ von jenem großen Körper war; endlich

Der Westphälische Kreis , welcher einen von den io Krei-sen des heil. Römischen Reichs ausmachte, und nicht nur alle diejeni-gen Länder enthielt, welche zwischen dem Rheine und der Weser lagen,sondern auch sogar solche Länder, die zu dem alten Westphalen nichtgehört hatten. Äs begriff derselbe an geistlichen Landen die vier vor-nehmsten Stifter: Münster, Osnabrück, Paderborn, Lüttich und dann, noch mehrere ansehnliche Abteien; ferner von weltlichen Besitzungen:die Herzogthümer Westphalen, Jülich, Berg, Cleve; die Fürstenrhü-mcr Minden, Verden, Moeurs, Ostsriesland, die fürstlich NassauViehische» Lande; viele ansehnliche Grafchaften, Oldenburg, Dci-menhorst, Mark, Ravensberg rc. endlich auch die Reichsstädte, Cöln,Aachen, Dortmund. Die Kreisausschrcibenden Fürsten und Direkto-ren waren der Bischof von Münster und der Herzog von Jülich, da-her auch Churbrandenburg und Pfalz in diesem Amte wechselten. Die>1. Kreistage wu rden gewöhnlich zu Cöln gehalten. — Daß übrigens

> Westphalen auch für die alte deutsche Geschichte in so mancher

Hinsicht noch merkwürdig war, daran erinnern leicht die West pH fl-itschen heimlichen Gerichte (s. Vehmgericht), der West,phälische Friede (s. Dreißigjähriger Krieg) u. m.

Das wichtigste Ereigniß indessen, was diesem so bedeutendenLandstriche Deutschlands noch aufbehalten worden war, war wohl unstrei-tig M Erhebung W e st p h a l e n s zu einem Königreich.

Cono. Lex. Sechster Band. B b