Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der gemeine Tüpfelfarren ist eine ausdauerndePflanze, welche in Deutschland und fast in ganzEuropa wächst. Man findet sie häufig an steinigenOrten, in Felsenritzen und auf alten Mauern, inWäldern, in Spalten und an Wurzeln alter Bäume,.besonders an Eichstämmen.

Die kriechende, lange, harte, walzenförmigeWurzel ist gebogen, gegliedert, knotig oder ge-zahnt gegliedert, zähe, mit vielen länglichen, dün-nen, lockern, braunröthlichen und häutigen Schup-pen dicht bedeckt, und mit haarfeinen schwärzli-chen Fasern besetzt. Sie ist von der Dicke einerSchreibfeder bis eines kleinen Fingers, und treibtmehrere Blätter oder Wedel, welche einfach, auf-recht, glatt, gräulich - grün, lanzettförmig und achtbis zehn Zoll lang sind. Zu beiden Seiten theilensie sich in tiefe Lappen, oder abwechselnde, läng-liche, stumpfe, zuweilen etwas spitzige, an ihrerBasis ineinander fliefsende, oben etwas gesägte undgegen das Ende des Wedels an Gröfse abnehmendeBlättchen, Der Strunk ist glatt.

Die Frucht bestellt in kleinen, mit einem elas-tischen Ringe umgebenen Kapseln ohne Decke, wel-che auf der Rückseite jedes ßlättchens in runden,ziemlich dicken Haufen von schön gelber Farbe ver-einigt sind. Diese Haufen stehen in der Länge derBlättchen auf zwei Linien, zwischen der Mittel-Rip-pe und dem äufsern Rande derselben, und sind zu-weilen so zahlreich, dafs sie in einander fliefsen.

Von dieser Pflanze, welche vom Mai bis Octo-ber blüht, gibt es auch Abänderungen mit einge-schnittenen Lappen.

Die Wurzel (Radix polypodii s. Filiculae dul-cis, Engelsüfswurzel, Kropfwurzel, Korallenwurzel)ist offizineil,

Sie wird im Frühjahr eingesammelt, uod manhält zum Arzneygebrauche die äufserlich rothbrau-nen, innen gelbgrünlicheu und leichtbrüchigen Wur-zeln am besten. Bey der Einsammlung werden sievon den Schuppen und Zasern gertSnigt. Sie be-sitzen einen ekelhaft-süfsen, etwas zusammenzie-henden, scharfen, bitterlichen Geschmack und sehrschwachen Geruch. Man verwirft die alten, holzi-gen, harten, hohlen, inwendig schwarzen, ge-schmack- und kraftlosen Wurzeln. Auch wurdensonst die Wurzeln der an Eichen wachsenden Engel-süfstüpfelfarren für wirksamer gehalten, als des imBoden oder auf Felsen wachsenden. Die Erfahrungjedoch zeigt, dafs die einen nicht mehr Kraft besit-zen wie die andern.

Abbildungen:

Zorn icon. pl. officin. I. t, 46.

Curtis fl. lond. n. 12.

Schkuhr kryptog. Gewächse, t. it*

Sturm deutsch!, fl, I. 1.

Bngl. botan. n49-

Flor, dan, 1060.

Plenk icon. ph med. t. 738.

Flor du dict. d scienc, med, livr, 72. pl, 278.

Bolton fil. t. 18,

Blackw. herb. t. 2i5.

Kniphoff cent, 6. n. 22.

Erklärung der Platte.Taf. Nro.

i, E.ne früchtetragende Pflanze.

2. Ein einzelnes Saamenhäufchen»

3. Eine einzelne Kapsel.