Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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zel, welche eine grofse Anzahl dicht und nahebey einander stehender Fasern besitzt, entstehengleich die langgestielten Blätter. Diese sind alleW ü rzelblätter rundlich - herzförmig gestaltet,an den Rändern fein gekerbt, stumpf oder ein we-nig spitzig am Ende, glatt, zuweilen etwas wolligund von grüner Farbe, Die Afterblätter am Grundeder glatten Blattstiele sind eyförmig, scharfgespitzt,und am Rande gewimpert. Die Sprossen der Wur-zel sind kriechend, wurzelnd und blättrig.

Zwischen den Blättern entspringen aus der Wur-»iel lange, schwache, einfache, glatte Blumenstieledie über der Mitte mit zwey lanzettförmigen spitzi-gen Deckblättchen versehen sind und sich mit ei-ner wohlriechenden röthlich oder purpürblauenBlume endigen.

Der Kelch ist fünfblättrig und bleibend. DieKelchblättchen sind glatt, länglich eyförmig untenstumpf und oben spitzig. Die Krone besteht ausfünf unreeelmäfsijjen Blumenblättern, Das obereist gröfser und endigt sich an seinem Grunde mit ei-nem Sporne der das Ganggefäü bildet. Die zweyuntern sind aufwärts gebogen und gröfser als bey-de Seitenblätter*

Die Staubbeutel sind zusammenhängend.Der obere, rundliche Fruchtknoten trägt eineneinfachen Griffel mit schiefer Narbe. Die Fruchtist eine dreyseitige, einfächerige, dreylappige, ey-förmige, stumpfe Kapsel, welche viele kleine, rund-liche und weifsliche Saamen enthält.

Nach der Beobachtung des Herrn Capieux (2.Jahrg. i8o5. 11. St. 456) finden sich an dieser Pflan-ze zweyerlei Zwitterblumen. Die im April und Märzallgemein bekannten offen blühenden Blumen tra-gen keinen Saamen, sondern die SaamentragendeBlume ist eine ganz andere, die erst im Spät-Som-mer oder Herbste zum Vorschein kommt, an Ge-stalt von der erstem sehr verschieden, die sehrharten aber unförmlichen Blumenblättchen sind andiesen fest um den Fruchtknoten sitzend und voneiner eigenen an der Spitze zusammengewachsenenBlüthendecke bedeckt, aus der der Sporn des ei-»-nen Blummenblattes unten nach dem Blüthestengelzu gewöhnlich hervorragt.

Die Befruchtung geschieht unter dieser Hüllewahrscheinlich durch Insekten.

Durch Zertheilung der Wurzeln, durch Aus-läufer und Saamen wird sie leicht vermehrt. Auchgibt es Varietäten derselben mit weifsen und ro-senfarbigen Blumen.

Die von dem Kelche befreiten sehr angenehmriechenden Blumenblätter des Märzveilchen (Floresviolarum) sind offizinell. Wenn sie getrocknet wer-den, mufs das Trocknen schnell geschehen; auch

müssen sie dann in einem wohlverschlossenen Ge-fäfse aufbewahrt werden, weil sie sonst ihre blaueFarbe verlieren. Aus einem Aufgusse der frischenBlumenblätter mit Wasser und dem nöthisen Zu-cker wird der Violensyrup (Syrupus violarum) be-reitet, welcher eine schöne dunkelblaue Farbe und ei-nen angenehmen Veilchengeruch und Geschmack hat.Die Blumenblätter des Hundsveilchens (Violacanina) und des Rauchveilchens (Viola hirta L.)womit zuweilen die Blumenblätter des MärzveilchensVerwechselt werden, sind gröfser, blässer von Far-be und ohne Geruch,

Abbildungen.Lobelius icon. 610.Zorn ic. pl. t. 8.Ö e d e r flora dan. t, 309.Blackwell herb, t, 55.Reneal. spec. i4i. t. \{<S.Dodonaeus pempt. i56. t. 1. 2.Rivinus t. 117.Weinmann n. 1011. c. d.Plenk icon. pl, med. 64o.Handb. d. pharm, bot. LXXVIII. f. 36g,Flor, du dict. des seien, med. livr. 90. ph 348»

Erklärung der Platte,

Taf. No.

Die ganze Pflanze im blühenden Zustande.

Die fünf irregulären Blumenblätter«

Der fünfblättrige Kelch.

Die fünf zusammenhängenden Staubbeutel,

Ein einzelner Staubbeutel,

Der einfache Griffel mit schiefer Narbe.

Derselbe vergröfsert.

Eine fruchtbare Blüthe Wie sie zur Beobachtungtauglich ist.

Eine vergröfserte fruchtbare Blume, wo ihreDecke weggeschnitten ist, wie sie gewöhn-lich um den Früchtknoten herumgeschla-gen ist.

Die Staubbeutel, welche wie geschuppt über-einander den Stempel umgeben, nochdurch das Spornblatt bedeckt.

Ein Staubbeutel mit seinem Schilde, wo iader Höhlung der Staub zu sehen ist.

Der Fruchtknoten sehr vergröfsert.

Ein befruchteter und angeschwollener Frucht-knoten natürlicher Gröfse, die Deckblätt-chen stehen daran auseinander und ander Spitze die vertrocknete Blumenkrone.l4. Vorige Figur stark vergröfsert.i5. Eine vollkommene Saamenkapsel in natürlicher

Gröfse.16. Ein Saamenkorn etwas Vergröfsert.

i.2.

3.

4.5.6.

7*8,

10.ii»

12.

i3.