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Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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findet sich auch auf altem Schutte, zwischen Steinen undauf trocknen , bergigen Orten. Es giebt davonzwey Varietäten; eine mit schmälern und eine mitbreitern Blättern. Ertsere kommt mehr an trock-nen, die letztere an sumpfigen Stellen vor. Auchwird der Baldrian in Gärten gezogen und in ver-schiedenen Gegenden Deutschlands auf dem Feldeangebaut.

Die zaserigen Wurzeln, aus deren Spitzen zwi-schen den Fasern viele weifsliche, gegliederte undmit eyrunden Schuppen bedeckte, unter der Erdekriechende Ausläufer herauskommen, treiben dreybis vier Fufs hohe, aufrechte, hohle, glatte, runde,gefurchte, an den Gelenken etwas haarige Stengelvon gelblich grüner Farbe, welche sich oben inblattlose, gegenüberstehende, Blumen tragende Zwei-ge theilen.

Die Blätter stehen einander gegenüber undsind, wie überhaupt die ganze Pflanze, verschiedengrofs , band- oder fufslang und alle gefiedert; dieWurzelblätter langgestielt; die Stengelblätter stiellos;die einzelnen Blättchen lanzettförmig, spitzig, ge-zahnt, bald breiter, bald schmäler und die End-blättch en gewöhnlich gröfser und dreylappig.

Die weifsröthlichen Blumen bilden an derSpitze des Stengels und der Zweige Doldentrauben,und besitzen einen dem Ilollunder ähnlichen Geruch.Der Kelch fehlt und statt dessen ist ein um-gebogener Rand, welcher den Fruchtknoten gleich-sam als Kelch umgibt, und sich in der Folge zueiner Art Federchen entwickelt, womit der Saamengekrönt ist, vorhanden. Die oberhalb befindliche,einblättrige Blumenkrone ist trichterförmig, so langals die Staubfaden, in fünf fast gleiche, stumpfeLappen gelheilt, an dem Grunde seitwärts etwas hö-kerig, und die Röhre derselben ein wenig gekrümmt.Die drey pfriemenförmigen aufrechten Staubfädenvon der Länge der Krone, und mit rundlichenStaubbeuteln versehen, sind auf der Röhre befestigt-Der untere Fruchtknoten trä^t einen einfachen Grif-fel, der so lang als die Staubfäden und mit dunk-licher dreytheiliger Narbe versehen ist.

Die Frucht ist eine einfächerige Kapsel unddas einzelne Saamenkorn ist länglich rundlich.

Der Baldrian blüht im Junius und Julius.Die Saamen reifen im August nnd September.

Die Wurzel (kleineBaldrianwurzel,Radix Vale-riana? minoris s. sylvestris) ist offizinell. Getrock-net ist sie bräunlich und inwendig weifslich. Siebesitzt einen starken, durchdringenden, eigentümli-chen, ziemlich unangenehmen Geruch und bittern,scharfen, gewürzhaften, etwas salzigen und unange-nehmen Geschmack.

Die Hauptwurzel erreicht selten die Dicke einesFingers, ist länglich, kurz, von allen Seiten mit lan-gen, rabenkieldicken und dünnern, schlanken, zähenmit kleinen, haarigen Z.äserchen besetzten Fasernumgeben. Die an trocknen Orten auf Bergen wach-sende Pflanze liefert die beste Wurzel. Die von deranfeuchten Orten'und Gräben etc. wachsenden Abartgesammelten Wurzeln sind dicker, weniger haari«

holzig, zerbrechlich , auswendig aschfarbenbraunoder braungelb, inwendig dunkelfarbiger, zuweilenfast schwarz, oft hohl in der Mitte, riechen unan-genehmer, sind von schärferm, aber nicht gewürz-haftem Geschmack und weit unwirksamer, so wieauch die dünn zaserigern, kriechenden, weifsernWurzeln des kleinen Sumpfbaldrians (Valeriana dioi-ca L.) Man pflegt die Wurzeln im Frühjahre, ehedie Stengel hervorkommen , einzusammeln. Sie wer-den, nachdem die Ausläufer abgesondert, behutsamund bei gelinder Wärme getrocknet, gereinigt, xindin gut verschlossenen Gefäfsen aufbewahrt. Jn de.nOffizinen hat man aufser dem Pulver, welches nurin geringer Quantität vorhanden seyn, und sorgfäl-tig verschlossen gehalten werden mufs, noch aq.Valeriana;, tinet. Valeriana? aether: et ammoniat. Extr.Valeriana? minoris und Ol. rad. Valeriana? vorräthig.

Mit den sonst auch unter dem Namen der <n-o-fsen Baldrianwnrzeln (Rad. Valeriana? majoris) offi-zinellen Wurzeln des Gartenbaldians (Valeriana PhuL.) können die kleineu Baldrianswurzeln verwech-selt werden, und haben damit viele Aehnlichkeit;nur sind die des Gartenbaldrians gröfser, von mior-derscharfem, aber unangenehmerbitterm Geschmackund widrigerm Geruch. Auch wächst diese Pflanzenicht häufig wild, und die in Gärten gezogenenWurzeln sind nicht so kräftig und werden daher inden Offizinen selten aufbewahrt.

Endlieh giebt es auch Beyspiele von Verfäl-schungen dieser Wurzeln mit verschiedenen Ramm-kelwurzeln, welche man jedoch dadurch erkennt,dafs dergleichen Wurzeln ans braunen, mehr oderweniger ins weifsliche, spielenden, einfachen, dickemund geruchlosen Fasern bestehen, die an einer ArtKnollen befestigt sind.

Die Katzen lieben den Geruch sehr, wälzensich auf den zu trocknenden Wurzeln, verunreini-gen sie und machen sie zum Arzneigebrauche un-tauglich, wesgegen man in dieser Hinsicht sich inAcht zu nehmen hat.

Abbildungen:

Flor du Dict. des Scienc. med. livr. 89. pl. 343.

Cutis, fl. Lond. n. G7.

Eng. botany. tab. 09S. i

Oeder fl. dan. t. 57o. \ variet. latifolia.

Blackwell. Herb. t. -27 t. 1

Sturm. Deutsch. Flor. I. 9.

Plenk. Jcon. pl med. t. 27.

variet. tenuifolia.

Erklärung der Platte.

Taf. Nro.

1.

Ein blühender Stengel.

2.

Ein WurzelblaU,

3

Die Wurzel.

4-

Ein Blümchen.

5,

Die geöffnete Blume, )Der Fruchtknoten ? vergröfsert

6.

7-

Der Saame. }