Gräben, Wegen, und Mauern, an Zäunen und. inGebüschen etc. angetroffen. In Gärten, wo die Blu-men gewöhnlich gefüllt sind, wird diese Pflanzenicht nur zur Zierde, sondern auch zum Arzneyge-brauche gezogen.
Die walzenförmige, knotige, feste, kriechende,sehr ausgebreitete Wurzel derselben ist ästig, ge-bogen, gegliedert, befasert, zwey bis drey Fufs lang,fast einen kleinen Finger dick, auswendig vonröth-licher oder rothbrauner Farbe, inwendig gelblichund in der Mitte weifs. Sie treibt mehrere auf-rechte, glatte, runde, hohle, knieförmig-abgetheil-te. knotige, ohngefähr zwey Fufs hohe, mittelmäs-sig - ästige, etwas streifige Stengel.
Die gegeneinander überstehenden Blätter sindglatt, eyrund-lanzettförmig, etwas spitzig, ganz un-getheilt, fast aufsitzend, am Grunde schmäler undzusammengewachsen, mit drey aus der Basis ent-springenden Mittelrippen bezeichnet und von leb-haft grüner Farbe.
Die weifsen oder blafsröthlichen Blumen stehenauf kurzen Stielen, und mit lanzettförmigen, gegen-überstehenden Deckblättern versehen, in kleinenBüscheln in den Winkeln der obern Blätter sowohldes Stengels als der Zweige und besitzen einen an-genehmen Geruch.
Der einblättrige, bleibende, röhrige Kelch istnackt, walzenförmig, acht bis zehn Linien lang undhat fünf kurze, spitzige Zähne. Die Blumenkroneist ziemlich grofs und besteht aus fünf stumpfen,ausgeschnittenen, am Schlünde mit zwey Zähnchenversehenen Blättern, deren Nägel schmal, eckig undso lang sind, als der Kelch. Die zehn pfriemen-förmigen Staubfäden, wovon fünf später hervor-kommen , sind abwechselnd an den Nägeln der Blu-menblätter eingefügt und tragen längliche, sumpfe,aufliegende Staubbeutel. Der oberhalb, auf ei-nem Stielchen befindliche Fruchtknoten ist läng-lich-rund. Die beiden Griffel sind aufrecht,gleichlaufend und von der Länge der Staubfäden,die Narben spitzig.
Die Frucht besteht in einer bedeckten, längf-liehen, einfächerigen Saamenkapsel, von der Gröfsedes Kelchs, welche an der Spitze fünffach auf-springt und viele kleine Saamen enthält»
Das Speichelseifenkraut blüht im Juni bis August,Die Saamen reifen im August bis October.
Das Kraut und die Wurzel (herba et ruuixsaponarise,) sind offizinell.
Die Blätter haben keinen Geruch; aber einenetwas seifenhaften, schleimigen, dann strengenkratzenden Geschmack, und werden im Junius ein-gesammelt. Die Wurzel, welche im Frühjahr aus-gegraben wird, ist ohne merklichen Geruch und be-sitzt einen anfangs süfslichen, schleimigen, dann aberbitterlich-herben und etwas scharfen Geschmack.
Statt der wahren Seifenkrautwurzel wird zuwei-len die Wurzel der getrennten (Lychnis) oder dessogenannten weifsen Seifenkrauts (Lychnis dioica L.die nicht roth, sondern weifs, holzig und unwirk-sam ist, eingesammelt. Auch ist der Stengel dieserPflanze rauh und haarig. Die Blätter sind lang-eyförmig, zugespitzt, matt-grün-weifslich, rauh,weich behaart, nicht mit drey Rippen versehen undnicht so grofs als die des Seifenkrauts. Die ge-wöhnlich weifsen, auch wohl rothen Blumen sindeinzeln und nicht in Büscheln zusammen. Männlicheund weibliche Blüthen finden sich auf verschiede-nen Pflanzen, wie wohl auch einige Pflanzen zuwei-len Zwitterblumen tragen.
Abbildungen.
Flor, du Dict. des scienc. med. livr. 81. pl. 5*1«
Plenk Jcon. pl. officin. 346.
Sturm Abbild. I. 6.
Schkuhr. bot. Handb. t. 119.
Curtis fl. Londin. n, 9.
Engl, botany. 5oo,
Lam. Jllustr. gen. t. 3~6.
Flor. dan. t. 543.
Ludwig Ectyp. t. 170.
Knorr. Delic. I. t. S. 17.
Black well. Herbar. t. n3.
Morisso n Hist. 5. tab. 22. fig. 52. varietas.
Erklärung der Platte.
Taf. No.
1. Ein blühender Stengel.
2. Die Wurzel.
3. Ein einzelnes Blatt der Blumenkrone.
4. Der Kelch ohne Blumenkrone mit den Staubfäden,
5. Die beiden Griffel auf dem gestielten Frucht-
knoten.