Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Diese ausdauernde Pflaaze ist im südlichen Ku-ropa einheimisch; wächst vorzüglich im mittägigenFrankreich, in der Schweiz, in Italien etc. und fin-det sich auch wild in einigen Gegenden Deutsch-lands, als in Steiermark, Kärnthen und in der Pfalzauf Wiesen, an Hecken und Gebüschen. In Ena-latid, Frankreich, hin und «ieder in Deutschland undmehrern andern Ländern Europas pflegt man sieder Wurzeln wegen, die ein wichtiges Farbemateri-al liefern, unter dem Namen Krapp häufig auf Fel-dern anzubauen. Sie wächst am besten in gutem,mit etwas Thonerde gemengtem Boden, der, so wieauch das Klima, vielen Einflufs auf die Wurzelnhat, welche nicht an allen Orten von gleicher Gütesind. Durch Wurzelsprofsen oder Keime läfst sichdiese Pflanze am vorteilhaftesten fortpflanzen undvermehren, und nach drey Jahren werden die lan-gen, sich in der Erde weit ausbreitenden Wurzelnherausgenommen,

Die viereckigen , ästigen, mit etwas steifen, zu-rückgebogenen Stacheln besetzten , drey bis vier Fufsund drüber langen, liegenden Stengel sind schwachund knotig; die Aste abwechselnd. Die jährig ab-fallenden, aufsitzenden lanzettförmigen, zugespitzten,steifen, oben glatten, am Rande und an den Rü-ckennerven mit zurückgebogenen Stacheln besetztenBlätter stehen gewöhnlich zu sechs sternförmig umdie Gelenke des Stengels; am Ende der Zweigehingegen zu zweyen gegeneinander über.

Die Blumen sind klein, gelblich und stehen auf

ästigen Stielen straufsförmig zur Seite und am Ende

der Zweige.

Der sehr kleine Kelch ist einblättrig und vier-

zahnig; die einblättrige Blumenkrone glockenförmigund vierspaltig ohne Röhre. Die Staubfäden sindkleiner, als die Krone; der untere Fruchtknoten istzweyknöpfig und der Griffel zweyspaltig mit kopf-förmigen Narben.

"Die Frucht besteht in zwey einsaamigen, kugeli-gen, glatten, verwachsenen, schwarzen Beeren.

Es gibt einige Varietäten mit 4 und 5 Blätternmit fünf und sechsfpaltigen Blumen, eben so vielenStaubfäden und mit dreyzahnigen Stacheln. Auchunterscheidet man den wilden und den zahmenKrapp.

Die Blüthezeit ist Juny und July; die der Saa-menreife September.

Die Wurzel ( Färberöthwurzel, Radix Rubiae tinc-torum ) ist oüicinell.

Sie ist kriechend, sehr lang, ästig, federkieldick,knieförmig, mit starken Seiteniasern besetzt, äufserlichmit einer dünnen, blafsbraunen Haut versehen, uu-ter derselben rothgelblich von Farbe, und in derMitte markig und dunkelroth. Sie ist geruchlos,besitzt einen zusammenziehenden, bitterlichen Ge-schmack, färbt den Speichel, das Wasser, den Wein-geist, die ätherischen Öle und selbst die Knochender damit gefütterten Thiere roth. Die holzigen,angefrefsenen, schwärzlichen oder schwarzgefleck-ten Wurzeln sind zum Arznevoebiauche nichtdienlich.

Abbildungen:

Flor, du Dict. des scienc. med. Livr. 47« pk fJ7>

La mark, lllustr. gen. tab. oo. fig. u

Sturm, fl. germ. fasc. 3-

Plenk. Jcon. pl. med. t. Sj.

Schkuhr. bot. Handb. tab. 23.

Sibthorp. fl. grase, tab. i4i..

Black well. Herb. tab. 26.

Miller. Dict. n. 1. tab. I.

Moriss. Hist. S. 9. tab. 21. fig. 1. ord. 1.

Erklärung der Platte.

Taf. Nro.

1. Ein blühender Zweig.

2. Die Wurzel.

3. Einzelnes Blütchen.4- Ein einzelner Kelch.