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Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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versehenen, überhaupt verschieden gestalteten Stü-cken vorräthige Rhabarber, Rhabarberwurzel, (Ra-dix Rhei seu Rhabarbari) ist von ihrer Rinde be-frevt, und mufs, wenn sie gut und acht ist, mas-sig schwer, trocken, aufsen matt-hellgelb, grünlich-gelb, oder röthlich-gelb, fest und dicht, dochnicht allzu hart, inwendig safranfarbig und unter-mischt sevn mit weifsen und röthlichen oder gelb-bräunlichen Streifen und Flecken, die ihr beyiuBruche das Ansehen von Maser, und einige Ähn-lichkeit mit der Substanz der Muskatennufs geben.Sie ist mehr oder weniger zerbrechlich und zerreib-lich; von einem eigentümlichen, in etwa gewürz-haften, unangenehmen und widerlichen Geruch, undbitterlichen, etwas zusammenziehenden und schar-fen, ein wenig ekelhaften und unangenehmen Ge-schmack. Sie färbt den Speichel schnell safrangelb;wird im Munde nicht schleimig und klebrig ; knirschtbeym Kauen zwischen den Zähnen; ändert ihre Far-nicht beym Reiben mit den Fingern^ läfst sich leichtpulvern und hat alsdann eine satt-gelbe, ins röth-liche spielende Farbe. Auch gibt sie mit Weingeistausgezogen eine durch Wasser kaum zu trübendeTinctur, welche durch hinzu getröpfelte Kaliauflö-sung eine rothbraune Farbe annimmt. Endlich darfeine gute Rhabarber weder wurmstichig, noch schimm-lieh seyn.

Man erhält diese Wurzel, welche auch in meh-"rern Ländern Europas angebaut wird, auf verschie-denen Wegen aus der schinesischen Tartarey undden Grenzen von China.

Im Handel kommen vorzüglich drey SortenRhabarber vor:

i) Die russische Rhabarber (Rhabarbarumrussicum, sibiricum, moscoviticum) ist die iheuersteund beste Sorte. Die bucharischen Kaufleute brin-gen sie zu Lande nach Kiachta in Sibirien, wo nachgenauer Untersuchung die schlechten Stücke gleichverbrannt, und nur die guten, ausgelesenen undnochmals gesäuberten Stücke in verpichteten Kistennach Moskau, von da nach Petersburg gebracht,wo wiederum die schlechtem und mittelmässigen Stü-cke abgesondert und vernichtet, und nur die gutenverkauft werden. Man erhält diese Rhabarber invieleckigen etwas länglich-rundlichen, oder flachen,platten, handgrossen, zwey Zoll oder weniger dik-ken; oder in Pferdehuf-ähnlichen, mit einen vier-!cl Zoll weiten Löchern versehenen, oder derge-slalt ausgehöhlten Stücken, dafs oft viele davon ei-ner Rinde nicht unähnlich sind. Auch ist dieseRhabarber leicht zerbrechlich, und knirscht beymKauen zwischen den Zähnen. Die Farbe derselbenist marmorirt, röthlich, weifs und gelb, oft mitsternförmigen Schattirungcn. Sie ist leichter, mür-ber, röther und dem Schimmel und Wurmfrafs mehrunterworfen als die folgende Sorte. Die sogenanntetürkische Rhabarber (Rhabarbarum turcicum s. alex-andrinum kömmt ihr am nächsten, hat keine Lö-cher , oder nur kleine, wird jetzt aber wenigmehr im Handel angetroffen.

2) Die ostindische , chinesische , tartarische,

auch wohl holländische oder dänische Rhabarber

Rhabarbarum indicum, chinense, hollandicum, da-

nicum) erhält man zur See vorzüglich durch dieDänen und Holländer aus Canton in China, Dervielen Verderbnisse wegen, denen sie auf der lan-gen Seereise ausgesetzt ist, hält man sie für weni-ger gut. Die meistens drey oder vier Zoll langen,und einige Zoll dicken Stücke sind schwerer, nurselten durchlöchert, härter und ^dichter, bald wal-zenförmig, bald auf einer Seite erhaben, auf derandern glatt, oder wie zusammengedrückt und ge-prefst, auf beyden Seiten flach, und gute und schlech-te untereinander gemischt.

3) Die europäische oder inländische Rhabar-ber (Radix Rhabarbari nostratis) eine durch Kul-tur der angegebenen Rhabarberspecies in einigenGegenden Deutschlands, und überhaupt in mehrernLändern Europas erhaltene Sorte, welche aus klei-nern , in die Quere zerschnittenen oder in längli-chen, grünlich-gelben, unansehnlichen, zusammen-geschrumpften Stücken besteht, die viel bittereraber weniger zusammenziehend schmecken, zwi-schen den Zähnen nicht knirschen, überhaupt un-wirksamer sind, und nur auf besondere und aus-drückliche Verordnung von den Apothekern alsArzney verwendet werden dürfen.

Eine verdorbene, schlechte Rhabarber ist ge-wöhnlich, besonders inwendig, Schwarz; von schwa-chem, fremdartigem Gerüche, oder ganz geruchlos;auch wohl von Würmern angefressen, schiminlichund wurmstichig. Um theils die Wurmlöcher zuverbergen, theils die übliche Farbe und alle übri-gen Mängel zu verdecken, bedient man sich ge-wöhnlich eines Gemisches von gelben Ocher, oderRhabarberpulver mit irgend einem Gummischleime,womit dann die Löcher ausgefüllt, und die misfar-bigten Stellen bestrichen werden. Beydes läfst sichaber durch das Zerbrechen der Stücke, und durchsAbreiben der Farbe mit den Fingern, leicht entdek-ken.

Auch wird die ächte Rhabarber mit untermisch-ten Rhapontikwurzeln ( Rad. Rhapontici) verfälscht,welche von der im südlichen Sibirien und Rufslandeinheimischen Rhapontikrhabarber ( Rheum rhapon-ticum ) herkommen, auswendig, dunkelgelb fast braun ,und inwendig mit gelben und weissen Ringen , undmit aus der Mitte strahlenförmig ausgehenden Strei-fen versehen sind; sie besitzen einen sehr schwa-chen Geruch, einen mehr zusammenziehenden, alsbittern und weniger unangenehmen Geschmack.Beym Kauen sind sie zäher und schleimiger; knir-schen nicht zwischen den Zähnen; färben denSpei-chel weniger; geben einen viel blässern wässrigeuAuszug, und kommen in längern, dünnen, cylin-drischen und meistens gespaltenen Stücken vor.

Eine Verfälschung mit der Mönchsrhabarber(Rhabarbarum Monachorum) erkennt man daran,dafs diese Wurzel, für deren Mutterpflanze, der imsüdlichen Europa in der Schweiz etc. wachsendeAlpenampfer (Rumex alpinus) gehalten wird, ge-schält in runzligen, langen, aufsen braunen unJinwendig schmutzig-bräunlich- oder grünlich-gel-ben mit dunkelrothen Adern durchzogenen Stückenvorkömmt, und zwar einen bitterlich-rhabarberar-tigen , aber viel stärker zusammenziehenden Ge-schmack besitzt; den Speichel auch safrangelb färbt,aber viel mehr Ekel erregt und unwirksamer ist.

Abbildungen.Miller dict. tab. 218.

Erklärung der Platte.

Taf. No.

1.

Die Blüthe.

2.

Ein Wurzelblatt

3.

Ein Stück der Wurzel.

4.

Ein Blümchen.

5.

Ein Staubfaden.

G.

Der Fruchtknoten mit NarLe