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2 (1845) Balde bis Buchhandel
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124 Baumgartner (Gallus Jak.) Baumschlag

Folge zu leisten. Unter seinen Schriften steht obenan seine „Naturlehre" (Wien 1823-,7. Aufl„ 1842); nicht wenig hat er für Fortbildung der Naturwissenschaften auch durch die„Zeitschrift für Physik und Mathematik" gewirkt, die er erst in Verbindung mit Etting.Hausen (10 Bde., Wien 1826—32), dann allein unter dem Titel „Zeitschrift für Physikund verwandte Wissenschaften" (4 Bde., Wien 1832—37) herausgab, und die er jetzt mitHolgcr fortführt. Durch seine „Aräomctrie" (Wien 1820) und die „Mechanik in ihrerAnwendung auf Künste und Gewerbe" (Wien 1823) hat er für die Anwendung der Physikauf das gewerbliche Leben verdienstlich gewirkt, und seine „Anfangsgründe der Naturlehre"(Wien 1837) sind ein guter Leitfaden beim Elementarunterrichte.

Baumgartner (Gallus Jak.), Landammann des Cantons St.-Gallen, geb. am 18 .Oct. 1797 zu Altstätten, der Sohn eines Handwerkers, besuchte das Gymnasium in St.-Gallen und dann die Nechtsschule in Freiburg. JmJ. 1816 ging er nach Wien, wurde aberhier politisch verdächtigt, verhaftet und 1820 aus Ostreich ausgewiescn. JmZ. 1825 kamer in den Großen Rath seines Cantons, wurde hierauf Staatsschreiber und gewann sehr balddurch Geschäftsgewandtheit und beredte Vertheidigung der Volkssache vielen Einfluß. ImI. 1831 trug er als Mitglied des Verfassungsraths viel dazu bei, daß die neue Verfassungzu Stande kam, wurde zum ersten Mitglieds des Kleinen Raths ernannt und erwarb sichgroße Verdienste um die Administration. Er sprach und stimmte in eidgenössischen Ange-legenheiten als erster Gesandter seines Cantons auf der Tagsatzung für die Reform dnschweizerischen Bundesverfassung durch das Organ eines eidgenössischen Verfassungsrathsund für Totaltrennung des Cantons Basel, nachdem sein erstes Votum für Reconstituirungdesselben, mittels eines Verfassungsraths und unter dem Schutze eidgenössischer Truppen,durchgefallen war. Er wirkte 1833 für das Aufgebot von 20000 M. gegen die Cantonedes Sarner Bundes, protestirte 1834 gegen die durch den Savoyer Zug und die Versamm-lung im Steinhölzli hervorgerufenen Foderungcn der fremden Gesandten und widersetztesich 1836 in einem Minoritätsgutachtcn dem Conclusum in der Flüchtlingssache, sowie demConcordat hinsichtlich der politischen Flüchtlinge. Auch durch seine Theilnahme an demwohlrcdigirten St.-gallischen Blatte „Der Erzähler", stellte er sich in die vordersten Reihender Partei der Bewegung. Eine besondere Energie entwickelte er aber in seinem Canto»gegen die Reactionsvcrsuche der ultramontanen, von der Nunciatur geleiteten Partei; erverthcidigte mit Erfolg das freisinnige System der öffentlichen Erziehung, setzte 1835 dieAufhebung des für den Canton so nachtheiligen Doppelbisthums durch und war das eifrigsteund thätigste Mitglied der päpstlich verdammten badener Conferenz. So zählte er währendeiner langen Reihe von Jahren unter den Häuptern des Radicalismus, bis er sich zuerst inder Sache des kaufmännischen Stiftungsfonds zu St.-Gallen von einem Theil seiner radicalenMeinungsgenossen entfernte, ohne daß man jedoch aus seiner Ansicht über eine locale Rechts-frage auf einen baldigen politischen Farbenwechsel schließen mochte. Zum vollständigenBruche mit seiner Partei kam es aber in der aargauischen Klostersache (s. Schweiz), alser sich mit der MehrheK des St.-gallischen Großraths für Herstellung sämmtlicher Klösterunter einigen Modificationen aussprach und als Gesandter seines Cantons die Vertretungdieser Ansicht auf der Tagsatzung übernahm, ohne jedoch damit durchdringen zu können. Jetztbehandelte die liberale Presse den früher so hoch von ihr Gefeierten als Abtrünnigen undversuchte sich in mancherlei Erklärungen seiner politischen Umwandlung, während es auchB- nicht an Repliken fehlen ließ, wodurch er seine frühem Freunde und neuen Widersachernoch mehr gegen sich aufreizte. Misstimmt durch wiederholte Angriffe, gab er im Nov. 1841die vom Großen Rathe mit Bczcigung des Danks für vieljährige Dienste angenommeneEntlassung aus dem Kleinen Rathe, behielt jedoch vorerst noch die Stelle eines Tagsahungs-gesandten. Später trat er auch vom „Erzähler" zurück, übernahm aber im Herbst l 842 dieNedaction der „Neuen Schweizer Zeitung", worin er eine vermittelnde Stellung behauptenzu wollen scheint. Er gilt als Verfasser der anonym erschienenen Schrift „Die Schweiz imI. 1842", worin er die Frage der Bundesreform als noch unzeitig vertagt haben wollte unddie Pacification der Schweiz, auf der Grundlage von Garantien des jetzt geltenden eid-genössischen Staatsrechts, als die Vorbedingung der künftig möglichen Reformen betrachtete.

Baumschlag nennt man in der Natur den Wurf oder die Lage der Verzweigungen