Der gemeine Wachholder, ein mittelmä-fsiger, ausgebreiteter Strauch von 3 bis 6 Fufs hoch,"welcher aber durch Kultur in unsern Gärten undin wärmern Landein zu einem Baume wird von i5bis 20 Fufs Höhe, und eine Dicke von * bis r Fufserreicht, wächst fast durch ganz Deutschland, über-haupt im nördlichen Europa, allenthalben an san-digen Stellen, in bergigen Wäldern, auf Bergen,Hügeln und Triften.
Der Stamm desselben ist meist unförmlichund gekrümmt. Die Aeste sind zahlreich und un-regelmäfsig. Die Rinde ist uneben und von braun-röthlicher Farbe; das Holz hart und von ange-nehmen Gerüche. Die jungen Zweige sind dünn,hängend, fast dreyeckig und mit erhabenen Strei-fen versehen, welche sich von einem Blatte zumandern erstrecken.
Die Blätter sind aufsitzend, gewöhnlich zudrev beisammenstehend, ausgebreitet, gleich breit-lanzettförmig , hart, sehr scharf zugespitzt, ste-chend, etwas dreyeckig, auf der obern Fläche ver-tieft, glatt, am Grunde ein wenig wc-ifslich oderblaugrün, und mit dunkelgrünen Seiten eingefafst.Die Rückseite derselben ist erhaben und dunkel-grün. Sie sind länger als die Beeren und dauerndas ganze Jahr hindurch.
Die männlichen Blüthen sind in kurzen, sehrkleinen, gelblichen, ungestielten, einzeln in denBlattwinkeln stehenden, kegelförmigen Kätzchenvereinigt, welche aus 9 . Blüthen, zu Dreyeneinander entgegengesetzt, und aus einer äufserstenbesteben. Am Grunde jeder Blume befindet sicheine breite, kurze, auf einem Stielchen an die Spin-del befestigte Schuppe. Die Blumenkrone fehlt.Die drey Staubfäden der Endblume sind pfrie-menformig, unten in einen Körper zusammenge-wachsen und die Staubbeutel abgesondert. In denSeitenblumen sind die Staubfaden kaum sichtbar,stehen im Blumenboden, und die Staubbeutel sindder Schuppe angewachsen. Die weiblichen Blü-then, welche ebenfalls in den Blattwinkeln sitzen,haben einen dreytheiligen, sehr kleinen, an denFruchtknoten angewachsenen, bleibenden Kelch.Die Krone ist dreyblättrig. Die Blumenblättersind spröde, spitzig und bleibend. Der Frucht-knoten sitzt unten. Die drev Griffel sind, so wiedie Narben, einfach.
Die Frucht ist eine stiellose, kugelrunde, obengenabelte, im ersten Sommer grüne, im zweyten zurZeit der Reife bläulich - schwarze, inwendig roth-gelbe Beere, die gewöhnlich drey längliche, ecki-ge steinharte Saamen enthält.
Die Zeit der Blüthe ist April und Mai. DieFrüchte reifen im Herbste des folgenden Jahrs.
Die Fortpflanzung des Wachholder geschiehtam besten durch Saamen, welcher aber oft 2 — 3Jahre liegt, ehe er aufgeht. Es giebt eine Abartdes gemeinen, (der schwedische Wachholder, Jun:'-perus sulcica), welche längere Blätter hat undbraunartig ist.
Die jungen Triebe des Wachholder, (Wachhol-derspitzen, summitates juniperi) die Beeren, (Wach-holderbeeren, Hollerbeeren, bacca; juniperi) unddas Holz, (Wachholderholz, Raddigholz, Holler-
holz, lignum juniperi seu lignum cedrinum), sindoffizinell.
Das Holz und die jungen Triebe werden imFrühjahr eingesammelt. Das Holz mit einer schwarzgrauen oder röthlich braunen Rinde umgeben, istunter demselben weifs, gegen den Kern zu abergelblich roth. Es ist sehr harzig, fest, zähe undschwer. Der Geruch desselhen ist stark und an-genehm balsamisch, besonders wenn es zerschnittenoder angezündet wird, und der Geschmack etwasscharf, harzig und gewürzhaft. Man nimmt es vondem Stamme, den gröfsern Zweigen und der Wur-zel, welches letztere am wirksamsten ist. Zwischendem Holze und der Rinde setzt sich bisweilen eineharzige Substanz an, die man sonst unter dem Na-men deutscher Sandarak oder Wachholderharz(Sändaraca germanica seu resina juniperi) einsam-melte, die aber von dem wahren Sandarak durch-aus verschieden ist.
Die runden, schwarzen, glänzenden Beeren ent-halten im frischen Zustande inwendig ein gelblichröthliches Fleisch, das in den getrockneten Beereneine leichte sclnvammige Masse von gelblicher Far-be bildet, und drey Saamenkörner enthält. Sie ha-ben einen harzigen, siifslich - bittern Geschmackund starken, balsamischen Geruch, der sich auchbeym Verbrennen derselben auf Kohlen, in der Luftverbreitet. Aus den frischen reifen Beeren bereitetman das Wachholdermus (Succus cuspiosatus juni-peri) und durch Destillation derselben wird dasY\ achholderbeerenöl (oleum baccarum juniperi) ge-wonnen. •
Abbildungen.G u i m p e 1 Abbild, d. deutsch. Holzart. 35. Hft. t. 206.Weinmann n. 6i5. e.Black well herb. t. 187.Zorn icon. pl. t. 178.Duhamel arbr. I. p. 321. t. 127.Oeder fl. dan. t. nio.Kerner Abbild, ökon. Pf. t. 255.Gramer Forstw. t. 44.Pallas fl. rofs. I. s. 2. 18. t. 54. f. b. c.Oelhafen abb. I. th. t. 22.Reitter u. Abel Abbild, t. ioe.Schkuhrs bot. Handb. t. 338.von Gleihen Abbild, t. 2 3.Plenk icon. plant, med. t. 719.Handb. der pharm, bot. bl. LXXXVII. l. 4o4.Fl. du dict. des scienc. med. livr. 4-. pl. 180.Erklärung der Platte.
Taf. No.
Ein Zweig mit weiblichen Blüthen oder Kätz-chen, unreifen und reifen Früchten.
Ein Zweig von dem männlichen Stamme, mitBlüthen oder Kätzchen.
Ein männliches Kätzchen veiürofsert
Eine einzelne Schuppe der männlichen Blüthen
1.
2.
3.4
vergröfsert.
o.
Ein vergröfsertes weibliches Kätzchen, an wel-chem man oben die einzige weibliche Blu-me mit ihren drey Griffeln hervorragen sieht.0. Eine reife mierdurchschnittene Beere in nätürlicher Gröfse, Avorin die drey Saamenkör-ner zu sehen sind.