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Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Die Wurzel derselben bildet einen rundlichenschwärzlichen Kopf, aus dein dicke fleichige Fafsern,von bräunlich schwarzer Farbe hervorkommen.

Der Schaft ist aufrecht, vier bis fünf Zolllang, glatt, dick, rund, etwas röthlich, fast nackt,einfach oder gabelförmig am Ende, und trägt ge-wöhnlich zwey, auch wohl Eine Blume. Dicht un-ter den Blumen ist derselbe mit ein bis drey schup-penförmigen länglichen, ungezahnten Blättchen be-setzt, weiche die Stelle des Kelchs oder der Scheidevertreten.

Die immergrünen Blätter erscheinen kurznachher. Sie sind also Wurzelblätter, ziemlich langgestielt, ausgebreitet, am Grunde scheidenförmig undin sieben bis acht, glatte, lederartige, steife, dicke,dunkelgrün glänzende, sägeartig gezahnte, zuge-spitzte Blättchen getheilt.

Die Blüthen sind wohlriechend, weife, zu-va eilen etwas röthlich, grofs, offenstehend und hal-ten bei zwei Zoll im Durchmefser. Die Kronebesteht aus fünf, zuweilen auch mehrern ovalen,stumplen Blumenblättern. Man bemerkt gewöhn-lich zwanzig Honig gel äfse, die einblättrig röh-rig j sehr kurz, und gelb von Farbe sind. Sie ste-hen in einem Kreife und haben eine zweylippigeMündung, wovon die iuuere Lippe kürzer ist. DieAnzahl der Staubfäden ist grofs. Sie sind pfrie-menförmig, stehen auf dem Fruchtboden und tragenzusammengedrückte, unten schmälere, aufrechte,gelbe Staubbeutel. Die Fruchtknoten sindzusammengedrückt, obenstehend und meistens sechsan der Zahl. Die fünf bis sechs pfriemenförmig, bo-eenförmis gekrümmten Griffel sind mit dickli-eben einfachen Narben versehen.

Die Frucht besteht aus fünf bis sechs zusam-mengedrückten, aufrehten, ovalen, einfächerigen,seitwärts mit zwei Schärfen versehenen, am Grundeverwachsenen, von innen aufspringenden, viele rund-liche Saamen enthaltenden Kapseln.

Die schwarze Nieswurz blüht vom Decemberbis März, überhaupt nur in den Wintermonatenselbst unter dein Schnee.

In den Apotheken ist die Wurzel -unter demNamen Christwurzel, schwarze Nieswurz (radixHel-lebori s. Ellebori s. Melampodii) bekannt, und dereinzige gebräuchliche Theil dieser Pflanze. Es hatdieselbe einen schwarzen, rundlichen, gefurchtenKnollen oder Kopf, von der Gröfse einer Muska-tennufs, der nach allen Seiten kurze, gegliederteAeste treibt, aus welchen wieder viele glatte, runde,strohhalmsdicke und dickere , zähe , fleischige, ei-nige Zoll bis Fufs lange, bey altern Wurzeln ineinander geschlungene Fafsern kommen; die aus-wendig schwarz oder schw arzbraun, inwendig weifssind, einen scharfen, bitterlichen, eckelhaften Ge-schmack und widrigen ranzigen Geruch besitzen.Durchs Trocknen werden sie runzlich, dünner, zer-brechlich , auswendig braun - gräulich, inwendiggelblich-weifs, verlieren meistens ihren Geruch undschmecken beim Kauen Aveniger bitterlich, hinter-lafsen aber noch lange die Empfindung einer Schär-fe und verursachen eine Alt Gefühllosigkeit und Er-starrung der Zunge. Der Knollen, welcher oft miteiner oder andern Schuppe besetzt ist, wird, daer weniger wirksam ist, nicht zum Arzneygebrauchgenommen, wozu nur die Fafsern (fibrse seu fibril-Jae Hellebori nigri) benutzt werden. Die Wurzelfa-sern werden im Spätherbst oder gleich nach derBlüthe eingesammelt, vorsichtig getrocknet, sorg-fältig vor der Luft geschützt und müfsen an einemtrocknen Orte aufbewahrt werden, weil sie sonstleicht ihre Kraft verlieren.

Diese Wurzel ist mancher Verwechselung undVerfälschung unterworfen. Besonders geschieht diesmit den Wurzeln folgender Pflanzen:

1) mit den Wurzeln des Frühlingsadonis (ado-nis vernäh» L.), welche sich aber dadurch unter-

scheidet, dafs die Fasern unmittelbar aus dem Wur-zelkopfe kommen, nicht aus einer Zertheilung derSeitenäste. Auch ist der Wurzelkopf kürzer, die Fa-sern sind zahlreicher, fleischiger, die Farbe aus-wendig viel dunkel - schwärzer und inwendig mehrglänzend weifs. Ihr Geschmack ist eckelhaft, süls-licher, dann seifenhaft und scharf bitterlicher; sowie der Geruch, auch getrocknet, weit w idriger ist.

2) mit der Wurzel der grünen Nieswurz (Helle-borus viridis L.) deren Fasern dünner, kürzer, häu-figer, von fahlschwarzer Farbe und sehr ekelhaftenbittern und fast brennend scharfen Geschmack sind,welcher so gleich beym Kauen bemerkt, hingegenbey der ächten Nieswurz erst später empfundenwird. Auch ist ihre Wirkung weit stärker.

3) mit den Wurzeln der stinkenden Nieswurz(Helleborus feetidusL.) wovon die Hauptwurzel dün-ner , nicht so knollig und fast gerade ist, auch vielweniger, kürzere, völlig schwarze, holzig - markigeFasern hat, und einen viel ekelhaftem und schär-fern Geschmack und Geruch besitzt.

4) mit der Wurzel des Christophskrauts (aetaeaspicata) Avelche spindelförmig, gegliedert, auswen-dig schwarz, inwendig buchsbaumgelh ist, und sichnach unten in viele holzige Fasern theilt.

5) mit der Wurzel der europäischen Trollblu-me (Trollius europaeus L.) wovon der weit kürzereKopf viel stärker befasert ist. Frisch besitzt sieeinen ganz andern, getrocknet aber gar keinen Ge-ruch und Geschmack.

G) Mit der Wurzel der grofsen Astrantie (as-tranlia major L.) welche gegliedert und spindelför-mig ist und nach allen Seiten zu drey bis vier Zolllange braunschwarze Aeste treibt. Sie hat einen derContra jerve etwas ähnlichen Geruch und Geschmack^Nur wildwachsend besitzt sie einige Schärfe.

7) mit der Wurzel des blauen Sturmhuts (Aco-nitum napellus L.) Aus einem runden spindelför-migen Kopfe treibt diese sehr giftige Wurzel vieledreyfach zusammengesetzte 3 bis 5 Zoll lange, pfei-fenstiel dicke Fasern, die getrocknet schwärzlichgrau,nicht holzig, sondern spröde und leicht zerbrech-lich sind.

NB. Auch die Wurzeln der weifsen Niefswurz(rad. hellebori albi) die Arnicawurzeln (rad. arnicas)und die Wurzeln der appeninischen Adonis (adonisappenina L.) sollen nach einigen Schriftstellern zu-weilen für die echte schwarze üvieswurz gesammeltAverden.

Abbildungen.

Flor, du dict. d. sc. med. livr. £*' pl. i55.

Plenk icon. pl. med. 446«

Woodv. med. bot. 1. p. 30. t. 18.

Savi. mat. med. p. 43- hg. 55.

Bulliard herb. t. 33.

Curt. bot. mag. t. 8.

Jacq. austr. t. 201.

Ludw. ect. n. i3g.

Kniph. cent. I. n. 4 1 «

B1 a c k w e 11 herb, t, 5o6. 5oj.

K n o r r del. n. 6.

Schmid. icon. p. 26. t. 6.

Weinm. phyt. t. 56g. f. c.

Besler hört, eystett. t. 1. fol. 1.

Erklärung der Platte.Taf. No.

1. Die Pflanze im blühenden Zustande.

2. Die fleischigen Faserwurzeln, die allein ofüci-

nell sind.

3. Eine von den Blumenblättern entblöfste Krone

um Staubgefäfse und Griffel zu zeigen.

4. Ein einzelner Staubfaden.

5. Ein einzelnes röhriges zweylippiges Honigo-efäfs.