Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Die Manna- oder Blüthenesche wächst häufigin Calahrien, Sicilien, Italien und Spanien, Kärn-then und Istrien etc. in Wäldern, und wird gegen20 Fufs und darüber hoch. Bey uns zieht man sie .zur Zierde in Gärten, wo sie aber keine Mannaliefert.

Sie ist unserer Esche ähnlich. Die Zweige sindbläulich-schwarz und gelblich punctirt; die Knos-pen grau bepudert.

Die gegenüberstehenden, ungepaart gefiedertenBlätter bestehen aus sieben bis neun kleinen, ge-genüberstehenden, gestielten, lanzettförmigen, glei-chen, ungleich gesägten Blättchen, welche an denZähnen welbnförm'g erhaben, auf beyden Seitenglatt, oben dunkelgrün, unten von blasserer Farbeund kleiner sind, als bey der gemeinen Esche.Auch giebt es Abänderungen mit elliptisch-e\ för-migen, glatten Blätteben (Rispenesche, Fraxinuspa-niculata genannt) und mit lanzettförmigen, an derMilteirippe etwas haarigen Blä'.tchen.

Die weifsen Blülhen sind wohlriechend und ste-hen an den Spitzen der Zweige, und in den ober-sten Blattwinkeln in ästigen, herabhängenden Rispendicht beysanimen.

Jede Blume hat einen Kelch und eine Blumenkrone.Der Kelch ist klein, einblättrig, aufreebt und vier-zahnig. Die Krone besteht aus vier langen Blumen-Blättern. Die übrigen Blumentbeile stimmen mitdenen der gemeinen Esche überein.

Die Blüthezeit ist Mai und Juni. Die Fort-pflanzung geschieht durch Saamen und Ableger,durch Pfropfen und Okuliren.

Von diesem Baume, so wie auch von der rund-blättrigen und gemeinen Escbe, und noch mehrernandern Bäumen wird in warmem Gegenden die be-kannte, in den Offizinen vorrälhige Manna (Manna)

gewonnen.

Die Manna ist e ; n zuckeiartigcr, diel klebri-ger Saft, der .in der wärmsten Jabreszeit tbeils vonfreyen Stücken, tbeils aus den in die Rinde desStammes oder der gröfsern Aste gemachten Ein-schnitten .hervorquillt, und an der freyen Luft durchdie Sonnenwärme zu einer bröckligen, leichten,weife-gelblichen Masse von honigaitigem Geruchund s'jfslich-schärflichem Geschmack austrocknet.

Sie wird vorzüglich aus Sicilien, Calahrien undandern Gegenden des südlichen Europas zu uns ge-bracht, und man bat davon verschiedene Sorten,als :

1) Die von selbst ausfliefsende Manna (Mannain lacrm's), welche sehr selten und kostbar ist,und fast gar nicht zu uns kommt.

2) Die rohrige oder riemenformige Manna (Man-na canulata). Diese bildet leichte, mürbe, trockne,einen bis sechs Zoll lange, gegen einen Zoll breite,flache, rinnen- oder röhrenförmige, blafsgclbe oderweifeliche, zuweilen etwas ins rötblicbe spielendeStücke, die beym zerbrechen aus verschiedenen La-gen zusammengesetzt erscheinen, öfters inwendigeine fedei ge Kristallisation, seltner eine noch dick-flüssige Manna zeigen, in Wasser sich völlig auflö-sen lassen, auf der Zunge leiebt schmelzen, undvon weniger ekelhaftem Geschmack sind, als diefolgenden Soiten. Diese Manna entsteht von dem,nach gemachten Einschnitten ausfliessenden Safte,den man an kleinen angebundenen Stäben oderStrohhalmen sich verdicken läfst, Sie ist eine der

besten Sorten; kömmt aber selten acht und unver-fälscht zu uns.

3) Die calabrische Manna (Manna calabrina)besteht in aneinanderhängenden, ungestalteten Stuk-ken von verschiedener Grufse. Diese Stücke sindetwas weich, leiebt zerbrechlich und krümelig, ausveifsen, weifs-gelblichen ins rötblicbe spielenden,auch licht-gräulichen Stückchen zusammengesetzt,und gemeinlich mit Holzstücken, Rinden, Sand undandern Unreirri«keiten vermischt. Die calabrischeManna hat einen schwachen, etwas widrig-süfsenGeruch und schleimig- süfsen etwas ekelhatten Ge~si h naek. Ausgelesen liefert sie die zum Arzneyge-brauche beste Sorte, die körnige Manna (Mannaelecta s. in granis.) Das Zurückbleibende gibt dieschlechteste Sorte (Manna crafsa.) Die in sehr we-nigem Wasser bey gelinder Wärme geschmolzene,scbnell durebgeseihete, dann in eine Marsellenformgegofsene, und nach dem Erkalten in kleine Tä-felchen zerschnittene Manna, nennt man gereinig-te Manna (Manna depurata s. tabnlata).

Die Manna ist sehr vielen Verfälschungen un-terworfen. Die gute und ächte unterscheidet sichjedoch von einer verfälschten und schlechtem da-durch, dafs sie in der Kälte in drev i heilen Was-ser und in acht [heilen Weingeist; in der Wärmeaber in gleichen Theilen W r asser und in noch ge-ringerer Menge, als sie selbst wiegt, aufioslicb ist.ISach dem Erkaben scheidet sie sich aus der dick-lichen Auflösung in unförmliche Klumpen ab, wel-che inwendig oft krvstallisirt sind. Sie ist fernerleicht zerbrecht ch, in dünnen Stücken durchschei-nend und nicht klebrig. Ueber Kohlenfeuer schmeltdie ächte Manna mit einem dem gebrannten Zuckerähnlichen Geruch; im Wasserbade aber wie Wachs,Ganz trockne Stücke lafsen sich am Lichte unterschwachem Gerüche anzünden. Sie mufs an einemtrocknen warmen Orte aufbewahrt werden, weil siean einem feuchten, wo nicht zeriiielst, doch leichtunscheinbar wird.

Statt der Röhrenmanna erhält man oft ein künst-liches Gemisch aus schlechter Manna, Thomaszuk-ker, Stärkemehl, Scaüimonium und Glaubersalz oderaus Cassonadenzucker, Honig oder Syrup und Mehl.Auch die Lerchenbaum-Manna (Manna laricina),welche wenig Kräfte, einen terpenthinartigen Ge-ruch besitzt, und oft nichts anders als ein Gemischvon drastischen und schädlichen Substanzen mit Zuk-ker und Honig se\n soll, ist zum Arzneygebraucheganz verwerfflich.

Der in den Offizinen vorräthige Mannasyrup(Syrupry} Manna) wird aus einem Aufgufse vonSennesblatter, Fencbelsaamen und Wasser mit Zuk-ker und Manna bereitet, hat eine braune Farbe undeinen süssen, etwas fenchelartigen Geschmack.

Abbildungen.

Hort. Angl. tah. o,.

Sibthorp fl. griec. t. IV.

Miller illustr. icon. regn. bot. t. 4*8.

Erklärung der Platte:

Taf. No.

1. Ein blühender Zweig.

2. Eine Zwitter-Blüthe.

3. Ein Staubbeutel vergröfsert.

4- Der weibliche Theil der Blume vergröfsert.