Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Nor w.

Fingerhat.

R u s s.

Naperstok.

Poln.

Palusz niczek.

B ö h m.

Näprstek.

Der purpurrothe Fingerhut wächst in meh-rern Gegenden Deutschlands, in der Schweiz, über-haupt im südlichen Europa. Man findet ihn häufigan steinigen, sandigen, bergigen und waldigen Ge-genden, an Wegen, an den Rändern der Wälderund an Feldern. Er ist zweyjährig und wird seinerschönen Blumen wegen zur Zierde auch in Gärtengezogen.

Die Wurzel ist zaserig und treibt einen auf-rechten einfachen zwey bis drey Fufs hohen, dicken,runden und rauhen Stengel.

Die Blätter, besonders die untern, sind ziem-lich grofs, gestielt, abwechselnd, eyförmig oder lan-zettförmig, spitzig, am Rande etwas ungleich säge-förmig gekerbt, wellenförmig, oben dunkelgrün undrunzlich, unten bläfser, etwas rauh und feinhaarig,an den Stielen herablaufend und die obern fast auf-sitzend.

Die grofsen schönen purpurrothen zuweilenauch weifsen abwechselnden, inwendig etwas haa-rigen und bundfleckigen, zolllangen Blumen bil-den, an ihren kurzen Stielen einzeln abwärts hän-gend und fast alle nach einer Seite hingerichtet,eine aufrechte einen Fufs und drüber lange Blumen-ähre am Ende des Stengels. Die Stiele sind etwashaarig und an ihrer Basis mit einem kleinen Blattein Gestalt eines Nebenblättchens, versehen.

Der einblättrige, bleibende Kelch ist in fünfeyförmig, zugespitzte, oben schmälere Einschnittegetheilt. Die Blumenkrone ist einbläi'ng undglokenförmig; die Röhre derselben grofs, ollen undhinterwärts bauchig, unten walzenförmig und enger.Die Lappen der kleinen und vierspaltigen Mündungsind unregelmäfsig und stumpf; die obern offener,meist eingeschnitten, die untern gröfser. Die vierStaubfäden, wovon zwey länger und zwey kür-zer, sind pfriemenförmig, niedergebogen, im Grundeder Röhre befestigt, und tragen dicke, zweitheilige,zugespitzte Staubbeutel. Der Fruchtknotensitzt oben, ist zugespitzt; der Griffel einfach, län-ger als die Staubfäden; die Narbe spitzig.

Die Frucht besteht in einer eyförmigen, spit-ziger!, zweyfächerigen, zweyklappigen, vom Kelche

umgebenen Kapsel mit gedoppelter Scheidewand, undenthält viele kleine, etwas winkelige Saamen.

Diese Pflanze, welche zu den scharfen Gift-pflanzen Deutschlands gezählt wird, blüht im Junibis August, und die Saamen reifen im August bisSeptember. Sie vermehrt sich leicht durch den aus-fallenden Saamen. Die in Gärten und in fettemBoden gezogene Pflanze verliert viel von ihrer Wirk-samkeit , und zum Arzneygebrauche sollte nur diean ihrem natürlichen Standorte wildwachsende ge-nommen werden.

Die Blätter (Fingerhutkraut, herba digitalis)(ehedem auch die Blüthen sind offizineil. Mansammelt sie bey trockner Witterung entweder voider Blüthe od<jr gleich beym Anfange derselben,Sie besitzen einen unangenehmen, ekelhaften, scharfbitterlichen Geschmack, und gequetscht einen eigenen,widrigen Geruch, der sich aber beym Trocknenverliert.

Zuweilen sollen sie mit den Blättern des Woll-krauts (Verbascum Thapsus L) welche aber dik-ker, auf bey den Seiten wollig, viel weicher anzu-fühlen und weifslich oder graugrün sind; so wieauch mit den scharf anzufühlenden, am Rande un-gekerbten, mit kleinen Borsten besetzten Blätterndes BeinAvells (Symphytum officinale L) verwech-selt werden.

Abbildungen:

Flor. d. dict. d. scienc. med. livr. 4°« ph ^t.

Flor. dan. t. 74.

Bulliard herb. t. 21.

Blackwell herb. t. 16.

Kniphoff cent. 3. n. 3~.

Knorr del. 1. t. F. 10. et D. alba 9.

Dodon. Pempt. 168.

Rivin, t. 104.

Erklärung der Platte.

Taf. No.

1. Der blühende Stengel.

2. Der Umrifs eines Wurzelblattes.

3. Eine aufgespaltene Blumenkrone mit den Staub-

fäden,

4. Der Kelch mit Pistil und Fruchtknoten.

5. Die Saamenkapsel.