Atheniensern einen Bestandtheii jenes Giittranks lie-ferte, dessen sie sich bedienten, um die Tom Areo-pagus zum Tode Terurtheilten hinrichten zu lassen.
Es ist eine zweijährige Pflanze, wächst allent-halben in Deutschland und in andern Ländern Eu-ropas und findet sich an ungebauten, trocknen, ödenStellen, auf Schutthaufen, an verfallenen, alten Mauern,um Dörfer, an Wegen, Gräben, Dämmen, Zäunen,und an Bächen, auf Feldern, Wiesen und im Gar-tenlande.
Die Wurzel gleicht in etwas der Petersilienwur-zel, ist weifs, spindelförmig, fast gar nicht ästig,obengewöhnlich von der Dicke eines Daumens, acht biszehn Zoll lang, läuft unten in ein paar Abtbeilun-gen aus und ist mit einigen Seitenfasern be-setzt. Sie enthält, wenn sie jung ist, einen milch-weifsen Saft und hat Anfangs einen süfslichen ,nachher aber scharf werdenden Geschmack.
Die runden, ästigen, drev bis vier Fufs hohenStengel sind hohl, glatt, nicht behaart, schwach ge-streift, von hellgrüner Farbe und überall, besondersan ihrem untern Theile mit rothen und rothbrau-nen oder purpurfarbigen, schwärzlichen Flecken be-zeichnet, so wie auch die glatten, dicken, rinnenför-migen Blattstiele.
Die Blätter sind grofs, lang, abwechselnd, et-was weich, zwey drey bis vierfach gefiedert und mitetwas dicken am Grunde umfassende Scheiden bil-nenden Stielen versehen. Die Blättchen sind klein,fiederförmig, lanzettförmig, eingeschnitten-gezahnt,glatt, spitzig, oben dunkelgrün, etwas glänzend, undunten blafsgrün, mit hervorstehenden Mittelrippen.Die Wurzelblätter sind drey bis vierfach gefiedert,sehr vielfach zusammengesetzt, und gröfser als dieStengelblätter. Beyde stehen abwechselnd, und lau-fen nach der Spitze zu in ein einzelnes zugespitztesBlättchen aus. Die obersten Blätter stehen gewöhn-lich gegenüber, sind zweifach gefiedert und nicht sel-ten hängend.
Die Blumendolden kommen zahlreich obenan den Spitzen der Zweige und aus den Winkeln derBlätter hervor. Die allgemeinen sowohl als die klei-nern Dolden sind vielstrahlig, etwas flach und ha-ben eine mehrblättrige Hülle; (aus fünf oder drevzurückgeschlagenen kurzen, ungleichen Blättchen be-stehend.)
Die einzelnen Blüthen sind weifs und bestehenaus einer kurzen kaum merklichen Blumendecke;fünf ungleichen, eingebogen-herzförmigen B1 u m e n—blättern; fünf Staubfäden, mit rundlichenStaubbeuteln und zwey kurzen, zurückgeboge-nen Griffeln mit stumpfen Narben.
Die kurze, fast kugelförmige, fünfstreifige Fruchtbesteht aus zwey auf einer Seite flachen, auf derandern halb runden erhabenen, der Längenach ge-streiften und in die Quere gekerbten Saamen.
Der Schierling blüht im .'lonat Junius bis Au-gust und die Saamen reifen im August und Septem-ber. Er kann in Gärten gezogen werden; vermehrtsich durch Ausfallen des Saamens sehr stark; ver-liert aber durch Kultur viel von seiner Wirksamkeit.
Das Kraut, herba conii maculati seu cicutae ma-culatne, seu majoris, seu terrestris, seu vulgaris (ehe-dem auch der Saame) ist offizinell.
Die Blätter werden jährlich, frisch, am besten zurBlüthezeit, ehe die Saamen sich entwickeln und ohnedie unwirksamen Stenge], wo möglich nur von wildwachsenden Pflanzen eingesammelt. Gequetscht oderzerrieben geben sie einen eigenthümlichen, beson-ders widrigen, dem Katzenurin oder den spanischenFliegen ähnlichen Geruch von sich. Der Geschmackist süfslich, etwas scharf und ekelhaft. Zuweilenfindet man auch einzelne völlig ächte Pflanzen,wel-chen der bemerkte eigenthümliche Geruch mangelt,und die daher mit Recht als unwirksam zum ArzneyGebrauch verworfen werden müssen.
Das in den Olfizinen vorräthige Fleckenschier-lingextract (eingedickter Saft) ist von dunkel grün-lich-brauner Farbe, die sich besonders in dessenLösungen zu erkennen gibt. Es hat einen widrig dum-pfigen, betäubenden Schierlingsgeruch und ekel-haften Geschmack. Es mufs nicht schimmlich scynUnd jährlich frisch bereitet werden. Das bey zu ho-
hem Hitzgrade eingedickte Extract verliert zum Tbeaoder ganz seinen eigenthümlichen Geruch, riechtauch wohl brenzlich und ist unkräftig; Eben so istauch das durch Auskochen aus dem getrocknetenKraute bereitete Extract unwirksamer als der einge-dickte Saft, unterscheidet sich durch seine dunkel-braune, nicht grünlich-braune Farbe, gibt im Wafsereine mehr klare Lösung und hat nur einen schwa-chen Geruch. Die Blätter des Fleckenschierlings wer-den öfters mit den Blättern folgender Pflanzen ver-wechselt .
Mit den Blättern des knolligen Kälberkropfs,"(Chaerophyllum bulbosum.) Diese sind sattgrün,glänzend, glatt, dreyfach gefiedert, an den Rippenrauh. Die Fiederchen sind auch fein zertheilt. DirSpitzen und Einschnitte derselben knorpelartig. DieBlattstiele sind rauh und entspringen aus langen ge-streiften und mit einem häutigen Rande versehenenScheiden. Der Stengel ist zwar auch roth gefleckt;aber er ist gegliedert, an den Knoten zwischen denGliedern aufgeschwollen und an den drey unterstenGliedern ganz rauh und borstijj. Die Wurzel istbirnförmig, kurz und dick. Die Saamen sind nachoben zu dünner, länglicht, glatt und gestreift.
Mit den Blättern des wilden Kerbels, (Chaero-phyllum sylvestre L) welche grofs, schwarz-odergraugrün, oft gefleckt, dreyfach gefiedert und mitlanzettförmigen, scharf zugespitzten in Querstückezertheilten Blättchen, gestreiften Blattscheiden undhaarigen Stielen versehen sind. Der Stengel ist ge-furcht, ungefleckt, unten etwas scharf anzufühlen obenglatt. Die Wurzel ist dick, lang, weifs und gewürz-haft scharf. Die Saamen sind schwarz-glänzend, glattund lanzettförmig.
Mit den Blättern der Gleifse oder Hundspeter-silie, (aethusa Cynapium L.) Sie sind glatt, schwarz-grün, auf der untern Fläche stark glänzend, dreymalgefiedert, mit eingeschnittenen, strich förmigen Blätt-chen. Die Wurzel ist spindelförmig; der Stengel ästig,rund, glatt, gestreift, zuweilen wie angehaucht vio-lettfarbig. Die Blattstiele kommen aus gestreiften amRande häutigen, an der Spitze zweyfach gezahntenScheiden hervor. Die allgemeine Blumendolde hatkeine Hülle. Die der kleinern Dolden besteht ausdrey sehr langen schmalen, an einer Seite herab-hängenden Blättchen. Die ganze Pflanze hat, wennsie nicht gequetscht ist, keinen und dann keinenSchierlingsgeruch.
Aufser diesen Pflanzen soll der Schierling nochverwechselt werden mit dem wohlriechenden Kerbel(Scandix odorata L) mit dem Wasserfenchel (Phel-landrium aquaticum L) mit dem berauschenden undrauhen Kerbel, (Chaerophyllum temulentum et hir-sutum L) mit dem peloponesischen Liebstöckel (Li-gusticum peloponense L) mit der röhrigen und sa-frangelben Rebendolde (Oenanthe fistulosa et croca-ta) und mit dem Wasserschierling (Cicuta virosa L,)worüber die beygefügte Abbildung und Beschreibungnachzusehen ist.
Abbildungen:Flor, du Dict. des Scienc. med. liv. 3t«Plenk. Jcon. pl. med. tab. i83,Jacq. Fl. austriac. t. i56.Schukr. bot. Handb. t. 62.Curt. Lond. >. t. 17.Buillard herb. t. 53.Hayn'e getr. Darst. t. 3i.Hoffm. Umbel. 2. I. t. 1,
i3. t. 3. f.2.Moriss. Sect. IX. t. 6.R i v i n. pent. 74.
Blackw. herb. t. 451. et t. 5"3. a. b.Zannichel t. 284-Quer. fl. £♦ t. 40.Lobel. bist. p. 4«2. Je. 732.
Erklärung der Platte.Taf. No.
1. Ein Zweig mit Blüthen und Früchten.
2. Der Umrifs eines Wurzelblattes.
3. Ein einzelnes Blütchen.
4. Dafselbe vergröfsert,
5. Die zwei Saamen im unreifen Zustande.
6. Ein einzelner Saame.
pl. 120.
3. -"p, 210. t. l.B. f.