Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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S c li w e d. Belladonna.

Russ. Beschenaja wischnja.

P o 1 n. Psinki.

Böhm. Nemnica.

Ungar. Nagy-, Bolond fu, Farkas tseresznye.

Das gemeine Tollkraut, eine in wärmerenund gemäßigten Himmelsstrichen gewöhnliche, aus-dauernde Pflanze, wächst häufig in gehirgigen, ho-hen Waldungen, in schattigen Gräben, und an Hecken.Die Wurzel derselben ist dick, lang, knotig,ästig und von röthlicbgelber Farbe.

Der Stengel ist krautartig, aufrecht, rund, et-was haarig, röthlich, zuweilen aber purpurroth,drey bis fünf Fufs hoch und meist dreytheüig; dieÄste hingegen sind zweytheilig.

Die kurzgestielten Blätter stehen ohne beson-dere Ordnung, sind eyförmig, auf beiden Flächenziemlich glatt, weich, am Rande ungezahnt, lang zu-gespitzt, meistentheils gepaart und oft ungleich grofs.Die Blüthen stehen in den Blattwinkeln, sindgestielt, hängend, inwendig von schmutzig purpur-rother Farbe, am Grunde gelb, auswendig grünlichroth und etwas haarig. Sie haben einen einblättri-gen, bleibenden, etwas höckerigen Kelch, mit fünftiefen, spitzigen Einschnitten; eine einblättrige, glo-ckenförmige , regelmäfsige, etwas bauchige B1 u-menkrone mit kurzer Röhre und fünfspaltigemetwas zurückgebogenem Rande; fünf Staubge-fse, welche von einander entfernt sind, und derenTräger sich im Grunde der Krone befestigen, undrundliche Staubbeutel tragen; einen obern, länglichrunden Fruchtknoten mit einem etwas geboge-nem Griffel der sich mit kopflörmiger Narbe endigt.Die Frucht ist eine rundliche, glänzend-schwarze, markige Beere, ungefähr so grofs wieeine gewöhnliche Kirsche, an dem Grunde mit demvergröfserten Kelch umgeben. Sie ist sehr weich,und voll von einem purpurrothen Safte, in zweyFächer getheilt und enthält mehrere nierenförmigeSaamenkörner, welche an einem Saamenlappenfestsitzen.

Diese Pflanze blüht im Junius, Julius und Au-gust und bringt im September und October reifenSaamen, Man findet sie durch ganz Deutschlandund im südlichen Europa, in Italien, der Schweitz,England etc. Auch wird sie in unsern Gärten ge-zogen und durch Saamen und Zertheilen der Wur-zel leicht vermehrt. Alle Theile derselben sind sehrgiftig und belaubend. Früher waren auch die Blü-then und die schwärzlichen, widerlich-süfslich-schmeckenden Beeren im Gebrauch; jetzt sind nurnoch die Wurzel, Belladonnawurzel, und das KrautTollkirschenblätter, Belladonnablätter, (Radix ether-ba belladonna? scu solani lethalis seu furiosi) ofüzinell.Die knotige, einen oder mehrere Zoll dicke,äufserlich schmutzi<j-selbe oft röthlich - braune

Wurzel wird im Frühjahr am besten von zwey-unddreyjährigen und lieber von wildwaebsenden als inGärten gezogenen Pflanzen jährlich frisch eingesammelt;indem sie durch zu langes Aufbewahren ihre Wirk-samkeit verliert. Sie ist innerlich weifslich, getrock-net häufig blasgelb und im frischen Zustande weichund saftig. Sie besitzt einen widrigen, betäubendenGeruch und einen eckelhaft - süfslichen, etwas zu-sammenziehenden Geschmack.

Das Einsammeln der Blätter, welche grofs, ander Wurzel acht bis zehn Zoll lang und halb sobreit, am Stengel verhältnifsmäfsig kleiner, kurz-gestielt, eyrund, lanzettförmig zugespitzt, dünn, saf-tig, ganz räudig, jung etwas wollicht und völligausgewachsen auf der obern Fläche ganz glatt, dun-kelgrün, auf der untern Fläche feinhaarig und blas-sergrün sind, geschieht ebenfalls jährlich und vorder Blüthe. Sie haben zwar einen schwachen, je-doch betäubenden unangenehmen Geruch und einenwenig scharfen zusammenziehenden Geschmack.

Man verwechselt sie sowohl mit den Blätterndes gemeinen Nachtschatten, (Solanum nigrum L.),welche aber nicht so grofs, lang gestielt, eyrund,nicht lanzettförmig zugespitzt, sondern stumpf undam Rande etwas gezahnt sind, als auch mit den Blät-tern des Hyoscyami scopolii. Diese neigen sich hin-gegen aus dem eyrunden ins lanzettförmige, sindnur selten am Rande etwas ausgeschweift, völlig glattund wenig glänzend. Auch ist die ganze Pflanzeunbehaart, statt das die Belladonna überall weich-*haarig ist.

Abbildungen.

Lobel ic. p. aG3.

Wein m a n n n. 235. a.

Zorn ic. pl. t. 212.

Oeder fl. dan. t. j58.

Black well herb. t. 504-

Miller dict. n. i. et. ic. G2.

J a c q u i n austr. 4« *. 3og.

Gärtner 2. p. 240. t. i3i. f. 4»

Kerner 2. Platte 179.

Schkuhrs bot. Handb. t. 45.

Handb. der pb.-rm. bot. bl. XIII. f. 06.

Plenk icon. plant, med. t. ia5.

Fl. du dict. des scienc. med. livr. lO. pl. 61«

Erklärung der Platte.

Taf. No.

1. Ein blühender Zweig.

2. Ein Theil der Wurzel.

3. Ein grofses Blatt.

4. Eine geöffnete Blumenkrone mit den Staubge-

fäfsenj

5. Ein Kelch mit dem Stempel.

G. Eine querdurchsebnittene Beere.

7.

Ein vergröfsertes Saamenkorn,