Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Der aus den dicken, fleischigen Blättern derAloepflanzen (Aloe vulgaris et succotrina) theilsdurch freiwilliges Ausfliefsen, theils aber durch Aus-pressen und Auskochen derselben erhaltene, einge-dickte, harzig-gummige Saft, Aloe, ist offizinell.Es kommen davon im Handel verschiedene Sortenvor, deren Verschiedenheit wohl hauptsächlich vonder Art, wie der Saft aus den Pflanzen erhalten undverdickt wird, abhängt.

1) Die Socotrinaloc (Aloe succotrina) kommtin Kürbisschalen von der Insel Sokotorah an derKüste des glücklichen Arabiens. Sie hat eine rötb-lichgelbbraune Farbe, auf dem Bruch einen be-trächtlichen Glanz und ist an den Kanten durch-scheinend, gepulvert sieht sie goldgelb oder safran-farbig aus. Sie wird in der Wärme biegsam, undin der Kälte ist sie hart und zerbrechlich. Der Ge-schmack derselben ist sehr bitter, etwas gewürz-haft ; der Geruch speeifiseb, etwas balsamisch undeinigermafsen dem der Myrrhe gleichkommend. InAlkohol ist sie vollkommen auflöslich, so wie auchin kochendem Wasser, worin sich aber nach demErkalten das Harz wieder abscheidet. Die besteSorte dieser Aloe ist die helle Aloe (Aloe lucida),welche durchsichtig und gelb, von allen die reinsteund beste Sorte, aber sehr selten ist.

2) Die Leberaloe (Aloe hepatica) erhält mangewöhnlich aus Barbados, auch von dem Vorgebir-ge der guten Hoffnung ebenfalls in Kürbischalen.Sie ist von brauner, leberartiger Farbe, die gegendie Mitte zu schwärzlich wird. Sic ist dunkler als dieSocotrinische Aloe, nicht so glänzend und durchschei-nend, von einer festeren Substanz, einem ekelkaft bit-tern Geschmack und stärkeren, widerlichem Geruch.Sie löfst sich weder in Alkohol noch in Wasser voll-ständig auf. Eine schlechtere Untersorte davonkommt in Fässern eingepackt vor, ist gemeinlich weich

und klebrig und hat einen häfslichen Geruch undGeschmack.

Die Rofsaloe (Aloe caballina) ist die aller-schlechteste Sorte. Sie ist beynahe ganz schwarz,hat einen widrigen, ungleich stärkern Geruch undGeschmack, ist mit erdigen und fremdartigen Thci-len verunreinigt und so wie die, weiche, klebrigeUntersorte der Leberaloe zum Arzneigebrauchdurchaus untauglich.

Eine Verfälschung der Aloe mit Süfsholzsaftoder arabischem Gummi giebt zum Theil der Ge-schmack, die auffallende Durchsichtigkeit, Zähig-keit und helle Auflöslichkeit im Wasser zu erken-nen, so wie diese übrigens durch Vergleichung mitächter Aloe und durch die nicht erfolgende gänz-liche Auflöslichkeit im Alkohol, wie bey der sueo-trinischen, leicht zu entdecken ist.

Auch soll die Aloe nach einigen Schriftstellernmit Geigenharz oder Pech verfälscht werden. Je-doch ist eine solche Verfälschung wohl zu bezwei-feln , da der Unterschied bey einer blofsen Vermen-gung zu auffallend wäre, und ein Zusammenschmel-zen dieser Substanzen mit Aloe nicht statt findenkann,

Abbildungen.

De C a n d. pl. succ. tab. 85.

Blackwell trew. 3. t, 333.

Wein mann pbyt. icon. 44* icon. mala sine flor<\

Commel. hört. Amst, 1. p. 91. t. 48.

Pluckn. alm, ig. t. 24a. fig, 4«

Petiv. Gaz. n. 465. t. 87. fig. 9.

Erklärung der Platte.Taf. No.Der ganze Blüthenstengel.Der obere Blälterschopf der Pflanze.

1.2.3.

Die ganze Pflanze sehr verkleincrl.

V