524 /weiter Teil. B. Die Verfassung- des weltlichen Chorherrnstifts.
Ort der Versammlung war für gewöhnlich der Kapitelssaal
(„stuba capitularis"),') meist, nur als „locus capitularis" bezeichnet, 8 )ausnahmsweise auch die Sakristei der Stiftskirche.'')
Zeit der regelmässigen wöchentlichen Sitzung, welche wohlnicht besonders angesagt zu werden brauchte, war der Freitag. 4 ) 5Ausserordentliche Sitzungen konnten vom Dekan nach Bedarf ein-berufen werden. Besonders wichtige Angelegenheiten (Statuten-änderung) wurden den sog. capitula generalia oder peremptoriavorbehalten, zu denen auch die nicht residierenden Kapitalareneinberufen werden bezw. erscheinen mussten. Waren solche 10Generalkapitel schon in der Zeit Propst Albrechts I. im Gebrauch/')so wurden sie doch erst im 16. Jahrhundert eine regelmässigeEinrichtung") und gleichzeitig auf bestimmte Termine festgelegt. 7 )
Was den Verlauf der Versammlungen betrifft, so wurde ihrBeginn nach einem an die vita communis bezw. Mönchsregel er- 15
15-12, sämtliche von dem Kapitelsschreiber Veit Heininger geschrieben und viel-fach von ihm unterzeichnet (nicht immer chronologisch zusammengestellt).Bd. III: „Cappittelbuch darinnen Acta Capituli beschriben" reicht vom 12. Januar1543 bis 31. Dezember 1554, Bd. IV vom 4. Januar 1555 bis 8. Au-gust 1561. — Über die kapitlischen Kanzleibeamten, Amtmann = Syndikus(1538 September 18 wurde der wenigstens seit 1524 angestellte Michael Grieninger— Gröninger — von neuem zum „Sindico und Ainptmann" angenommen) undSchreiber = Sekretär vgl. ausser der vorigen Anm. auch 8. 229, 9. 260,15. 282,2!OAEIlwangcn S. 476. Warum Magister Andreas Würzburger sich im .1. 1568„primus capituli syndicus" nennt (S. 148, 7), vermag ich vorerst nicht zu sagen.
') S. 143,31. 193,10. 280,25. 282,2. 1486 wird die „superior stubamaior in domo capitulari" erwähnt (8. 166,37). Über die Lage des Kapitels-saals vgl. WVjh. 1908 8. 178; oben S. 275,6.
■') z. B. 8. 94, 22. 275, 6. 282, 9.
") z. B. S. 194, 14.
4 ) Oben S. 474" (hier wird auch die Tagesstunde näher bezeichnet) und 188.
6 ) Die Verleihung der Kanonikatc nach einem Monatsturnus wurde 1475bezw. 1485 beschlossen „in capitulo peremptorio ad hoc legitime eongregato"(S. 142,2); vgl. auch S. 168, 18 (J. 1497). 170, 15-20 (Artikel von 1502). 193, 11(Statuta Alberti). Bereits die Einführung der Verweser am 15. Juni (Patroziniunider Stiftskirche!) 1466 lässt auf ein capitulum peremptorium schliesscn. EinBeispiel für die Berufung der abwesenden Kapitularen s. S. 139,10 ff.
") Stat, Hcnr. cap. 16 (S. 207; auch S. 202,20); vgl. oben S. 488.
7 ) Um 1630 (8. 239, Kap. 72) und im 18. Jahrh. (Nr. XXIX, 8. 244 ff.)waren zwei jährliche Generalkapitel in Übung, nämlich 1. am (um den) 2. Sonn-tag nach Ostern (Misericordia Domini; 1538 April 12 = Freitag vor Miseric.Dom. wurde die vierte Verweserei errichtet, oben S. 216 f.; doch scheint es siehum kein capitulum peremptorium zu handeln), 2. an (um) St. Bartholomäus(24. August). Vgl. S. 236,33,35 (J. 1627). 241,15 (J. 1641).