348 Erster Teil. IV. Kap. Umwandlung des Klosters Ellwangcn.
meldet das bedeutsame Ereignis mit dem lapidaren Satz: „Hocanno [14G0] quarta feria post dominieam Judica ecclesia Elvacensissancti Viti, tunc temporis existens snl) regula sancti Benedicti,mutata et erceta est in eeclesiam collcfriatani statns saecularis obdivini cultus augmentum per reverendissimum in Christo patrem 5ac dominum dominum Petrum presbiterum cardinalem tit. sanctiVitalis episcopum Augustensem, auctoritate sanctissimi domini nostripape Pii seeundi, anno eiusdcm secnndo." ') Auch die AugsburgerChronik des ffector Mülieh hat das Ereignis aufgezeichnet; 2 ) dienicht uninteressanten Worte Miilichs lauten: „Item der bapst hat loerlaupt und dispensiert mit dem closter zu Ellwangen in demRiess, das ist ain closter gewesen sant Benedicten ordens und irabt was Jiiner von Hirnheim, den hab ich seil» sehen zti abt weihenund in ainer swartzen kntten gaun; der ist nun ain brobst unddie münch sind chorherrn, also ist das closter nun ain hrohstei und 15ain halber thfimb, 8 ) und sind nun laienpriester, 4 ) die vor münch
Peter erklärt, er wolle am folgenden Tag ein Amt (missa votiva) de SanctoSpiritu zelebrieren lassen „mit andern solempniteten, als zu solichem gehört,"und darauf den Mönchen die Kutten abnehmen und sie (durch Anziehen desChorroeks) zu weltlichen Chorherrn machen. Dasselbe folgt aus einer Anekdote,die Tritliemius über die Umwandlung des Klosters Neuweiler erzählt (Annal.Hirs. II, 559 s.): „Cum ex permissione apostolica in praesentia episcopi Argen-tinrnsis commissarius hnbitiim sanetae religionis auferret a monachis memoraticoenobii, cappam monachalem abbati primo detraxit, super mensam reponenarocketum, quod superpelliceum nuneupant, ut eanonicus fieret, cum induit" etc.Das Pontificale Romanum enthält jedoch kein Formular derart, und auch durchangestellte Erkundigungen war kein näherer Aufscliluss darüber zu erbalten.
') Chronic. Elvac. ed. Giefe] p. 51.
») Miilichs Chronik S. 165, 5—11.
3 ) „Halber Dom" (Domstift) Kollogiatstift (ecclesia collegiata) imUnterschied von der bischöflichen Domkirche; so schreibt, Ladislaus Sunthcimum 1500 von Stuttgart: „Da ist die Pharrkirchen ain halber Tumb unndBrohstey" (Wiirtt. Vjh. 1584 S. 128; vgl. ebd. S. 127), und der Verfasser der„Reformation des Kaisers Sigismund" (hsg. von II. Werner S. 46, 13f.) verlangt:„Es sollent :ill thhmherren, es sey in den ganzen tömen oder halben,sich nit erstrüwen in die statt". „Halbes Stift," „Halbstift" findet sich baldin derselben Bedeutung (so auch in der deutschen Übersetzung der EllwangerStatuten; oben S. 91, 15), bald als Bezeichnung für Pfarrkirchen, an denenmehrere Geistliche amtierten und das Chorgebet nach dem Vorbild der Kollegiat-stifte gemeinsam verrichteten; vgl. Fr. Kalk, Die pfarramtlichen Aufzeich-nungen des Florentius Diel zu St. Christoph in Mainz (li)04 = Erläuterungenund Ergänzungen zu Janssens Gesch. des deutschen Volkes IV, 3) 8.8*, wojedoch diese doppelte Bedeutung nicht unterschieden wird.
l ) „Laienpriester, = Weltpriester, Weltgeistliche. Inder eben genannten