344 Erster Teil. IV. Kap. Umwandlung des Klosters Ellwangcn.
IV. Kapitel.
Vollzug der Umwandlung durch den Bischof von Augsburg als
päpstlichen Kommissär.
Die päpstliche, Bulle vom 14. Januar 14G0, welche über dasGeschick des Klosters Ellwangen entschied, dürfte gegen Ende des 5Monats in Ellwangen und in Dillingen, wo Kardinal Peter vonSchaumberg residierte, eingetroffen sein. 1 ) Dem letzteren hatte derPapst die weitere Erledigung der Angelegenheit an seiner Statt mitunbeschränkter Vollmacht übertragen und es ihm aufs Gewissengelegt, zunächst eine genaue Untersuchung darüber anzustellen, ob 10die Schilderung der Verhältnisse, wie sie von Ellwangen aus derKurie vorgelegt worden und für deren Entscheidung massgebendgewesen war, den Tatsachen entspreche, und nach dem Ergebnisdieser Untersuchung das Weitere anzuordnen. Der Kardinal scheintnicht persönlich nach Ellwangen gekommen zu sein; vielmehr 15wurden die Unterhandlungen, soviel wir sehen, von Anfang an biszu ihrem Abschluss in Dillingen geführt. 2 )
Die inneren Zustände des Klosters, der gänzliche Verfall derklösterlichen Zucht und das Widerstreben des Abts und Konventsgegen die Einführung der Observanz, waren ohne Zweifel dem 20Kardinal seit langem genau bekannt. Die Untersuchung, die ihmoblag, hatte sich deshalb vor allem auf die Vermögenslage desKlosters zu erstrecken, die naturgemäss für die Einrichtung desneuen Stifts in wesentlichen Punkten von entscheidender Bedeutungsein musste. Hier ergab sich sofort eine nicht geringe Schwierig- 25keit. Wie in den meisten Benediktinerklöstern, so war auch inEllwangen schon längst die Gütertrennung zwischen Abt und Kon-vent durchgeführt worden. 11 ) Während es jedoch sonst anerkannteRegel war, dass ein Drittel der Einnahmen dem Abt, zwei Drittel
l ) Sicher besass man die Bulle in Ellwangen am 4. Februar (oben S. 16).Sie ging auch dem Kardinal Peter, dessen Adresse sie trägt, direkt zu, wieer selbst aowie Abt und Konvent von Ellwangen ausdrücklich bezeugen (obenS. 286, 24 und 846»).
'■') Von der Korrespondenz, die aus Anlaaa dieser Unterhandlungenzwischen Ellwangen und Dillingen geführt wurde, liegen wenigstens einigewertvolle Bruchstücke vor, die wegen des EinMicks, den aie in die Unterhand-lungen gewähren, vollständig abgedruckt wurden (Nr. VI S. 24 — 32). Dazukommt die geheime Abmachung zwischen Abt, und Konvent (Nr. V S. 21 ff.).
a ) Vgl. oben S. 300.