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Lfg. 9 (1825) Der preußische Staat ; Abth. 1
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nierschen Dinncnwasserr Zingst, ä) Im Rheine r Ober-werth, oberhalb Koblenz; Niederwerth, unterhalb Koblenz ;Nonnenwerth, oberhalb Königswinter; Grafenwerth,nahe bei voriger.

Volksstämme und Sprache.

i) Deutsche, fast A der gesammten Bevölkerung in allenProvinzen, Posen und Westpreußen ausgenommen, einheimisch;2) Slaven, in den polnischen Provinzen Posen und Wcstprcußen.Die Sprache der erstem ist thcils die Nieder- oder Plattdeutsche,thcils die Hochdeutsche mit verschiedenen Idiomen. Die in derProvinz Nicderrhcin wohnenden Wallonen sprechen im gemeinenLeben das sogenannte Französisch-Deutsche Patois. Die Spracheder andern ist theils Polnisch, theils ein Gemisch von Polnischund Deutsch.

Haupkzwcige der Industrie.

i) Pferdezucht. Hier zeichnet sich besonders der Regie-rungsbezirk Gumbinnen aus, der die sogenannten Linhauer Pferdeliefert. Königliche Gestüte befinden sich zu Trakchnen (ohusirci-tig das wichtigste), Marienwerdcr, Neustadt an der Dvsse, Leu-bus, Torgau, Annaburg, Merseburg, Wendelstein und KlosterVeßra. 2) Esel- und Mauleselzucht, letztere jedoch nurin den Harzgegenden. 3) N in d v i c h z ucht, sehr ausgcbreitetund mit großer Aufmerksamkeit betrieben. Das meiste Rindviehhalten verhaltnkßmaßig die Rheinprovinzen, Westphalen undSchlesien, das wenigste Westpreußen und Posen. 4) Schaasszucht, eines der bedeutendsten Zweige der Preußischen Viehswirthschaft. Die vorzüglichste Wolle liefern die Provinzen Sach-sen und Schlesien; am meisten zurück ist die Schaafzucht in Ost-preußen. Die Provinzen Nicdcrrhein, Westphalen und Klcvebergliefern vorzüglich gutes Schlachtvieh. In einige» GegendenBrandenburgs und Westfalens findet man noch Heidschnucken. 5)Schweinezucht, macht in manchen Gegenden, besonders inWestphalen und auszeichnend im Kreise Büren, dann in Pom-mern und im Schlesisch-Iauerschen Kreise, einen wichtigen Ge-genstand aus. Auch in Ostpreußen hat sich die Schweinezuchtdurch Einführung Friesischer Eber sehr gehoben. In der Pro-vinz Sachsen zeichnet sich die Stadt Nordhauscn wegen ihrerbedeutenden Schweinezucht aus. In Posen hat Unruhstadt be-rühmte Schweinemarkte. In Niederrhein und Ostpreußen findetman verhältnißmaßig die meisten und in Schlesien die wenigstenSchweine. 4 ) Ziegenzucht, ist im Westtheile der Monarchieansehnlicher als im Ostthcile, nirgends aber auszei'chnend. 7)Fedcrviehzucht, im Allgemeinen ausreichend. PommernsGänsezucht ist berühmt, die Wcichselgegenden liefern viel Trut-hühner. 8) Jagd auf Wildpret, als Edel - und Damhirsche,Rehe, wilde Schweine, Hasen; als auch auf Raub-und Pelzwild,zuweilen auf Bare in Ostpreußen, Wölfe in Ost- und Westpreurßen, Posen und Niederrhein, Luchse, Füchse, Dachse, Marder,

Iltisse, Wiesel, Hamster, Fischottern, Seehunde an den Küstender Ostsee. 9) Fischerei auf Aale, Barsche, Bleien, Bras-sen, Dorsche, Forellen, Karpfen, Karauschen, Lampreten, Lachse,Lachsforellen, Muränen, Markrelen, Ncuenaugen, Schleien,Steinbutten, Störe, Welse, Zander. Die Ostseekastenbe-wohner, so wie die der Inseln Usedom und Wollin treiben die Fi-scherei sehr lebhaft. Auch die Fischerei auf Häringe ist zuweilenvon Bedeutung. Die Störe werden in der Elbe, Oder und imRheine, Lachse in mehreren andern Flüssen gefangen. Die berühm-testen Aale sind die Pritter; die vorzüglichsten Muränen kommenaus dem Maduesee; der große Teich bei Torgau liefert die bestenKarpfen, r o) Bienenzucht, besonders in der Lausitz und inden Halden von Ost - und Westpreußen, so wie in einem Theile Po-senü sehr lebhaft. Zu Oppeln und Hoyerswerda giebt es Bienen-vätcrgescllschaften. Schildkröten, Seivenwürmer, Kanthariden,Perlenmuscheln, Blutegel sind nur in einigen Gegenden Erwerbs-und Handelkgegensiande. n) Acker» Feld» Wiese- undGartenbau, eine Haupkquelle des Einkommens fast in allen Pro-vinzen. Den geregeltsten Ackerbau findet man in den ProvinzenSachsen, Schlesien und einem Theile von Brandenburg, und wennauch schon alle Provinzen ihren Bedarf erzeugen, so bringen dochnur Sachsen, Posen und dir Ostseeprevinzen Ectraidc in Handel.Große landwirihschaftliche Güter findet mau in bedeutender Anzahlin den Provinzen Wcstprcußen, Schlesien, Pommern und Sachsen;die wenigsten trifft man in Niederrhein und Westphalen an. Diemeisten kleinen Güter siehct man i» Ost- und Westpreußen und Po-sen. Ockonomische Gesellschaften befinden sich zu Königsberg,Potsdam, Cöslin und Hamm. Oekvnvmische Lehranstalten sindzu Mögelin, in der Provinz Brandenburg und Poppelsdorf betBonn. Vorherrschend ist beim Ackerbau die Dreifelderwinhschaft,und die gebräuchlichsten Geiraidearten sind, besonders in Ost- undWestpreußen, Posen, Pommern, Schlesien und Brandenburg:Roggen, Hafer, Gerste und Walzen. In der Provinz Sachsensind fast alle Getraidearten einheimisch. Die wahre Kornkammersind: die Magdeburger Börde, die gvldnc Aue bei Nordhausen,die Altmärker Wische und die Elbaue, unterhalb Wittenberg. DieRheingegenden ziehen mehr Spalz als Walzen. Manche Gegenden,namentlich die ehemalige Niederlausitz, erzeugen viel Buch wal-zen (Hai'dckorn), auch Mais und Manna (Schwaden) wird je-doch nur strichweise gcbauet. Die oft alle Getraidearten ersetzendeKartoffel ist in allen Provinzen der Monarchie einheimisch. H ül-sen fruchte, als Bohnen, Linsen, Wicken, besonders aber Erb-sen sind vorzüglich in Schlesien, Brandenburg, Sachsen und denRheinprovinzen zu Hause. Was den Futterkräuterbau anbclangt,so liebt man besonders den rochen Klee, die Luzerne, Esparsetteund Rübe. An Oelgewächsen wird Rübsaamen undRaps stark und nebenbei Hanf- und Leinsa amen, Lein-dotter, M 0 hn s und O el ret tig sa am en gezogen. Wasdie Küchen- und Gartengewächse anbelangt, so zeichnensich in Brandenburgs Sandebencn die Orte: Französisch Buchhvlz

bei Berlin, Teltow, Lübbenau, Läbben und Sprembera ans.In Schlesien ist der Garten- und Gemüsebau noch ausgebreitetcr,besonders verdienen die Umgegenden von Liegnitz und Breslau hicr-innen Aufmerksamkeit. Was die Provinz Sachsen anbelangt, soist der Gemüsebau besonders in der Erfurter-, Zörbigcr-, Zeitzer-,Magdeburger - und Nordhäuserpflege zu Hause. In den Rheinpro-vinzea wird vorzüglich um die Städte Cöln und Düsseldorf, so wieum Krefeld und Aachen Gemüse aller Art, besonders aber Blu.men-und Kopfkohl erzeugt. In Pommern zeichnen sich für erwähnten, Gegenstand und besonders wegen des starken Rübenbaues, die Dör-fer Warsow und Uchdorf, in Ostpreußen die Tilsiter Niederung, inWestpreußen die Gegend um Elbingen, und was Pose» anbelangt,der Kreis Bomst und die Stadt Schneidemühl aus. Der La-da cks bau, obschon in manchen Gegenden von Brandenburg,Pommern, Schlesien und Sachsen angebaut, hat doch nicmalcnsich zu einer besondern Höh« erhoben. Eich orte wird beson-ders um Magdeburg und im Schlesischen Kreise Ohlau culkivirek.Hopfenbau wird im Kreise Sardelcgen, in der Pelziger-, Grä-senhaynicher-, Eiienburger Gegend, im Kreise Dittbmg in Nic-derrhein und im Poscnschcn Kreise Bomst gezogen. Gewürz-und Medicinalkräuter, insbesondre Anis, Fenchel, Senf,Koriander, Kümmel, Wcrmuth, Isländisches Moos und Kamillenziehen vorzüglich im Regierungsbezirke Magdeburg die Gegenden umErfurt, Schwanebeck, Westerhausen, Halle, Zeitz, Merseburg,der Kreis Bitterfeld, der Kreis Weißenfels, der Briloner Kreisder Provinz Westphalen und das Riesengebirge in Schlesien (wegendes Isländischen Mooses). Der Obstbau ist ein allgemeinverbreiteter Gegenstand der Garten - und Landwirthschaft. Dieobstreichsten Gegenden sind in der Provinz Sachsen die Kreise Me«seburg, Zeitz, Delitzsch, Erfurt und Weißenfels. Pommern hatden, als Handelsartikel ins Ausland gehenden Stettiner Avfel denNamen gegeben. In Brandenburg zeichnet sich die Stadt Werderwegen ihres Obstbaues aus. Die Rhein - und Moselgcgenden sindbesonders reich an Obst und die ergiebige Aepfelcrnte giebt den be-liebten Cider. Die Danziger- und Marienburgcr-Werder zeigentreffliche Obstanlagen, besonders Zwetschen und Aepfel. 12) Wein-bau, dieser ist nur in dem westlichen Haupttheile des Landes vonWichtigkeit, wo 25,000 Morgen Landes damit bestanden sind. *)Der Wein gedeihet vorzüglich am Rhein, in den Gegenden vonOberdiebach, Mannbach, Bacharach, Steeg, Oberwcscl, St.Goar und Dieblich; dann unterhalb Coblenz bis zum Einflüsse derSieg in den Rhein, wo sich der Horchheimer-, Hönningcr-, Ar-gcndorfer s und der Leywein noch auszeichncn. An der Ahr wächstvorzüglicher rother Wein bei Walperzheim, Bodendorf und Rema-gen. Unter den Moselweinen nimmt der in der Gemarkung vonDusemont wachsende Braunenberger den ersten Rang ein; anderegute Sorten sind der Zcltingcr, der Piespvrter, der Enkirchcr undder Erünhäuser. Der beste Naherwein ist unstreitig der Mon-

*) Malchus qiebt Seite eoz seiner Statistik und Staatenkunde 54,0001 Morgen Weinberge für die gesammte Preußische Monarchie an.