XXXV
Das Fürste
Lage:
zwischen' 26° 23^ bis 27° 7/ östlicher Länge, ünd 47° 55^bis 48° 25/ nördlicher Breite.
" Flächenraum.
20, -,5 Meilen (geographisch.)
Bevölkerung.
35,560 Einwohner (für 1325) inal. 400 Juden.
Bewohnte Orte.
4 Städte, 7 Marktflecken, 30 katholische Kirchspiele,70 Dörfer und Weiler, 8 Schlösser, 7107 Häuser.
Physische Beschaffenheit.
Rauher und steiniger Boden der Schwäbischen Alb, be-sonders was den Theil anbelangt, der die Scheer heißt. —Die Donau durchstreift das Fürstenthum. An kleinerenFlüssen nennt man die Lauch art, die Abloch, dieSmiech, die Ostrach, die insgesammt der Donau zu-strömen; dagegen ergießen sich in den Neckar die Eiach unddie Glatt. — Seen hat das Land nicht, dagegen abermehrere Teiche. — An Gesundbrunnen kennt man denSauerbrunnen zu Jmnau und das Mineralbad zu Glatt.
Landwirt hschaft, Kunst bet rieb, Handel.
Korn wird etwas mehr geärntet als man bedarf, beson-ders ist Spelz sehr beliebt. Die Kartoffel ist auf dem Landedie gewöhnliche Hausfcucht. Der Flachs gedeihet gut.Holz aus den so beträchtlichen Waldungen ist der wich-tigste Artikel der Ausfuhr. — Rindviehzucht ist beträcht-lich und die Milchwirthschaft ergiebig. Schaafe und Zie-gen werden in Menge gehalten; dagegen ist Pferde - undSchweinezucht vernachlässiget. Bienen findet man nur aneinigen Orten, besonders bei Böhringen. — Bergbauwird nur auf Eisen betrieben.
Nach vorherrschender Industrie sucht man vergeblichim Lande, Landbau, Rindviehzucht, etwas Garnspinnerci
L.
nt hum Hohenzollern-Si
und Hausleinwandwirkerei, Fertigung von Holzgeräthschaf-ten, Potaschsiedereien und der Betrieb von zwei Eisen-hochöfen im Laucherthale, mehreren Hämmern und einerGlashütte, dies sind die Nahrungszweige der Einwohner.
Ausfuhrartikel sind: Holz, Korn, Garn, Potasche,Glas und Eisenwaaren.
Abstammung, Sprache, Religion', Unter-richtsanstalten.
Die Einwohner sind mit Ausnahme einiger Judengrößtentheils Deutsche mit Schwäbischer Mundart undbekennen sich zur katholischen Religion, auch in dieser Be-ziehung unter den Bischof (?) von Konstanz stehend. —Schulen von nur einiger Erheblichkeit findet man imLande nicht und ein einziges Mädchen r Erziehungsinstitutbefindet sich in dem aufgehobenen Kloster Habsthal.
S ta atsverfassung.
Souveränestaatsform, die von einem Fürsten aus demHause Hohenzvllern gehandhabt wird. Landstände existi-ren nicht, jedoch sollen diese dem Vernehmen nach, einge-führet werden. Die Erbfolge ist linear nach den Rechtender Erstgeburt. Das Fürstenthum macht einen Bcstandtheildes Deutschen Bundes aus und hat mit Hechingen, Liech-tenstein, beide Reuß und Waldeck gemeinschaftlich die 16.Stelle, im Pleno aber eine eigne Stimme.
Der seitdem 26. Decbr. i 785 regierende Fürst, Anton(Aloys Mainrad, Franz) geb. den 20. Juni 1762 , bekenntsich mit seiner Familie zur katholischen Kirche und hat seineResidenz zu Sigmaringen. — Erbverbrüdcrungen bestehenseit 1575 mit dem Hause Hechingen und feit 1692mit Brandenburg. — Unter der Oberhoheit des Fürstenstehen die beiden Standesherren: der Fürst von Fürsienbergwegen der Herrschaften Trocbtelfingen und Jungnau undeinem Theile von Mößkirch, und der Fürst von Lhurn- undTaxis, wegen der Herrschaften Ostrach und Straßberg. —Der Fürst von Hohenzvllern - Sigmaringen besitzt als Privat-cigenthum in den Niederlanden die Herrschaften Boxmeer,Dixmuiden, Berg, Gendringen, Etten, Bisch, Penner-
m a r i n g e n.
den und Mühlingen, und in Baiern die Klöster Bcüren undHolzheim.
Staatsverwaltung.
Das höchst« Kollegium des Fürstenthums ist die Re-gierung, die zugleich Verwaltungs- und Justizbehörde ist.Appellationen in Justizsachen werden in höherer Instanzvon dem Hessen-Hohenzollerschcn-Eesammtoberappellations-gericht in Darmstadt entschieden. Niedere Gerichte find:die Hofrathskanzlei zu Sigmaringen, welche Böhringenunter sich hat, das Oberamt Haigerloch unter dem Glattstehet, die Magistrate zu Sigmaringen und Böhringenund die Patrimonialgerichte. — In Kriminalfällen wirdvon der Regierung eine besondre Kommission ernannt.Die Finanzen resortiren der Hofkammer und die Forstendem Oberforstamte.
Finanzzustand (für 1325.)
Einkünfte 320,940 Guld., Staatsschulden 1,500,000 G.
Militär.
370 Mann Bundeskontingent, und hält außer einerkleinen Leibwache kein stehendes Militär.
Einkheilung.unmittelbare Länder.
i) das Oberamt Sigmaringen, 2) Böhringen, 3) Hai-gerloch, 4) Amt Glatt.
L. Hoheltslande.
1) die Standesherrschaft des Fürsten von Fürstenberg.5 ? Meile, enthaltend i Stadt, 4 Marktflecken, l8Dörfer und Weiler.
a) das Obervoigkeiamt Trochtelfingen,
Ir) - - Jungnau,
e) - - Möskirch.
2) die Standcsherrschaft des Fürsten von Thurn-undTaxis. HI Meile, enthaltend 4 Dörfer und 2 Höfe.
3) die ritterschaftlichen Güter der Freiherren von Speth,bestehend aus 2 Marktflecken und 2 Weilern.
VI, H,ft„
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