V
Volksstämme und Sprache.
Mit Ausnahme weniger Franzosen im Rheinkreise undohngefähr 48,000 Juden, sind die Bewohner sämmtlichdeutscher Abkunft und zwar nach den vier Stammen:Baiern, Franken, Rheinländer und Schwaben, die sichauch nach der Mundart der Deutschen Sprache auszeich-nend characterisircn.
Hauptzweige der Industrie.
1) Ackerbau, man rechnet überhaupt an 9,828,520Morgen bebauten Landes. Besonders ist der Ackerbauzu Hause im Unterdonaukreis und Rezatkreis. Außerden gewöhnlichen Gekraidefrüchtcn findet man noch an-gebauet: Hülsenfrüchte, hauptsächlich Erbsen, Flachs;Hanf, besonders im Rezat- und Rheinkreise, Rübsaa-men im Isar » Oberdonau - und Rcgenkreise; Wohn-bau kommt besonders im Untermainkreise vor; Ta-bakbau im Rezatkreise; Hopfen im Rezat- und Ober-mainkreise, ausgezeichnet in den Gegenden von Spalt,Hersbruk und Höchstadt; Färberöthe im Rezat, undRheinkreise, jedoch nur Versuchsweise; Anis, Bal-drian, Fenchel, Koriander, Kümmel, Carden wirdum Bamberg und Nürnberg, wo der Feldbau zum Gar-tenbau geworden ist, und Süßholz um Bamberg reich-lich gebauet.
2) Viehzucht. Riudv i eh z u ch t, jedoch vorherrschendeine kleine Ra^e. Am sorgfältigsten wird dieser Gegen-stand kultivirct, im Jtzgrunde im Obermainkrcife, imsogenannten Ochscnfurthcr Gaue im Untcrmainkreiseund im Baicrschen Wald im Unterdonaukreise. DieWiesen und Weiden nehmen in Baiern einen Flächen-raum von 4,188,240 Morgen Landes ein. —Schaafzuchc nur für den Bedarf ausreichend. —Pferdezucht, der Zahl nach sehr bedeutend, derRa« nach weniger empfehlungswerth. Zu Schwaig-Angcr befindet sich ein Armecgestüte. — Ziegenfindet mau in den meisten Baierschen Provinzen. —Schweinezucht wird stark betrieben. — Feder-vieh findet man häufig, besonders in der Gegendvon Nördlingen Gänse. — Bienenzucht am flei-ßigste» im Obcrdonau - und Rezatkreise. — Fische-rei besonders im Jsarkreise und im Rheine aufSalme.
I) Garten - und Obstbau. Der Gemüsebau ist be-sonders um Nürnberg, Bamberg, Regensburg, Schwein-furt, Augsburg, Baireuth, um Kitzingen, Kochsheimi- Heßr.
und Sennfeld zu Hanse. — Das meiste und besteObst findet man im Rezatkreise, den beiden Main-kreiscn und dem Rhcinkrcise.
4) Weinbau, hauptsächlich im Untermainkreise und imRheinkreise; in ersterem zeichnen sich die Aemter Dol-kach, Dettelbach, Kitzingen, Marktsteft, Ochscnfurt,Karlstadt, Homburg und Würzburg aus; in letzteremwächst der ausgezeichnete Forst e - und Deukesheimcr-wein. Die gesammtcn Weinberge des Königreichs be-tragen 545,718 Morgen.
5) Holzkultur. Holz ist nicht allein ausreichend imLande, sondern es giebt auch noch einen Handelsge-gcnstand ins Ausland ab. Im Jsarkreise betragendie Forsten 31 Prozent des gesammten Flächenrau-mes, im Unterdonaukreise über 2 g Prozent, im Rergenkreise 29, im Oberdonaukreise 25, im Rezatkreiseetwas über 22, im Obermainkreise 29, im Untcrmain-kreise 32 , im Rheinkreise über 35 und demnach imDurchschnitte über 29 Prozent des ganzen Flächenraurmes. — Am vorzüglichsten wird die Holzausfuhr in denLandgerichten Wcrdenfcls und Tölz, und am meisten inden Landgerichten Cronach, Lichtenfels, Bamberg undBurgebrach betrieben. — Im Allgemeinen bestehen inder Ebene die Waldungen meistens aus Eichen und Bu-chen und im Gebirge aus Nadelholz. Bedeutend istauch, was man an Nutzholz gewinnet und was diePotasch - Pech - Theer - und Terpcntinbcreitung ein-bringt.
6) Bergbau. Dieser hat vorzüglich Eisen und Salzzum Gegenstände, alle übrige Gewinnung von Minera-lien kommt dagegen in keinen Betracht. Die bedcutcnsteMasse Eisen wird im Regenkreise in der Gegend vonAmberg, im Obermainkreise, im RHeinkrcise und imJsarkreise am Kreffenberge gewonnen. Die ergiebigsteSaline ist die von Reichenhall, deren Soole im Orteselbst und in Trauenfels und Rosenheim versotten wird;dann folgt der Salzstock von Berchtesgaden und dann dieSaline zu Orb.
Kunstfleiß.
Obschon in einigen Gegenden namentlich in und umNürnberg, Fürth, Augsburg, Schwabach und Hof das Fa-brlkweseo im Schwünge ist, so fehlt es, einen Blick auf dasgesammte Königreich geworfen, doch daran. LeinenMa-nufakturen findet man an einigen Orten im ObermainrOber - und Unterdonaukreise; auch wird in diesen Gegenden
viel Garn gesponnen. Die Wollzeugfabrikeu liefernnur grobe Waare, als Landtuch, Flanelle rc. Die Baum-wvllenzeugwebereien haben ihren Hauptsitz in Augs-burg, Bamberg, Schwabach, Fraukcnthck, Hof, Münche-berg, Kaufbeuern und Erlangen. — Bedeutend sind dieGärbereien zu Memmingen, Kulmbach und Hof. —Papiermühlen findet man an vielen Orten, buntePapiere Und Spielkarten kommen vorzüglich von Fürth,Schwabach, Nürnberg und Augsburg. — Für Eiseu-waarenfertigung sind besonders Nürnberg, Fürthund Augsburg die Hauptorte. — Golds und Silber-waaren wie auch Treffen liefern Augsburg, Schwabach,Nürnberg und Fürth. — Messingfabriken sind zuNürnberg und Rosenheim, in letzterem Orte findet man auchviel lionische Drathfabriken. Mathematische- und chi-rurgische Instrumente werden besonders in München undAugsburg gefcrtiget. — Musikalische Instrumenteliefern Nürnberg, Fürth, Mittenwalde, Füssen, Göggin-gen. — Klavierdrath Göggingen und Nürnberg. —Ordinaire Holzwaaren kommen aus dem Obermain-kreise, Berchtesgaden und von den Umgebungen des Fich-telberges. — Schiffe baut man vorzüglich zu Keüheim,Aschaffenburg, Prodselten, Kronach und Knczgau. — Diemeisten Glashütten sind im Unterdonaukreise zu finden.— Porzellan und Steingut kommt von Nymphenburg,Schney, Bruchberg und Frankenthal. — Farben, Blei-weiß und Kupferdruckerschwärze liefert Nürnbergund Augsburg. — Die Bierbrauereien besonders zuRcgensburg, Augsburg, Bamberg und Baircuth, behauptenden Vorzug in ganz Deutschland. Man rechnet dermalen imKönigreiche an 474s gangbare Brauereien; und Zucker-raffincreien sieht man zu Augsburg, Aschaffenburg undLohr.
Handel und Handelsplätze.
Baiern bringt in den auswärtigen Handel Korn, Holz,Salz, Obst, Hopfen, Sämereien, Gemüse, Fluß - undTeichfische, Wein, Bier, Tabaksblättcr, Rindvieh,Nürnbergerwaaren, Metallwaaren, lithographische Steine;und bedarf dagegen Kolonial-Material - und Apothekerwaa-ren, Gewürze, edle Früchte, Seidenwaaren, Quinkaillcrierund Galantecicwaaren, leinene, baumwollene und wolleneStoffe, Farbehölzer, Seefische und fremde Weine.— Diewichtigsten Handelsplätze des Reichs sind: Nürnberg undAugsburg vom ersten Range; und Bamberg, Hof, Fürth»Kaufdeuern, Memminaen, KeMPtcu, Fraukenthal undLindau vom zweiten Range.
e
§