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Zweite Abtheilung. Neun und zwanzigster und letzter Band (1806)
Entstehung
Seite
304
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Veränderlichkeit in ihren Ausschweifungen. Mr. le Düc,nachheriger.erster Minister nach des Herzogs von Orleans To»de, machte besonders den beiden Damen, Frau von Prieund Fra» von Nesle, den Hof, und der Regent allen denen,die ihm einmal gefielen, und blieb nur kurze Zeit einer treu.

Nack dem Tode der Herzogin von Berry feffelre den Regen-ten eine Opernränzerin mn Namen Emilie, die der Mühe w'erthist kennen zu lernen, weil sie wirklich die Acbtnng des Regentenverdiente- Sie war nicht so ausschweifend wie die Eouris, diealles was fie erhielt, einem Pagen des Herzogs von Luxembourgqab, de» sie leidenschaftlich liebte; sie war immer nur einer Nei-gung fähig. Ihre Herrschaft hätte länger dauern könne», wennder Regent nicht so unbeständig gewesen 'wäre. Er machte ihr be-ständig'Geschenke a» Geld, an goldenem Schmück und Edelstei-ne», sie trug an ihrem Arme sei» Porträt mit prächtige» Diaman-ten verziert; aber alles dieß war ihr gleichgültig und Nebensache,denn sie liebte nur die Person des Regenten. Lines Tages wollteihr der Prinz zwei Ohrengehänge schenken, die ihm iZooo Liv. ge-kostet hatten. Emilie wollte bescheiden die Diamanten nicht a»-nehmcn und sagte, sie wären zu kostbar für sie: sie bat ihn, daß erihr 15000 Liv. in Geld gebe» möchte, wofür sie sich ein Haus zuPantin kaufen könnte; da wollte sie wohne», wenn sie nichtmehr das Glück haben würde, von ihm geliebt z» seyn; denn,sagte sie, nachdem sie die Gunst eines so großen Prinzen genoffen,würde nie wieder einer ihr Herz besitze». Der Regent billigte ih-re» Entschluß, versprach ihr treu zu bleibe», umarmte sie zärtlichund schickte ihr 25000 Liv- Banknoten statt der 15000 Liv. Emilienahm davon für loooo und gab das übrige dem Regenten zurück,indem sie sagte, er habe sich ohne Zweifel geirrt. Der Regent ver-sicherte ihrs daß er die Absicht gehabt, ihr die ganze Summe zu^schenken, nöthigte sic, es wieder anzuaehme», und versichertesie seiner ganzen Achtung.

Zum Beweis, daß er wahr redete, dient folgende Anecdote.Eines Tages halte ihm der Abbe Dübois wichtige Depeschen a»SEnaland mitzutheilen, auf die auf der Stelle geantwortet werdenmußte, er kam daher schon früh um 7 Uhr zu ihm, trat an seinBert und fand ihn an Emiliens Seile. Er trat sogleich zurückund erwartete, daß sie aufstche» sollte; aber der Regent rief ihn,fragte ihn, warum er heute so früh komme, und sagte:Emilie istverschwiegen, sie hat einen herrliche» Verstand, vielleicht kann sieuns eine» guten Rath geben." Der Abbe gehorchte und keferirtedem Regenten. Hierauf fragte dieser Emilien, was sie von dem,was sie gehört, dachte. Emilie gab eine so gute Antwort, daß derRegent ihren Rath annahm, indem er sagte:halte ich dir nicktgesagt, daß sie uns eine» guten Rath geben würde? Thu also, wa»sie gesagt hat." Der Abbe ging, unwillig, daß die Geheimnissedes Staats einer Maitrcffe anvcrrrauet wurden, und ihre Entschei-dung galt, indem er nicht bedachte, daß seine Grundsätze und Ver-halte» weit verdächtiger waren, als die der Opcrnsängerin.

Diese Aneedvten sind aus de» Memoire« des Marschalls Ri-chelieu.

Ur-