Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Sechs und zwanzigster Band (1803)
Entstehung
Seite
221
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Brief von dem Marquis von Villars an den HerrnMarquis von Torcy.

den i Juni 1701.

Mein Herr! ich eile Ihnen eine ganz neue Begeben-heit von dem römischen König, der mich so sehr haßt, zurerzählen. Einer seiner Günstlinge har sie mir gestern mitge«rhcilr. Dieser sprach mit ihm über seine Maitresse, undwar kühn genug, sie eine Coguette zu nennen. Zm Augen«blick geräth der beleidigte Liebhaber in Wut, schließt dieThüre ab, zieht den Degen und will seinen Günstling zwin«gen, sich zu vertheidigen, um die verletzte Ehre seiner Gerliebten auf eine edle Ärt zu rächen. Der Günstling bittetum Verzeihung, und sagt: er wolle lieber in aller Welt be-kennen, sie sene die Tugend selbst! Damit war die Geschichtezu Ende. Was denken Sie davon? Sie können hierausden Lharacter dieses Mannes beurtheilen.

Brief von dem Marquis von Villars an denKönig.

Sire!

Unerachrst aller Vorschläge vom Kaiser, der überdießdurch die Bitten zwener Mairrcssen unterstützt werden, imerrachtet aller Kunstgriffe der alten Gräfin von Paar, welchenur hieher gekommen ist, nm den Churfüesten zu bereden,nach Wien zu gehen, wozu sie ihn auch wirklich gebracht ha«ben würde, wenn ihn nicht eine neue Neigung, die ich ihmdeygebracht habe, hier fest hielte, unerachkct alles dessenschmeichle ich mir dennoch, die Sachen dahin zu bringen, woEtv. Majestät sic wünschen.

Ich muß Ew. Majestät auch noch von der gegenwärkirgen Liebschaft dco Chursürsten Nachricht geben. Seit zwei-Monaten hat ec steh an eine Hofdame, Fräulein von Zmzsnrdorf, attachirt, die ihn sehr lebhaft beschäftigt. Alle Festewerden ihretwegen gegeben. Er denkt an nichts weiter, alswie er ihr gefallen könne. Die Sch-vierigkeircn, welche erbcy diesem Fräulein findet, die sich ziemlich anständig be-trägt, ftmen ihn noch mehr an, und ich sehe aus allem disr

sein