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Zweyte Abtheilung, Zwanzigster Band (1800)
Entstehung
Seite
XVI
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XVI Zur Lebensgeschichte des Kardinals von Rch.

Er war, sagt Voltaire, der erste Bischofs vonFrankreich, der ohne Religion zum Vorwand zu nehmen,das Reich in einen Bürgerkrieg verwickelte. Aus demSchoos der Ausschweifung trat er vor dem Volk auf diegeistliche Rednerbühne und erhob sich zu dessen Abgott.Seine Memoiren sind mit einem eigenthümlichen Anstrichvon Größe und mit einem genialischen Ungestüm, aberauch mit einer Ungleichheit geschrieben, welche der Cha»rakter seines Lebens war." Noch als Jüngling hat»te Retz dieVerfchwörungdes Fiesko entworfen,sowie er im azstenJahr seines Alters die Seele einesComplots gegen Richelieu gewesen war. Und doch wares nicht Hang zur Jntrigue selbst, auch nicht bloßer Ehr»geiz, sondern mehr ein Trieb, mit andern als mit seinenMaschinen Zuspielen, was ihn eine Zeitlang zum Chefder intrigantesten Sraatsfaktisn machte, welche man ausder Geschichte kennt. Denn das Lob der Fronde ist, dasmeiste durch Kopf und Geist, wenig mit bloßer Gewalt,gewürkt zu haben.

Wenn Voltaire als Probe unmäßiger Eitelkeit an»führt, daß Retz, dessen Voreltern doch nur Kaufleute ge-wesen seyen, sein Geschlecht den Fürsten aus dem HauseMedicis gleichgesetzt habe, so vergaß der Beurtheiler,daß auch diese aus Kaufleuten Fürsten geworden sind, dazu Florenz der älteste Adel mit der Gewerbsamkeit desKaufmanns ohne Anstoß verbunden seyn konnte, und daßjene Vergleichung nur in einem Streit mit dem ungebän,digten Kardinal Jean Charles von Medicis hingeworfenwurde.

Denk-