Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Zehnter Band (1795)
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

3»6

Auch wußte man die geheimen Unterhandlungendes Herrn Kardinals mit dem Herrn Prinzen vonCondch um diesen von der reformirten Religion abzu«ziehen und eine neue besondre Partey zu stiften, in-dem er ihm, da er ganz kürzlich Wittwer worden war,feine Nichte, Fräulein von Guise, zur Gemahlinn gebenwollte "), oder auch seine andre Nichte, die Koni»ginn von Schottland; ein Antrag, gegen den der Prinzstch sehr geneigt bezeigte. Es würde ein sehr wichtigesEräugniß und große Ehre für diesevvrtreffliche Königin«gewesen scyn, um sie von all dem Elend, den Un-fällen, Qualen und Mißhandlungen zu erlösen, diesie nachher zu erdulden hatte.

Auch sagte man, die Sache würde wirklich zuStand gekommen seyn, wenn die Unternehmung leb-haft genug betrieben worden wäre. So aber gieng sieZu lau und schläfrig, oder vielmehr das Schicksal wolltees nicht. Auch die Prediger (reformirten Geistli-chen) machten den Prinzen davon abwendig und be-siegten hierin den Kardinal. Endlich war ihmüberhaupt vielleicht die nahe Schönheit des Fräuleinsvon Longueville einer der schönsten Prinzessinnen ihrerZeit lieber, gls so. lange auf die andre noch entfernterezu warten.

So sprach man damahls bey Hof davon. In-desten glaubte oder befürchtete man in Ansehung die-ser Unterhandlungen wegemder Königin« von Schott-land etwas und der Herr Marschall seiner Seils warin Unruhe in Ansehung seines Gouvernements undsagte, er könne den Herrn Kardinal hinlänglich al§einen großen Unruhe - Stifter, wie einige seiner Cstle-gen sagten, ltzjvnders der Herr Kardinal Vitelli, denich ehmahls als einen guten Franzosen und Pensionnair