jjer Ruf Düsseldorfs als einer der schönsten im
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jj Kranze der rheinischen und deutschen Städte5 „ ist überall verbreitet. Man spricht von ihm' ^ als von der Kunst- und Gartenstadt, die,geschmückt mit herrlichen Anlagen in jedemTeile den Stempel mächtigen Emporblühenstrage. Düsseldorf gilt als das Bild der modernenStadt im ausgesprochensten Sinne. Von einemhistorischen Düsseldorf ist aber kaum irgendwo die Rede. DieVorzeit hat unserer Stadt spärliche Denkmäler als Zeugen vonvergangenen Jahrhunderten hinterlassen. Uber unserm Häuser-meere reckt kein uralter Dom stolz sein Getürme emporund vergeblich möchte der Fremde unsere Strassen durch-wandern, um sich von den kunstvoll gemeisselten Steingiebelnaltersgrauer Patrizierhäuser, bald heitere bald blutige Ge-schichten erzählen zu lassen. Der Strom der Geschichte,der Düsseldorf durchflutete hat nur wenige bleibende Spurenhinterlassen. Die Düsseldorfer Vorzeit ist arm an grossenhistorischen Begebenheiten und selbst der eingeborene Bürgerunserer Stadt weiss oft davon kaum mehr als das tragischeEnde der unglücklichen Jacobe von Baden, die als einzigeSagengestalt auf den Trümmern der längst verschwundenenBurg in der Geisterstunde umherwandeln soll. Und dochhat es ein historisches Düsseldorf gegeben, ebenso wieheute nicht nur ein modernes, sondern auch ein malerischesDüsseldorf besteht. Dem heimischen Geschichtsverein, dermit Erfolg beflissen ist, die vergangenen Jahrhunderte derDüsseldorfer Geschichte aufzuklären und das Wissen darüberzu verallgemeinern hat sich aus Künstlerkreisen ein Bundes-genosse angeschlossen. Wenn wir heute die Bilder betrachten,denen Wilhelm Schreuer Episoden aus dem historischenDüsseldorf zu Grunde gelegt hat, so gedenkt man unwill-kürlich an das alte ewigschöne Märchen von dem in Heckenund Blüten eingesponnenen Dornröschen. Überall in unsernalten Strassen und Gassen schlummerten malerische Mo-mente, überall wehte noch ein Hauch der Vergangenheit,überall konnten dem Auge Spuren verflossener Ereignisseund dahingegangener Menschengenerationen sichtbar werden.Allein, man musste es verstehen sie zu finden, empfinden undzu schauen. Schreuer hat sie den Zeitgenossen gezeigt. Ihmhat die gütige Vorsehung ein unvergleichlich feines Gefühlfür dasjenige gegeben, was ich als historische .Stimmungbezeichnen möchte. Wenn er in die Strassen des altenDüsseldorfs hineinblickt, dann werden die schlummerndenMotive wach, frisch zieht der historische Hauch an denverwitterten Giebeln vorüber und Gestalten in seltsam alter-tümlicher Gewandung, wandeln vor seinem Auge. Das allesformt seine Phantasie zu einem ebenso malerischen wiefesten charakteristischen Bilde. Schreuer besitzt die Fähig-keit, nicht allein sich selber, sondern auch die Beschauerseiner Bilder gewissermassen zu Augenzeugen der Vorgängezu machen, die er schildert. Bei den sämtlichen Blätterndes Werkes wird man diese hervortretendste künstlerischeEigenschaft Schreuers bestätigt finden. Die Blätter ausDüsseldorfs Vergangenheit, ob sie nun an historische Er-eignisse anknüpfen, oder Episoden aus dem ruhig dahin-fliessenden damaligen Leben hervorheben, stellen in ihrerGesamtheit ein Geschichtswerk in Bildern dar, das dieDüsseldorfer Vorzeit zu malerischem Leben wieder erstehenlässt. Ausser der Vergangenheit bietet die Kunst Schreuer’sauch Ansichten und Episoden aus der Gegenwart. Wie ervorhin zeigte dass seine absolut moderne Darstellungsart
gleichwohl die historische Stimmung auszudrücken vermag,so sind die Blätter aus unsern Tagen ihrerseits Zeugendafür, dass der rechte Künstler, mitten aus dem Getriebedes geschäftlichen Lebens und Verkehrs das malerischeherausblickt und aussondert. Und derjenige, der mit ihm dasheutige Düsseldorf durchwandert, wird belehrt, dass die Stadtgenug der Kunst entgegenkommende malerische und poetischeVorwürfe besitzt, wenn man sie nur zu erkennen und fassenbefähigt ist.
Ein heisser Juli-Nachmittag; durch die Luft flimmertmit grauweissem Dunstschleier der Sonnenschein über demin der Sommerglut schlummernden Düsseldorf und demlangsam und ruhig an der Stadt seine Wellen vorübertreibendenRheinstrome. Da drüben liegt die Stadt. Vorne am Krahnenund am alten Hafen ankern einige Schiffe, die fliegendeFähre macht sich eben zur Abfahrt bereit, kein Mensch aufdem Werfte. Als Hüter der unter dem Sonnenschleier inSchlummer versunkenen Stadt hebt sich weit unten aus demverschwimmenden Häuser-Vierecke der Lambertus-Turmhervor. Nur ein einziges Schiff belebt den Strom, ein Segler,der zu Berg fährt. Auf dem linken Rheinufer über denLeinpfad wird er hinaufgezogen. Mit aller Kraft liegen diestarken Gäule im Geschirr, in jedem von ihnen ist mit nichtzu überbietender .Schärfe das Gewaltsame der äusserstenKraftanstrengung ausgesprochen. Dem Zuge voran schreitetein alter Fuhrmann, eine wahrhaft klassische Gestalt. Lang,hager, verwittert, eine spitze Kappe über dem verrunzeltenGesicht. So eben hat er sich halb umgedreht, um denPferden ein aufmunterndes Wort zuzurufen. Man glaubtdas scharfe »Hüh!« mit leiblichem Ohre zu vernehmen.Anmutig kontrastiert mit dieser in angestrengter Bewegungherankommenden Gruppe, das schmucke Liebespaar, dasauf dem höher belegenen Pfade in zärtlichem Geplaudereinherschreitet. Mit der feinen, intimen Schilderung der Natur-stimmung verbindet sich ein ausgesprochener historischeroder historisierender Grundzug. Ist das Ende des vorigenJahrhunderts äusserlich auch nur durch die Tracht derLiebesleute angedeutet, so klingt doch ein intimer Grussgewesener Zeit aus der Gesamtkomposition hervor.
Das alte »Bergerthor!« Wir haben es Alle nochgekannt, bis vor wenig Jahren die Verwaltung der StadtDüsseldorf auf Grund einer ihr durch diskreten Zufall zu-gegangenen Kabinets-Ordre zunächst die Demolierung derThorburg veranlasste, wodurch ihre gänzliche Beseitigungzur absoluten Notwendigkeit wurde. Damals war derromantische Schimmer, der dieses nicht einmal allzualteBauwerk hätte umgeben können, vollständig verflogen, eswar hässlich geworden, aber nicht ehrwürdig und standdem Verkehre im Wege. Schreuer hat das »alte Berger-thor« unter ganz anderer kulturhistorischer Beleuchtunggesehen, als sie in unserer Zeit darüber lag. HeitererSonnenschein lässt er uns aus dem Bilde entgegenfluten,das richtige Beleuchtungs-Milieu für die Fapade mit ihrerunleugbar leichten und freundlichen Ornamentik. Rechtsund links umsäumen, damals noch vornehm und stolz, dienoch heute stehenden alten Patricier-Häuser die Strasse, aufder Holzbank neben der Thorwache sitzen einige Grenadiereder Hauptwache in ihren alterthümlichen Uniformen; durchdie Mitte der Strasse aber reitet ein stattlicher Kavalier
heran von mehreren Reitknechten gefolgt. Er ist derRepräsentant jener jagdfrohen, lustigen Zeit. Weit aus derFerne klingt ein melodischer Gruss herüber: »Ein Jäger ausKurpfalz!«
„Trara, trara, trara,“ so schmettert’s durch die alteStrasse. Soeben ist er durch das Ratingerthor eingefahren,an der Windmühle über das holprige Pflaster vorüber-gepoltert und jetzt kommt der Weseler Postwagen mit seinenmüden Gäulen und dem durstigen Schwager mitten überdie Strasse heran. Alles horcht auf jenen schmetterndenRuf und im Nu ist die Strasse belebt, der alte Schmied imSchurzfell hat den Blasebalg verlassen, die Frau ist mit ihremKinde vom Herde weg auf die Strasse geeilt, neugierigeBurschen laufen auf den Wagen zu und schauen durch dieScheiben, wer wohl darin sitzen mag, bellende und kläffendeKöter sind auch zur Stelle, selbst die verwitterten Giebelder Häuser scheinen neugierig auf den alten Kasten nieder-zublicken. Für den hochgetürmten Frachtwagen mit derweissen Plandecke, dessen Fuhrmann den ramsnasigen Gaulin den Stall gezogen hat, um dann zur Schenke zu gehen,hat Niemand mehr Interesse. Jetzt heisst’s nur: Was bringtdie Weseler Post für Neues und für Neuigkeiten! In dieseallgemeine Situation mit ihrer so recht und echt geschildertenStimmung aus der Kinderzeit des Verkehrs hat der Künstlereine schalkhafte Episode mit frischem Humor hineingemischt.Als Stratege weiss der stramme bergische Grenadier denMoment auszubeuten; er nähert sich der schmucken Bürgers-tochter, die mit ihrem Bierkrug über die Strasse trippelt,um mit galantem Worte um ihre Minne zu werben. In derThat ein Bild der Wirklichkeit thut sich hier auf, in sichlebendig und lebhaft und doch von dem Hauche dahin-gezogener Zeit fühlbar durchflossen.
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Es war am 3. November 1811 als Kaiser Napoleon I.in die damalige Hauptstadt des Grossherzogtums Berg seinenEinzug hielt. Unter den Zuschauern dieses historischen Er-eignisses befand sich auch Heinrich Heine, der jene Jugend-erinnerungen später in seinem berühmten Buche „le Grand“niedergelegt hat. Dieser von subjektiven Eindrücken der Be-geisterung reichlich durchwobenen literarischen Schilderungdes Kaiser-Einzugs gibt Schreuer’s Einzug Napoleon I. einegleich historisch gestimmte malerische Nachfolge. Um einenVorgang in historischem Lichte erscheinen zu lassen, kommtes darauf an, ihn in einem Milieu wiederzugeben, das injedem Zuge den Charakter und das Wesen seiner Zeitträgt. Und deshalb hat der Künstler, um den französischenMachthaber im Rahmen des alten aus dem 18. in das19. Jahrhundert hinübergeschlummerten Düsseldorf zu zeigen,den Kaiser nicht in die kaum bepflanzte Allee hinein-,sondern aus der alten, malerischen Ratingerstrasse heraus-reiten lassen. Wie erscheint uns Zeitgenossen die Strassemit den alten, hochgegiebelten Häusern und der Kreuzkircheim Hintergründe so bekannt und dennoch so ganz anders,so im Wesen und in der Stimmung weitentlegen! Um einJahrhundert werden wir zurückversetzt, wenn wir diesenimposanten Zug an unserm Auge vorüberschreiten lassen.Rechts und links umsäumen die Strassen Schaulustige, Frauen,Männer und Kinder. Vorne steht ein kleines Mädchen, dassein kleines Schwesterchen zu beruhigen trachtet. Die Kleinefürchtet sich vor dem herankommenden schnauzbärtigen