rufe“, genau deshalb, weil sie sich berufen weiss . . . Siehat Zeit, sie nimmt sich Zeit, sie denkt gar nicht daran,„fertig“ zu werden, — mit dreissig Jahren ist man, imSinne hoher Cultur, ein Anfänger, ein Kind. — Unsreüberfüllten G)^mnasien, unsre überhäuften, stupid ge-machten Gymnasiallehrer sind ein Skandal: um dieseZustände in Schutz zu nehmen, wie es jüngst die Pro-fessoren von Heidelberg gethan haben, dazu hat manvielleicht Ursachen, — Gründe dafür giebt es nicht.
— Ich stelle, um nicht aus meiner Art zu fallen,die jasagend ist und mit Widerspruch und Kritik nurmittelbar, nur unfreiwillig zu thun hat, sofort die dreiAufgaben hin, derentwegen man Erzieher braucht. Manhat sehen zu lernen, man hat denken zu lernen, manhat sprechen und schreiben zu lernen: das Ziel inallen Dreien ist eine vornehme Cultur. — Sehen lernen— dem Auge die Ruhe, die Geduld, das An-sich-heran-kommen-lassen angewöhnen; das Urtheil hinausschieben,den Einzelfall von allen Seiten umgehn und umfassenlernen. Das ist die erste Vorschulung zur Geistigkeit:auf einen Reiz nicht sofort reagiren, sondern die hem-menden, die abschliessenden Instinkte in die Hand be-kommen. Sehen lernen, so wie ich es verstehe, istbeinahe Das, was die unphilosophische Sprechweise denstarken Willen nennt: das Wesentliche daran ist gerade,nicht „wollen“, die Entscheidung aussetzen können.Alle Ungeistigkeit, alle Gemeinheit beruht auf dem Un-vermögen, einem Reize Widerstand zu leisten: — manmuss reagiren, man folgt jedem Impulse. In vielenFällen ist ein solches Müssen bereits Krankhaftigkeit,