Die „Vernunft“ in der Philosophie.
i.
Sie fragen mich, was Alles Idiosynkrasie bei denPhilosophen ist? . . . Zum Beispiel ihr Mangel anhistorischem Sinn, ihr Hass gegen die Vorstellung selbstdes Werdens, ihr Agypticismus. Sie glauben einer Sacheeine Ehre anzuthun, wenn sie dieselbe enthistorisiren,suö sfiecie aeterni, — wenn sie aus ihr eine Mumiemachen. Alles, was Philosophen seit Jahrtausenden ge-handhabt haben, waren Begriffs-Mumien; es kam nichtsWirkliches lebendig aus ihren Händen. Sie tödten, siestopfen aus, diese Herren Begriffs-Götzendiener, wenn sieanbeten, — sie werden Allem lebensgefährlich, wenn sieanbeten. Der Tod, der Wandel, das Alter ebensogut alsZeugung und Wachsthum sind für sie Einwände, —Widerlegungen sogar. AVas ist, wird nicht; was wird,ist nicht . . . Nun glauben sie Alle, mit AArzweiflungsogar, an’s Seiende. Da sie aber dessen nicht habhaftwerden, suchen sie nach Gründen, weshalb man’s ihnenvorenthält: „es muss ein Schein, eine Betrügerei dabeisein, dass wir das Seiende nicht wahrnehmen: wo stecktder Betrüger?“ — „Wir haben ihn, schreien sie glück-selig, die Sinnlichkeit ist’s! Diese Sinne, die auchsonst so unmoralisch sind, sie betrügen uns überdie wahre AA^elt. Moral: loskommen von dem Sinnen-